Robert Saleh (roter Hoodie) wechselt vom NFL-Playoffteam 2026 zu den Tennessee Titans.
Robert Saleh (roter Hoodie) wechselt vom NFL-Playoffteam 2026 zu den Tennessee Titans. | Quelle: IMAGO / Icon Sportswire

Die Diskussion um Job Interviews mit NFL‑Coaches während der laufenden Playoffs flammt jedes Jahr aufs Neue auf. Während einige Franchises bereits in der Offseason stecken, kämpfen andere noch um den Super Bowl – und genau hier entsteht ein Spannungsfeld, das sportlich wie organisatorisch Fragen aufwirft. Ist dieses System fair? Oder benachteiligt es Teams, die noch im Titelrennen stehen? Ein Blick auf Fakten, Regeln und Auswirkungen zeigt, wie komplex das Thema wirklich ist.

Die aktuelle Regelung der NFL

Die NFL erlaubt Interviews mit Assistenztrainern von Playoff‑Teams – allerdings unter klaren Einschränkungen. Laut Berichten dürfen Teams bereits nach der Wild Card Round Gespräche mit Koordinatoren führen, selbst wenn deren Mannschaft noch aktiv im Wettbewerb steht. Diese Praxis sorgt seit Jahren für Kritik, da Coaches zwischen Vorbereitung auf das nächste Playoff‑Spiel und Bewerbungsgesprächen jonglieren müssen.

Um die Belastung zu reduzieren, haben die NFL‑Owner 2024 neue Grenzen gesetzt: Interviews mit Coaches von noch aktiven Teams dürfen maximal drei Stunden dauern und müssen an einem Ort stattfinden, den das aktuelle Team des Coaches genehmigt. Hintergrund waren Fälle, in denen Interviews sechs bis acht Stunden dauerten – teilweise sogar mehrere an einem Tag.

Diese Regeln sollen sicherstellen, dass Coaches ihre eigentliche Aufgabe – das Gewinnen von Playoff‑Spielen – nicht vernachlässigen müssen.

Wo entsteht der Wettbewerbsnachteil?

Teams, die früh in der Offseason sind, können ohne Zeitdruck Gespräche führen, Kandidaten vergleichen und langfristige Strategien entwickeln. Playoff‑Teams hingegen müssen:

  • Spielvorbereitung und Interviews parallel bewältigen
  • riskieren, dass Koordinatoren abgelenkt sind
  • möglicherweise Kandidaten verlieren, die sich frühzeitig für andere Teams entscheiden

Gerade Top‑Koordinatoren erfolgreicher Teams sind begehrt. Wenn sie während der Playoffs nur eingeschränkt verfügbar sind, geraten ihre Chancen auf einen Head‑Coach‑Posten ins Hintertreffen. Das bestätigt auch die Berichterstattung: Mehrere Teams beginnen ihre Suche bereits während der Playoffs, was Assistenztrainer zwingt, „in zwei Welten“ zu leben.

How NFL coaching carousel could impact 49ers defense in playoffs https://t.co/iWclRZLrZF pic.twitter.com/g6DAz8vAF8

— Niners Wire (@TheNinersWire) January 9, 2026

Warum hält die NFL trotzdem an diesem System fest?

Die Liga steht vor einem strukturellen Problem: Der Coaching‑Markt ist eng, und viele Teams wollen so früh wie möglich Planungssicherheit. Da jährlich mehrere Franchises ihre Head Coaches entlassen – 2026 waren es direkt zu Beginn sechs Teams – entsteht ein enormer Zeitdruck.

Würde man Interviews erst nach dem Super Bowl erlauben, würde sich der gesamte Coaching‑Zyklus um Wochen verzögern. Das hätte Auswirkungen auf:

  • Free Agency‑Vorbereitung
  • Draft‑Planung
  • Zusammenstellung des Coaching‑Staffs

Kurz gesagt: Die NFL versucht, einen Kompromiss zwischen sportlicher Fairness und organisatorischer Effizienz zu finden.

➡️ Lesetipp: Warum NFL Teams ihre Coaches nicht so schnell entlassen wie im Fußball

Wie stark beeinflussen Interviews die Playoff‑Performance?

Die Meinungen gehen auseinander. Einige argumentieren, dass professionelle Coaches mit solchen Situationen umgehen können. Andere sehen klare Nachteile:

  • Ablenkung: Ein mehrstündiges Interview kurz vor einem Championship Game ist kaum ideal.
  • Erschöpfung: Lange Gespräche plus Game‑Prep können zu mentaler Ermüdung führen.
  • Teamdynamik: Spieler wissen, dass ihr Koordinator möglicherweise bald weg ist – das kann Unruhe erzeugen.

Ein Journalist bezeichnete im Januar 2026 die Situation sogar als „massiv benachteiligend“ für Playoff‑Teams.

Top 5 NFL head coach candidates on teams still in the playoffs — & when they’re allowed in-person interviews. https://t.co/bfyVTcurzB

— Jason Wolf🐺🌵 (@JasonWolf) January 16, 2026

Ist das System gerecht?

Die Antwort ist nicht eindeutig – aber die Fakten sprechen für eine gewisse Ungleichheit:

Vorteile für Nicht‑Playoff‑Teams

  • Früher Start in die Trainersuche
  • Mehr Zeit für Gespräche
  • Weniger Konkurrenzdruck

Nachteile für Playoff‑Teams

  • Zeitliche Einschränkungen
  • Gefahr der Ablenkung
  • Verlust von Fokus und Energie

Die NFL versucht, diese Nachteile durch strengere Regeln zu minimieren. Doch selbst mit der Drei‑Stunden‑Grenze bleibt die Frage: Warum müssen Coaches überhaupt während der wichtigsten Phase der Saison Interviews führen?

Mögliche Lösungsansätze

Einige Ideen, die in der Diskussion immer wieder auftauchen:

  • Interview‑Freeze während der Playoffs Keine Gespräche, bis ein Team ausgeschieden ist.
  • Zentraler Interview‑Zeitraum Ein festes Fenster zwischen Championship Games und Super Bowl.
  • Verlängerte Offseason‑Fristen Damit Teams nicht unter Druck geraten, früh zu handeln.

Ob die NFL solche Reformen umsetzt, bleibt offen – aber der Druck wächst.

Fazit: Ein System mit klaren Schwächen

Ist es gerecht? Nicht wirklich. Die Fakten zeigen, dass Playoff‑Teams und ihre Coaches strukturell benachteiligt sind. Zwar versucht die NFL, mit Regeln gegenzusteuern, doch das Grundproblem bleibt bestehen: Der Coaching‑Markt tickt schneller als der sportliche Kalender.

Solange Teams früh handeln wollen und die Liga keine radikale Reform wagt, werden Interviews während der Playoffs ein umstrittenes, aber fest verankertes Element bleiben.

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