
Ich sitze gerade am Gate des Flughafens Charles de Gaulle, und beim Tippen der Worte „NFL in Paris” beginne ich zu lächeln. Das erste reguläre NFL-Spiel der Geschichte in Frankreich, das NFL Paris Game, ist Geschichte. Hinter mir liegen drei Tage in Paris, die ich nicht mehr missen möchte. Mit dabei waren Armin Cicic, der auch diesmal voller Hingabe und mit unermüdlichem Einsatz den Trip für Couch Quarterback multimedial begleitet hat und längst ein fester Teil des Teams ist, sowie mein Huddle-Kollege Carsten Keller. Dazu gehörten Pressekonferenzen, ein Abstecher zum Basketball, eine Tour durch Roland Garros, das vielleicht beste BBQ der Stadt und ein Finale auf dem Rasen des Stade de France. Hier kommt mein Reisebericht in chronologischer Reihenfolge.
Hinweis: Zu diesem Trip gibt es in Kürze auch einen kleinen Film, der auf unserem YouTube-Kanal und natürlich hier auf Couch Quarterback veröffentlicht wird. Weitere Infos folgen. Wer schon jetzt Lust auf schöne NFL-Momente von Couch Quarterback hat, sollte mal in diese Video-Playlist schauen!
Anreise und Ausnahmezustand: Paris vor dem Kickoff
Für mich ging es schon am Donnerstagabend los. Weil mein Flug am Freitag in aller Frühe von Frankfurt startete, hatte ich beschlossen, bereits am Donnerstag im Flughafenhotel zu schlafen und die Chance zu nutzen, einem Freund in Frankfurt Hallo zu sagen.
Für mich sind einige Flughäfen gleich weit entfernt, aber Frankfurt bot diesmal das beste Preis-Leistungs-Verhältnis mit Flug, Parkplatz und Übernachtung. Ich hatte zunächst mit der Bahn geliebäugelt, aber leider wurde die eigentlich neue Verbindung Erfurt–Paris kürzlich wieder aus dem Fahrplan genommen. Deutsche Bahn halt. Mit Air France ging es dann um 7:00 Uhr nach Paris.
🎙️ Empfehlung: Alle Anekdoten dieser drei Tage haben Armin und ich direkt nach dem Spiel im Podcast erzählt: „NFL Paris 2026: Football, Sightseeing und ein Grande Finale (mit Armin Cicic)”. 👉 Hier könnt ihr den Podcast auf Apple Podcast oder Spotify hören:
Freitag: Regen, Team-Hotel und zwei Pressekonferenzen
Eigentlich standen am Freitag Steelers-Training und Pressekonferenz im Stade de France an. Doch peitschender Regen machte der Planung einen Strich durch die Rechnung. Das Training wurde abgesagt, und die Steelers-PK wurde kurzerhand in ihr Team-Hotel verlegt. Dort drängten sich Journalisten und Medienleute in der Lobby. Wir mussten Rucksäcke und Taschen ablegen, dann schnüffelte ein Sprengstoffspürhund an allem. Das kenne ich von Events in Deutschland, aber es fühlt sich jedes Mal ein bisschen komisch an, auch wenn man nichts dabeihat.

Im Presseraum sprachen Mike McCarthy, der noch leicht angeschlagen wirkte und humpelte, und Aaron Rodgers. Beide waren gerade erst gelandet und merklich müde. Rodgers antwortete ausführlich, aber ein wenig grummelig. Ich fragte ihn nach seinem Lieblings-Jersey aus seinen bisherigen Trikot-Tauschen. Er erklärte stattdessen, dass jeder sein Trikot haben wolle, er aber nicht jedem eines geben könne, denn das koste am Ende Geld.
Danach ging es mit dem Uber weiter nach Versailles, wo die Saints ihre Pressekonferenz abhielten. Der Ort war eine etwas in die Jahre gekommene Handball-Halle eines Regionalliga-Vereins. Das Setting wirkte nicht ganz so professionell, wie man es sonst gewohnt ist. Dank Backdrop, mehreren Mikrofonen und guter Ausleuchtung hatte es aber irgendwie doch seinen ganz eigenen Charme, und für die Spieler war es vielleicht eine Erinnerung an ihre Highschool-Tage. Nach dem Head Coach gab es zwei Panels mit je fünf Spielern. Wer sich meldete, bekam ein Mikro und genug Zeit für Fragen. Besonders viel Aufmerksamkeit bekam der irische Kicker Charlie Smyth.

Auf dem Rückweg wollten wir den Zug nehmen, doch an dem Tag fuhr keiner. Wir nahmen ein Uber, das sich durch den berüchtigten Kreisverkehr um den Arc de Triomphe kämpfte. Auf etlichen Spuren fährt dort jeder, wie er will.
Mein Hotel hatte ich wegen der Absagen und Unruhen zuvor kostenlos in eine zentrale Unterkunft umgebucht, mitten im NFL-Epizentrum. Bei einem kurzen Bummel durch die Stadt trafen wir dann noch Cam Jordan von den Saints, und ich nutzte die Chance für ein Selfie. Wichtig dabei: Ich habe ihn außerhalb der offiziellen Presseevents getroffen. Bei diesen sollte man Spieler keinesfalls nach Autogrammen oder Fotos fragen, das wäre unprofessionell.
Den Abend verbrachten wir mit Carsten und seinem Bruder in der Adidas Arena bei Paris Basketball. Die Arena ist wirklich schön, das dunkle, kuppelartige Ambiente gefällt mir. Das Spiel fand ich ganz cool, besonders die Cross-Promotion-Aktion mit Alvin Kamara. Etwas Besonderes war es allerdings nicht, wenn man schon einmal bei Spielen von Bayern oder Alba war.

Samstag: Eiffelturm, Roland Garros und Notre-Dame
Der Samstag begann mit einem Frühstück und geänderten Plänen. Wir fuhren direkt zum Eiffelturm, wo die NFL Experience mit einem kleinen Flag-Football-Feld stand. Dort trafen wir Carsten und seinen Bruder wieder. Für alte Hasen ist so etwas nicht mehr die ganz große Nummer. Aber es freut mich immer, wenn Passanten stehen bleiben, die mit Football eigentlich nichts zu tun haben, und sich im Ballwerfen, Kicken und Co. versuchen. Per QR-Code gab es außerdem Packs der neuen Topps-Chrome-Serie. Die ganz großen Hits waren nicht dabei, aber es war ein netter Gag.
Danach ging es zur Stadiontour in Roland Garros, die ich mir unbedingt gewünscht hatte. Das Gelände liegt im Südwesten von Paris, und nur etwa fünf Minuten entfernt befinden sich die Stadien von PSG und FC Paris. Genau deshalb sind wir überhaupt dorthin gefahren, denn die beiden Stadien liegen direkt nebeneinander, nur durch eine Straße getrennt, und das ist schon etwas Besonderes.





Unser Guide in Roland Garros war grandios und erzählte mit französischem Akzent, aber perfektem Englisch von der Geschichte der French Open, von Steffi Graf und Rafael Nadal und deren Vorlieben in den Kabinen. Wir sahen den Pressekonferenzraum und natürlich den Centre Court , wo gerade ein paar Spieler trainierten. Die Tour kostet rund 21 Euro und lohnt sich für jeden, der sich für Sportgeschichte interessiert.
Anschließend liefen wir unsere geplante Sightseeing-Route: Arc de Triomphe, Champs-Élysées, Place de la Concorde. Der Park am Louvre war komplett abgesperrt. Das war schade, denn dort hatte ich vor elf Jahren mit meiner Frau viel Zeit verbracht. Der Regen wurde stärker, und wir kamen klatschnass an der Notre-Dame an.
MELT BBQ: Fleisch, Fleisch, Fleisch
Weil wir tropfnass waren, war klar, wohin es als Nächstes ging. MELT BBQ hatten Carsten und ich durch den Podcast „Footballreisen” auf dem Zettel. Franzosen, die extra nach Texas gereist sind, um dort Barbecue zu lernen, betreiben das Lokal. Wer pünktlich um 18:30 Uhr hinein will, sollte 15 bis 30 Minuten früher anstehen. Wir hatten Rippchen, Pulled-Pork- und Pulled-Beef-Burger, Brisket, einen Fried Chicken Burger und leckeren Nachtisch, und alles war unglaublich.

Die Rechnung für unsere Gruppe lag bei rund 222 Euro und hat sich für uns mehr als gelohnt. Ein Pariser Bekannter von Armin meinte im Nachhinein, es sei das beste BBQ der Stadt. Einen kurzen Moment der Trauer erlebte ich nur, als ich feststellen musste, dass es das Lone Star Beer, das ich beim Warten schon durchs Fenster erspäht hatte und aus meiner Zeit in Texas kenne, leider nicht mehr gab.
Game Day im Stade de France: Akkreditierung, Opening und Halftime
Am Sonntag wollten wir pünktlich um 10:30 Uhr zur Akkreditierungsausgabe am Stadion sein, vier Stunden vor dem Kickoff um 14:30 Uhr. Die Zeitumstellung hatten wir fast vergessen, die Handys regelten es von selbst. Mittlerweile ist jedes International Game wie ein Klassentreffen: So viele bekannte Gesichter aus UK, die man gut kennt, und natürlich Matthias von „BeimFootball”, mit dem ich den Austausch immer sehr genieße.

Meine Akkreditierung musste erst noch gedruckt werden, weil sie gefehlt hatte. Danach ging es los. Wir haben zuerst den Media Room gecheckt und einen ersten Blick ins noch leere Stade de France geworfen. Das wird für mich nie langweilig: erst diese Stille zu sehen und vier Stunden später ein volles Stadion. Wer jetzt denkt, vier Stunden vor Spielbeginn sei etwas früh: Nein! Die Zeit vergeht immer wie im Flug, mit meinen inzwischen zur Routine gewordenen Content Pieces, einem Plausch hier und einem Plausch da, Fotos machen, einer Runde ums Stadion, und schon geht das Spiel los.
Armin und ich hatten uns dann noch in den Katakomben des Stadions positioniert, um die Ankunft der Saints mitzubekommen, und konnten die schicken Outfits der Spieler auschecken.
Kurz vor 14:30 Uhr ging es dann mit den Hymnen los. Zuerst erklang die amerikanische Hymne, rein instrumental von einer Band gespielt. Mal was anderes als sonst, aber irgendwie fehlte mir dadurch die Emotionalität, die die US-Hymne sonst immer mitbringt. Vielleicht war das aber auch gewollt. Danach erklang die Marseillaise, gesungen von Nina Tonji, und wie auch Aaron Rodgers später sagte, klang sie einfach wunderschön. Abgerundet wurde sie von einem Feuerwerk in den Farben Frankreichs. Auch wenn die Hymne offenbar abgeändert wurde, was nicht alle Franzosen begrüßt haben, gab es erst einmal tobenden Applaus.

Im Stadion waren viele Steelers- und Saints-Fans. Wenn man die Terrible Towels so sah, gab es einen leichten Überhang an Steelers-Fans, aber beide Lager haben Stimmung gemacht, und durch die nahezu gleichen Teamfarben ist ohnehin alles etwas verschmolzen.

Auf das Spiel selbst möchte ich wie immer gar nicht so tiefgründig eingehen. Ich denke, die meisten haben es gesehen oder zumindest die Highlights geschaut. Die Steelers wirkten für mich trotz des engen Ergebnisses von 16:10 irgendwie immer dominant und nie gefährdet zu verlieren. Aaron Rodgers sorgte mit einem schönen Deep Ball auf DK Metcalf und einem Run zum First Down für Szenenapplaus. Generell war er gut drauf, wie ich fand.

Highscoring war es nicht, aber unterhaltsam, und eine enge Partie ist mir lieber als ein 40-0-Blowout. Nur mit dem Stadion-Song hat Paris noch Luft nach oben. Deutschland hat „Country Roads”, London „Sweet Caroline”. Paris braucht noch einen eigenen Hit! Vorschläge?
Die Rodgers-Pressekonferenz: „No, no, no!”
Nach dem Spiel ging es zur Pressekonferenz, und die war ein weiteres Highlight für mich. Der Raum erinnerte an ein kleines Heimkino mit gemütlichen Sitzen. Ich hatte mir vorgenommen, Rodgers zu danken, weil ich ihm so viele Jahre zuschauen durfte. Das tat ich, und er freute sich sichtlich. Als ich ihn fragte, ob es einen Weg gebe, ihn zu einer weiteren Saison zu überreden, lehnte er mit den Worten „No, no, no!” klar ab.
One of the greatest to ever play the game. 🏈 As a lifelong NFL fan, I had to thank Aaron Rodgers for all the memories. I couldn’t convince him to play one more season 😂, but his smile after my words made this Paris trip unforgettable. Thank you, @AaronRodgers12 ! 🙏 https://t.co/ROaV37blFl
— Nicholas Fanselow (@CouchQBde) October 27, 2026
Danach erzählte er ausführlich, wie sehr er die vier International Games genossen habe. Bei den Packers sei er lange nicht in den Genuss gekommen, im Ausland zu spielen, weil das Team seinen Heimvorteil im Lambeau Field nicht abgeben wollte, bis es 2022 so weit war. Er hat eine unfassbare Aura und eine brillante Art, Pausen zu setzen und sich zu artikulieren. Ich hoffe, dass er dem Sport erhalten bleibt, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass er erst einmal eine Weile untertaucht und sein Leben genießt.
Das „NFL in Paris“ Finale: Auf dem NFL-Logo im Stade de France
Nach der PK suchten wir einen Platz für die Abmoderation unseres Videos. Wir kamen durch die Katakomben an den Saints-Spielern vorbei, die wieder in ihren Bus stiegen. Dort lief mir Tyler Shough über den Weg, dem ich eine gute Reise wünschte. Dann wäre fast noch Alvin Kamara in mich hineingelaufen, und plötzlich stand wieder Cam Jordan vor uns. Wir standen an der Sideline in einer Traube feiernder Saints-Anhänger, trotz der Niederlage, und durften schließlich noch den Rasen des Stade de France betreten.
Nach dem Super Bowl in Vegas 2024 und dem Bernabéu in Madrid 2025 war es das dritte Mal, dass ich in diesen Genuss kam, und es ist immer wieder ein magischer Moment. Wie Armin im Podcast sagt: Man fühlt sich auf einmal selbst wie ein Spieler, die Massen jubeln einem zu, und wenn man aus dem Traum wieder aufwacht, sieht man leere Ränge, die nur so vor Historie strotzen.

Hier gewann Frankreich 1998 gegen „den echten Ronaldo” seinen ersten WM-Titel, und nur kurz zuvor fand hier das erste Paris Game der Geschichte statt. Ich bin dann immer so in der Freude gefangen, dass ich eigentlich gar nicht gehen möchte. Aber nach einer Dankesstory auf Instagram und unzähligen Fotos muss man bei jedem noch so schönen Moment irgendwann Au revoir sagen.
Ein herzlicher Dank geht raus an Armin, Carsten und Martin für das coole Wochenende, an alle, die sich mehrfach erkundigt haben, ob es uns in Paris gut geht (das haben wir sehr zu schätzen gewusst), und vor allem an alle, die unseren Content wieder konsumiert und Liebe dagelassen haben.


Es war wieder ein inneres Blumenpflücken – jedesmal grandios, wenn man so etwas erleben darf. Wir habens auch sehr genossen – it’s been a ride. Oder wie auch immer das in meinem „nach-drei-Jahren-durfte-ich-französisch-wieder-abwählen“ Französisch-Englisch Mix richtig heißen würde. Merci beaucoup – au revoir!
Und natürlich klasse Bilder (vor allem die letzten beiden *fg* )