
Keine zwei Wochen nach dem Triumph im Super Bowl 60 sorgt eine Meldung für ein echtes Beben in der NFL: Die Seattle Seahawks starten offiziell einen Verkaufsprozess. Der Nachlass von Paul G. Allen setzt damit die testamentarische Verfügung des 2018 verstorbenen Microsoft-Mitgründers um – seine Sport-Franchises sollen verkauft und die Erlöse philanthropischen Zwecken gespendet werden.
Damit steht ausgerechnet der amtierende Champion vor einer ungewissen Zukunft in Sachen Ownership. Ein Schritt, der nicht nur in Seattle, sondern ligaweit für Aufmerksamkeit sorgt.
Verkauf der Seattle Seahawks: So läuft der Prozess
Die Investmentbank Allen & Company sowie die Kanzlei Latham & Watkins führen den Verkaufsprozess, der sich voraussichtlich über die komplette Offseason ziehen wird. Ein Blick auf jüngere NFL-Deals zeigt, wie komplex solche Transaktionen sind.
- Die Washington Commanders wurden 2023 für 6,05 Milliarden Dollar an eine Gruppe um Josh Harris verkauft.
- Die Denver Broncos wechselten 2022 für 4,65 Milliarden Dollar zur Walton-Penner-Familie.
Während der Commanders-Deal mehr als acht Monate dauerte, ging es bei den Broncos vergleichsweise schnell. Entscheidend: Auch die Seahawks befinden sich in einem Trust-Modell, ähnlich wie es bei Denver der Fall war.
Als Testamentsvollstreckerin ist Jody Allen verpflichtet, den maximalen Marktwert für die Franchise zu erzielen.
Von 200 Millionen zu über 6 Milliarden Dollar
Die Geschichte der Seahawks unter der Allen-Familie ist eine echte Erfolgstory.
1997 kaufte Paul G. Allen das Team für rund 200 Millionen Dollar von Ken Behring – und bewahrte es damit vor einem Umzug aus Seattle.
Knapp 17 Jahre später stemmte er die erste Lombardi Trophy in die Höhe – nach dem dominanten Sieg im Super Bowl XLVIII.
Nach Allens Tod im Jahr 2018 übernahm seine Schwester Jody den Vorsitz.
Bilanz der Allen-Ära:
- 2 Super-Bowl-Siege
- 4 NFC Championships
- 11 Divisionstitel
- Kontinuierliche Playoff-Präsenz
Sportlich und wirtschaftlich gehören die Seahawks längst zur oberen Liga der NFL-Franchises.
👉 Siehe auch: „Die Super Bowl History der Seattle Seahawks“
Was sind die Seattle Seahawks wert?
Laut Forbes liegt der geschätzte Wert der Seattle Seahawks aktuell bei rund 6,70 Milliarden Dollar – Platz 14 ligaweit. Das entspricht einem Anstieg von 18 Prozent innerhalb eines Jahres.
Sollte die Franchise für 8 Milliarden Dollar verkauft werden und damit einen neuen Rekord setzen, sähe die Rechnung so aus:
- Mindestens 2,4 Milliarden Dollar Eigenanteil für den Controlling Owner (30 %-Regel)
- Weitere 5,6 Milliarden Dollar müssten über Investoren finanziert werden
Hier greift eine spezielle NFL-Regel:
Ein kontrollierender Eigentümer muss mindestens 30 Prozent des Teams besitzen, und es dürfen maximal 24 Minderheitsinvestoren beteiligt sein.
Diese Struktur begrenzt den Kreis potenzieller Käufer erheblich – infrage kommen praktisch nur Ultra-Milliardäre.
Zum Vergleich:
- Rob Walton, Mehrheitseigner der Broncos, besitzt laut Forbes ein Vermögen von rund 144 Milliarden Dollar.
- Josh Harris wird auf etwa 11 Milliarden Dollar geschätzt.
Weitere Verkäufe im Allen-Nachlass
Der Verkauf der Seahawks ist Teil einer größeren Strategie.
Der Nachlass steht kurz davor, die Portland Trail Blazers an eine Investorengruppe um Tom Dundon zu veräußern. Dundon besitzt bereits die Carolina Hurricanes.
Zudem hält der Nachlass weiterhin eine Minderheitsbeteiligung an den Seattle Sounders aus der MLS.
Was bedeutet der Verkauf für die Zukunft?
Sportlich stehen die Seattle Seahawks nach dem Super-Bowl-Triumph auf dem Höhepunkt.
Ein Eigentümerwechsel kann:
- neue Investitionen ermöglichen
- strategische Neuausrichtung bringen
- aber auch Unruhe ins Tagesgeschäft bringen
Entscheidend wird sein, wer übernimmt – und wie langfristig die Vision für Seattle angelegt ist.
Der Standort selbst gilt als stabil. Anders als 1997 steht kein Umzugsszenario im Raum. Vielmehr geht es um eine wirtschaftliche Neuordnung auf höchstem Niveau.
Ein historischer Moment für die NFL
Der Verkauf eines amtierenden Super-Bowl-Champions ist ein seltenes Ereignis. Die Seahawks könnten nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich neue Maßstäbe setzen.
Sollte tatsächlich eine Summe im Bereich von 8 Milliarden Dollar erzielt werden, wäre das ein neuer Benchmark für die gesamte Liga – und würde die wachsende Marktmacht der NFL erneut unterstreichen.