
Bevor die Seattle Seahawks und die New England Patriots im Super Bowl LX im Levi’s Stadium in Santa Clara aufeinandertreffen, blickte die NFL am Donnerstagabend noch einmal zurück auf die herausragenden Leistungen der Saison 2025.
Bei den NFL Honors 2026, die im traditionsreichen Palace of Fine Arts in San Francisco stattfanden, versammelte sich das Who’s who der Liga, um die besten Spieler, Trainer und Einzelleistungen des Jahres auszuzeichnen.
Schon früh wurde deutlich: Diese Saison hatte viele Geschichten – und einige klare Sieger.
Den Auftakt machte Myles Garrett, der sich verdient den Titel Defensive Player of the Year sicherte. Der Pass Rusher der Cleveland Browns war erneut einer der dominierenden Verteidiger der Liga und setzte über die gesamte Saison hinweg Maßstäbe.
In der Offensive ging die Auszeichnung für den Offensive Rookie of the Year an Tetairoa McMillan von den Carolina Panthers, der in seinem ersten NFL-Jahr sofort zur tragenden Säule avancierte. Die Chicago Bears stellten mit ihrem Guard Joe Thuney den ersten Gewinner des neu eingeführten Protector of the Year Award – eine Auszeichnung, die den Wert der Offensive Line stärker in den Fokus rückt.
Christian McCaffrey krönte seine emotionale Rückkehr bei den San Francisco 49ers mit dem Titel Comeback Player of the Year. Seine Vielseitigkeit und Konstanz machten ihn erneut zu einem der wertvollsten Playmaker der Liga.
Aus Sicht der New England Patriots wurde der Abend besonders erfolgreich: Mike Vrabel wurde als Head Coach of the Year ausgezeichnet, während Josh McDaniels den Preis für den Assistant Coach of the Year erhielt – ein klares Signal dafür, wie stark die Patriots in dieser Saison strukturell gearbeitet haben.
Der Titel Defensive Rookie of the Year ging an Carson Schwesinger von den Cleveland Browns, der sich sofort als Impact-Spieler etablierte.
Den Höhepunkt des Abends markierte jedoch die wichtigste Auszeichnung: Matthew Stafford wurde zum NFL MVP 2026 gekürt. Der Quarterback der Los Angeles Rams krönte damit eine Saison, in der er Führungsstärke, Konstanz und Playoff-Reife eindrucksvoll vereinte – und setzte mit seiner selbstbewussten „ass kicking“-Ansage ein deutliches Statement vor den Augen der gesamten Liga.
MVP: Matthew Stafford (QB, Los Angeles Rams)
Mit 37 Jahren und in seiner 17. NFL-Saison krönte Matthew Stafford eines der beeindruckendsten Quarterback-Jahre der jüngeren Ligageschichte mit der Auszeichnung als Most Valuable Player.
Statistisch führte Stafford die NFL in allen entscheidenden Kategorien an:
4.707 Passing Yards, 46 Touchdowns und ein herausragendes Touchdown-zu-Interception-Verhältnis von 5,8. Damit ließ er selbst Patriots-Quarterback Drake Maye, der als MVP-Zweiter ins Ziel kam, deutlich hinter sich – 313 Yards und 15 Touchdowns mehr sprechen eine klare Sprache.
Laut ESPN Research war Staffords Saison erst das achte Mal in der NFL-Historie, dass ein Quarterback mindestens 4.500 Passing Yards und 45 Touchdowns in einer Spielzeit erzielte. In sechs der sieben vorherigen Fälle führte eine solche Leistung direkt zum MVP-Titel. Die einzige Ausnahme: Drew Brees 2011, der damals trotz historischer Zahlen Aaron Rodgers den Vortritt lassen musste.
Besonders bemerkenswert war jedoch nicht nur die schiere Menge an Yards und Scores, sondern die Konstanz.
Stafford blieb acht Spiele in Folge ohne Interception und warf in diesem Zeitraum 28 Touchdowns am Stück. Laut Elias Sports Bureau ist das die längste Serie von Passing Touchdowns ohne Interception, seit Play-by-Play-Daten 1978 erstmals vollständig erfasst werden.
Ein MVP-Moment mit Ansage
Auf der Bühne der NFL Honors stand Stafford nicht allein. Begleitet von seinen vier Töchtern, genoss er den Moment – und nutzte ihn gleichzeitig für eine klare Botschaft.
Mit einem breiten Grinsen erklärte er, er hoffe, nächstes Jahr nicht wieder auf dieser Bühne zu stehen, sondern stattdessen „ein bisschen Ass zu kicken“. Eine Aussage, die bei Sean McVay und mehreren Rams-Mitspielern im Publikum für sichtliche Begeisterung sorgte.
"So I'll see you guys next year."
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Matthew Stafford is coming back next season 🔥
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Es war kein Abschiedsmoment.
Es war eine Kampfansage.
Offensive Player of the Year: Jaxon Smith-Njigba (WR, Seattle Seahawks)
Mit einer Saison für die Geschichtsbücher spielte sich Jaxon Smith-Njigba endgültig in die absolute Elite der NFL-Wide-Receiver. Was der Passempfänger der Seattle Seahawks 2025 zeigte, war nicht nur statistisch überragend – es war historisch.
1.793 Receiving Yards bedeuteten nicht nur Bestwert ligaweit, sondern zugleich den Franchise-Rekord der Seahawks für einen Passfänger. Dazu kamen 10 Touchdowns und ein Platz unter den effizientesten Targets der Liga: Mit 10,9 Yards pro Target landete Smith-Njigba ligaweit auf Rang zwei.
OPOY in Year 3 🔥 @jaxon_smith1
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Besonders beeindruckend ist diese Produktion im Kontext der Offensive, in der sie entstand. Seattle spielte 2025 die laufintensivste Offense der NFL – mit einer designten Rush-Rate von 47,6 %. Smith-Njigba dominierte also nicht als Volumen-Empfänger in einer Pass-Heavy-Offense, sondern als hocheffiziente Konstante in einem System, das den Lauf priorisierte.
Seine Leistungen brachten ihm folgerichtig:
- Pro-Bowl-Nominierung
- First-Team All-Pro
- und schließlich den Titel Offensive Player of the Year
Auch in den Playoffs blieb JSN der zentrale Faktor. Im NFC Championship Game fing er 10 Pässe für 153 Yards und erzielte seinen zweiten Touchdown in zwei Postseason-Spielen – ein Auftritt, der maßgeblich dazu beitrug, dass Seattle den Einzug in den Super Bowl LX perfekt machte.
Defensive Player of the Year: Myles Garrett (DE, Cleveland Browns)
Wenn es einen Maßstab für dominanten Pass Rush in der modernen NFL gibt, dann heißt er Myles Garrett. Der Defensive End der Cleveland Browns krönte eine Ausnahme-Saison mit seinem zweiten Defensive Player of the Year Award – und schrieb dabei NFL-Geschichte.
Mit 23 Sacks stellte Garrett einen neuen Single-Season-Rekord auf und übertraf damit die bisherige Bestmarke, die sich Michael Strahan und T.J. Watt geteilt hatten. Noch beeindruckender: Laut NFL Next Gen Stats wurde Garrett bei 39,5 % seiner Pass-Rush-Snaps gedoppelt oder gechippt – häufiger als jeder andere Edge Rusher der Liga.
Myles Garrett's record-breaking season made him the unanimous DPOY ⭐️
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Trotz maximaler Aufmerksamkeit blieb er nicht nur produktiv, sondern zerstörerisch.
Doch Garretts Saison reduzierte sich nicht auf Quarterback-Jagd. Seine 33 Tackles for Loss waren der zweitbeste Wert seit dem Jahr 2000 – übertroffen lediglich von J.J. Watts legendären 39 Tackles for Loss im Jahr 2012. Garrett definierte Defense nicht nur als Sack-Statistik, sondern als dauerhafte Disruption.
Browns-Defensive-Line-Coach Jacques Cesaire brachte es treffend auf den Punkt:
„Wenn du jede Woche diese Art von Aufmerksamkeit bekommst und trotzdem solche Zahlen lieferst, ist das etwas ganz Besonderes.“
Garretts Auszeichnung war damit nicht nur verdient – sie war alternativlos.
Offensive Rookie of the Year: Tetairoa McMillan (WR, Carolina Panthers)
Wenn Tetairoa McMillan seine Rookie-Saison selbst als „durchschnittlich“ bezeichnet, sagt das weniger über seine Leistungen aus – als über seinen eigenen Anspruch.
Denn objektiv betrachtet war McMillans erstes NFL-Jahr alles andere als durchschnittlich.
Der Achtplatzierte Pick des Drafts 2025 entwickelte sich sofort zum Fixpunkt der Panthers-Offense. Mit
- 70 Receptions bei 122 Targets,
- 1.014 Receiving Yards und
- 7 Touchdowns
führte er alle Rookies in Receiving Yards an und stellte gleichzeitig einen Franchise-Rekord für Rookie-Receiver der Carolina Panthers auf.
Tetairoa McMillan's 1,000-yard season earns him OROY honors.
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Besonders auffällig war seine Explosivität:
27 seiner Catches gingen über 16+ Yards – mehr als bei jedem anderen Rookie der Saison 2025. McMillan war kein reiner Chain-Mover, sondern ein permanenter Big-Play-Faktor.
Hinzu kam seine Präsenz in den entscheidenden Momenten:
- 7 Receptions bei Fourth Down
- 6 davon führten zu First Downs
Damit wurde McMillan schnell zu einem Vertrauensanker für Bryce Young, der in seiner dritten NFL-Saison erstmals über einen echten No.-1-Receiver verfügte. Young machte keinen Hehl daraus, welchen Unterschied das bedeutete:
„Er war elite. Er ist ein besonderer Spieler.“
Dass McMillan sich selbst dennoch nur als „average“ bezeichnete, unterstreicht vor allem eines:
Seine Erwartungen an sich selbst liegen deutlich höher als das, was die Liga bereits von ihm gesehen hat.
Defensive Rookie of the Year: Carson Schwesinger (LB, Cleveland Browns)
In einer Defense, in der Myles Garrett den Sack-Rekord brach, drohte ein anderer Name fast unterzugehen. Doch Carson Schwesinger sorgte schnell dafür, dass das unmöglich war.
Der 33. Pick des NFL Drafts 2025 lieferte eine der komplettesten Rookie-Saisons der vergangenen Jahre – und übernahm dabei früh Verantwortung im Zentrum der Cleveland Browns-Defense.
only the beginning
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Carson Schwesinger is your Defensive Rookie of the Year! pic.twitter.com/hEj41FYhnY
Seine Zahlen sprechen für sich:
- 146 Tackles – Bestwert unter allen Rookies
- 11 Tackles for Loss – ebenfalls Rookie-Bestwert
- 2 Interceptions – geteilter dritter Platz unter allen Neulingen
Doch Schwesingers Einfluss ging weit über Statistiken hinaus. Als ehemaliger Walk-on bei UCLA trug er in seiner Rookie-Saison bereits den „Green Dot“ – das Zeichen für den defensiven Signal Caller. Er war verantwortlich für Adjustments, Calls und Kommunikation innerhalb einer Defense, die am Saisonende zu den Top 5 der NFL zählte.
Defensive Coordinator Jim Schwartz lobte dabei vor allem Schwesingers Reife:
„Er ist unser Playcaller, macht sehr selten Fehler – und wenn doch, dann wiederholt er sie nicht. Dazu ist er extrem produktiv.“
Für einen Rookie ist das außergewöhnlich. Für einen Linebacker, der ohne große College-Reputation kam, ist es fast schon bemerkenswert.
Schwesinger verkörperte genau das, was NFL-Defenses suchen:
Spielverständnis, Führungsqualität und konstante Produktivität – vom ersten Snap an.
Protector of the Year: Joe Thuney (G, Chicago Bears)
Der erstmals vergebene Award für den Protector of the Year ging an einen Spieler, dessen Wert sich selten in Highlight-Clips ausdrückt, aber Woche für Woche über Spiele entscheidet: Joe Thuney.
Nach seinem Trade von den Kansas City Chiefs zu den Chicago Bears im März 2025 wurde Thuney sofort zum stabilisierenden Kern einer komplett neu aufgestellten Offensive Line. Und das mit beeindruckender Konstanz.
Der 33-jährige Left Guard:
- ließ in der gesamten Saison keinen einzigen Sack zu
- stand bei 99,57 % aller offensiven Snaps auf dem Feld – der zweithöchste Wert im Team
- war ligaweit führend unter Interior Linemen in der Pass-Block-Win-Rate (98 % der Blocks über mindestens 2,5 Sekunden)
Der Effekt zeigte sich unmittelbar beim Quarterback:
Caleb Williams wurde 44-mal seltener gesackt als noch in seiner Rookie-Saison – ein direkter Beleg für Chicagos verbesserte Protection im Zentrum der Line.
In his 10th season in the league, Joe Thuney takes home the Protector of the Year Award 👏
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Thuneys Wert ging jedoch weit über seine Stammposition hinaus. Als Rookie Ozzy Trapilo sich in den Playoffs schwer verletzte, rückte Thuney kurzerhand auf Left Tackle – und das bereits zum zweiten Mal in Folge in der Postseason. Seine Positionsflexibilität unterstrich einmal mehr, warum er ligaweit als einer der zuverlässigsten Linemen gilt.
Ein Blick auf seine Karriere macht klar, dass diese Auszeichnung kein Momentprodukt ist:
- 2 Super-Bowl-Siege mit den New England Patriots
- 4 AFC-East-Titel in fünf Jahren (2016–2020)
- 2 Super-Bowl-Siege mit Kansas City
- Turnaround-Saison mit Chicago: von fünf auf elf Siege, Division-Titel und Playoff-Erfolg
Thuney steht sinnbildlich für eine Wahrheit, die dieser Award erstmals offiziell würdigt:
Elite-Offensive-Lines gewinnen Spiele – oft im Stillen.
Comeback Player of the Year: Christian McCaffrey (RB, San Francisco 49ers)
Nach einer Saison, die fast komplett von Verletzungen zerstört wurde, kehrte Christian McCaffrey 2025 nicht nur zurück – er setzte erneut den Maßstab für Vielseitigkeit und Belastbarkeit.
Nach beidseitiger Achillessehnenentzündung und einer Knieverletzung, die ihn 2024 auf lediglich vier Spiele limitiert hatten, absolvierte McCaffrey 2025 alle 19 Partien, inklusive Playoffs. Allein diese Verfügbarkeit wäre bemerkenswert gewesen. Seine Produktion machte sie außergewöhnlich.
McCaffrey beendete die Saison mit:
- 2.126 Yards from Scrimmage (Platz 2 NFL-weit)
- 17 Touchdowns (Platz 3)
- 413 Touches in der Regular Season – Liga-Bestwert und der höchste Wert seiner gesamten Karriere
Kein anderer Spieler wurde häufiger eingesetzt. Kein anderer Running Back war konstanter. Und in einer Saison, in der Verletzungen die San Francisco 49ers immer wieder trafen, wurde McCaffrey zur einzigen Konstante in der Offense.
The Comeback Kid @CMC_22 | @49ers | #NFLHonors pic.twitter.com/3V70nVWsVQ
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Head Coach Kyle Shanahan fand dafür deutliche Worte:
„Ich glaube, das war eine der beeindruckendsten individuellen Saisons, die ich je gesehen habe – was er Woche für Woche körperlich und mental investiert hat, war außergewöhnlich.“
McCaffrey selbst sprach rückblickend von „einem der härtesten Jahre meines Lebens“ – geprägt von monatelanger Reha, täglicher Körperarbeit und dem mentalen Kampf zurück zur Belastbarkeit.
Der Comeback Player of the Year ging damit nicht nur an einen Spieler, der zurückkam.
Sondern an einen, der nach maximaler Verletzungsbelastung wieder auf MVP-Niveau performte.
Coach of the Year: Mike Vrabel (New England Patriots)
Was Mike Vrabel in seiner ersten Saison bei den New England Patriots leistete, gehört zu den eindrucksvollsten Turnarounds der NFL-Geschichte.
Ein Team, das zwei Jahre in Folge nur vier Spiele gewonnen hatte, führte Vrabel unmittelbar zu einer 14–3-Regular-Season-Bilanz – und anschließend bis in den Super Bowl LX. Die Verbesserung um zehn Siege ist historisch und stellt die Patriots auf eine Stufe mit den 1999 Colts und den 2008 Dolphins, die bislang den Maßstab für den größten One-Year-Turnaround gesetzt hatten.
Vrabel ist damit erst der dritte Head Coach überhaupt, der in seiner ersten Saison 14 Siege feiern konnte – nach George Seifert (1989, 49ers) und Jim Caldwell (2009, Colts).
Doch der Kern seines Erfolgs lag nicht allein im Scheme, sondern in der Kultur, die er installierte.
AFC Champion
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Coach of the Year
Not a bad first season in New England for Mike Vrabel
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Ein zentrales Element war das sogenannte „4-Hs“-Prinzip:
Jeder Spieler und Coach stellte sich im Frühjahr mit History, Hero, Heartbreak und Hope vor. Persönliche Geschichten, Brüche und Ziele wurden offen geteilt – ein Ansatz, den Vrabel 2024 als Berater unter Kevin Stefanski kennengelernt hatte.
Die Wirkung war spürbar. Spieler berichteten übereinstimmend, dass das gegenseitige Verständnis den Einsatz füreinander veränderte.
Wide Receiver Stefon Diggs, mittlerweile im elften NFL-Jahr, brachte es auf den Punkt:
„Wahrscheinlich der beste Coach, den ich je hatte. Ich weiß nicht, wie er das macht – aber er hat mich voll abgeholt.“
Vrabels Auszeichnung ist damit mehr als ein persönlicher Titel. Sie steht für einen kompletten kulturellen Reset in New England – und für die Rückkehr einer Franchise, die wieder weiß, wofür sie steht.
Assistant Coach of the Year: Josh McDaniels (OC, New England Patriots)
Die zweite Auszeichnung für New England ging an einen Mann, dessen Karriere bereits mehrere Zyklen durchlaufen hat: Josh McDaniels.
Nach seiner Entlassung als Head Coach der Las Vegas Raiders im Oktober 2023 nahm McDaniels 2024 eine bewusste Auszeit vom NFL-Alltag. Ein Jahr, das er später als Phase von „Ruhe und Klarheit“ beschrieb.
2025 folgte die Rückkehr – bereits zum dritten Mal als Offensive Coordinator der Patriots. Und sie wurde zum Volltreffer.
Im Zentrum seiner Arbeit stand Quarterback Drake Maye, der unter McDaniels’ Anleitung den Sprung vom Entwicklungsspieler zum echten MVP-Kandidaten vollzog.
Congratulations, OC Josh McDaniels 👏
— New England Patriots (@Patriots) February 6, 2026
2025 AP Assistant Coach of the Year! pic.twitter.com/Y7K8fngKNz
Die Basis dafür wurde früh gelegt:
Im Frühjahr verbrachten beide bewusst Zeit miteinander – Pickleball-Matches, gemeinsame Abendessen mit der Familie und intensive Gespräche, lange bevor es um Playbooks ging. Erst danach folgte die Arbeit an X’s und O’s.
Das Ergebnis:
- 1. Platz NFL-weit in Completion Percentage (72 %)
- 1. Platz in QBR (77,1)
- 1. Platz in Yards pro Attempt (8,93)
Backup-Quarterback Joshua Dobbs beschrieb die Dynamik treffend:
„Ein Coach mit maximaler Erfahrung und ein junger Spieler, der alles aufsaugt – das ist eine perfekte Kombination.“
Bemerkenswert: Die Patriots-Offense gehörte zu den jüngsten der Liga. New England war erst das zweite Team seit 2000, das eine Saison mit Rookies auf Left Tackle (Will Campbell) und Left Guard (Jared Wilson) begann – und dennoch die drittmeisten Yards pro Spiel (379,4) erzielte.
McDaniels’ Auszeichnung steht damit für mehr als individuelles Coaching. Sie ist ein Beleg dafür, wie Erfahrung, Demut und Neugier gemeinsam eine Offense transformieren können.
Die weiteren Auszeichnungen des Abends
Neben MVP, Coach- und Spieler-Awards wurden bei den NFL Honors 2026 zahlreiche Preise vergeben, die soziales Engagement, sportliche Fairness, konstante Exzellenz und besondere Momente der Saison würdigen. Gerade diese Kategorien zeigen, wie breit die Liga Leistung definiert – weit über Touchdowns und Sacks hinaus.
Walter Payton NFL Man of the Year
Bobby Wagner | Washington Commanders
Der prestigeträchtigste Award außerhalb des Spielfelds ging an Bobby Wagner. Ausgezeichnet wurde sein langjähriges gesellschaftliches Engagement, insbesondere in den Bereichen Jugendförderung, Bildung und Community-Arbeit. Der Award steht wie kein anderer für das Vermächtnis Walter Paytons: sportliche Größe gepaart mit menschlicher Verantwortung.
A memorable night for Bobby Wagner 👏 pic.twitter.com/rWQ2NGXxn7
— NFL (@NFL) February 6, 2026
Salute to Service Award
Christian McCaffrey | San Francisco 49ers
McCaffrey wurde für sein außergewöhnliches Engagement für Militärangehörige, Veteranen und deren Familien geehrt. Der Award unterstreicht einmal mehr, dass McCaffreys Einfluss weit über seine Rolle als Offensive-Motor der 49ers hinausgeht.
Art Rooney Sportsmanship Award
Budda Baker | Arizona Cardinals
Der Sportsmanship Award ging an Budda Baker, einen der respektiertesten Führungsspieler der Liga. Die Auszeichnung würdigt Fairness, Integrität und professionelles Auftreten – Eigenschaften, für die Baker ligaweit Anerkennung genießt.
Deacon Jones Sack Leader Award
Myles Garrett | Cleveland Browns
Mit seinem Rekord von 23 Sacks sicherte sich Garrett folgerichtig auch den Award für den besten Pass Rusher der Saison. Die Auszeichnung ergänzt seinen Defensive Player of the Year und zementiert seine historische 2025er-Saison.
Jim Brown Award (Leading Rusher)
James Cook | Buffalo Bills
James Cook wurde als bester Rusher der NFL ausgezeichnet. Der Jim-Brown-Award steht für Konstanz, Explosivität und Belastbarkeit – Attribute, die Cooks Saison perfekt beschreiben.
NFL Fan of the Year
Ed Callahan | Philadelphia Eagles
Der Fan-Award ehrte Ed Callahan, stellvertretend für die Leidenschaft, Loyalität und Kreativität der Eagles-Fanbase. Der Preis rückt jene ins Rampenlicht, ohne die das Produkt NFL nicht existieren würde.
NFL FLAG Players of the Year
Brysen Wright & Ava Rotondi
Mit dem NFL FLAG Award würdigte die Liga zwei Nachwuchsspieler, die den Wachstumskern des American Football repräsentieren. Flag Football gewinnt – auch mit Blick auf LA28 – zunehmend an strategischer Bedeutung.
Next Gen Stats Moment of the Year (powered by AWS)
Caleb Williams → DJ Moore Touchdown | Chicago Bears
Der datenbasierte Award ging an den Touchdown-Pass von Caleb Williams auf DJ Moore – ein Spielzug, der Timing, Präzision und analytische Einzigartigkeit perfekt vereinte.
FedEx Air & Ground Players of the Year
- Drake Maye | New England Patriots
- Jaxon Smith-Njigba | Seattle Seahawks
- Christian McCaffrey | San Francisco 49ers
Die FedEx-Auszeichnungen ehrten herausragende Leistungen in der Luft und am Boden – und spiegelten die offensive Vielfalt der Saison 2025 wider.
Don Shula Coach of the Year (High School Football) – presented by Jersey Mike’s
- Dylen Smith (AFC, Kalifornien)
- Dave Ettinger (NFC, New York)
Abseits der NFL ehrte die Liga auch High-School-Coaches, die mit Führungsstärke und Engagement die Basis für die nächste Generation legen – ganz im Sinne des Vermächtnisses von Don Shula.
Gesamtfazit: Ein Abend, der die Saison einordnet – nicht verklärt
Die NFL Honors 2026 waren weniger Glamour-Show als klare Einordnung einer außergewöhnlichen Saison. Die Auszeichnungen folgten überwiegend der sportlichen Logik: dominante Leistungen wurden belohnt, historische Zahlen eingeordnet und strukturelle Erfolge sichtbar gemacht.
Matthew Stafford steht sinnbildlich für diesen Abend – als MVP, der Leistung über Narrative stellte und den Fokus sofort auf das nächste Ziel lenkte. Jaxon Smith-Njigba, Myles Garrett und Christian McCaffrey bestätigten, dass individuelle Exzellenz auch in einem ligaweit ausgeglichenen Umfeld möglich bleibt.
Gleichzeitig spiegelten die Coaching-Awards für Mike Vrabel und Josh McDaniels, wie stark Kultur, Struktur und Entwicklung den Unterschied machen können – besonders bei einem Team, das binnen eines Jahres vom Umbruch in den Super Bowl führte.
Abseits der großen Schlagzeilen erinnerten die weiteren Awards daran, dass die NFL mehr ist als Statistiken: Leadership, Verantwortung und Vorbildfunktion bleiben zentrale Säulen der Liga.
Unterm Strich war dieser Abend kein Abschluss – sondern ein Übergang.
Die Saison 2025 wurde gewürdigt.
Der Blick richtet sich nach vorn.
Auf Super Bowl LX.
Quellen:
List of ‚NFL Honors‘ award winners from 2025 NFL season
Matthew Stafford wins 2025 AP NFL Most Valuable Player award
2026 NFL Honors: Who won the league’s biggest awards? – ESPN