Kansas City Chiefs Quarterback Patrick Mahomes liegt nach einer Knieverletzung im vierten Viertel am Boden – ein Moment, der die Zukunft der Chiefs schlagartig infrage stellt.
Kansas City Chiefs Quarterback Patrick Mahomes liegt nach einer Knieverletzung im vierten Viertel am Boden – ein Moment, der die Zukunft der Chiefs schlagartig infrage stellt. | Quelle: IMAGO / Icon Sportswire

Die Kansas City Chiefs haben am Sonntag mehr verloren als nur ein Footballspiel. Mit der Niederlage gegen die Los Angeles Chargers (13:16) und der schweren Verletzung von Patrick Mahomes steht erstmals seit Jahren nicht nur eine Saison, sondern die kurzfristige Zukunft der Franchise infrage.

Unmittelbar nach dem Spiel setzte eine Debatte ein, die unausweichlich war:
Ist die Chiefs-Dynastie vorbei – oder lediglich unterbrochen?


Mahomes verletzt – und plötzlich ist nichts mehr selbstverständlich

Mahomes’ Verletzung trifft Kansas City an einem sensiblen Punkt. Der Quarterback ist inzwischen 30 Jahre alt, im neunten NFL-Jahr, und sein Spiel war stets geprägt von Mobilität, Improvisation und Spontanität. Genau diese Elemente unterschieden ihn von anderen Elite-Quarterbacks.

Der Vergleich mit Tom Brady, der 2008 ebenfalls einen Kreuzbandriss erlitt und danach eine zweite Karrierephase startete, liegt nahe – greift aber nur bedingt. Brady gewann aus der Pocket. Mahomes gewann oft außerhalb davon.

Ein NFL-Executive brachte es vor dem Spiel treffend auf den Punkt:

„Ein Teil der Magie von Mahomes ist verschwunden – und das war lange der Grund, warum Gegner Angst hatten, ihm spät im Spiel den Ball zu überlassen.“

Sollte Mahomes dauerhaft an Beweglichkeit verlieren, verändert sich das Fundament der Chiefs-Offense grundlegend.

Don’t know why this had to happen. And not going to lie it’s hurts. But all we can do now is Trust in God and attack every single day over and over again. Thank you Chiefs kingdom for always supporting me and for everyone who has reached out and sent prayers. I Will be back…

— Patrick Mahomes II (@PatrickMahomes) December 14, 2025


Alternde Säulen und offene Fragen

Die Verletzung fällt zudem in eine Phase, in der mehrere Eckpfeiler der Dynastie älter werden:

  • Travis Kelce ist nicht mehr der dominierende Mismatch-Spieler vergangener Jahre
  • Chris Jones bleibt Elite, trägt aber immer mehr Last
  • Andy Reid, inzwischen 67 Jahre alt, steht vor der Frage, wie lange er diesen Umbruch begleiten will

Was früher durch Mahomes’ Spontanität kaschiert wurde, tritt nun deutlicher zutage:
Der Kader ist nicht mehr durchgehend elitär.


Eine seltene Chance: Ein hoher Draftpick

Paradoxerweise bringt diese Krise etwas mit sich, das Dynastien selten bekommen: Draft-Kapital.

Kansas City steht aktuell im Bereich eines Top-10–Top-15 Picks im Draft 2026. Für ein Team, das jahrelang am Ende der ersten Runde auswählte, ist das ein struktureller Vorteil.

Ein Blick auf frühere Dynastien zeigt, wie wichtig aggressive Draft-Manöver waren:

Dynastien im Vergleich – Top-Picks während der Erfolgsphasen

  • Steelers (1974–79)
    Ø Draftposition Top-3-Picks: 23
  • 49ers (1981–94)
    Ø Draftposition Top-3-Picks: 12 (durch aggressive Trades)
  • Patriots (2001–18)
    Ø Draftposition Top-3-Picks: 13 (via Trades, u. a. Bledsoe, Seymour)
  • Chiefs (2019–heute)
    Ø Draftposition Top-3-Picks: 26

Kansas City war vergleichsweise konservativ. Die ganz großen Kader-Upgrades über hohe Draftpicks blieben aus – mit Ausnahme des mutigen Mahomes-Trades 2017.


Der Hill-Trade: Gut, aber nicht ausreichend

Der Tyreek-Hill-Trade brachte mit Trent McDuffie einen First-Team-All-Pro-Corner. Doch offensiv ließ sich Hills Explosivität nie ersetzen. Spieler wie Skyy Moore oder Kadarius Toney konnten diese Lücke nicht schließen.

Das Ergebnis:
Die Chiefs wurden stabil – aber weniger furchteinflößend.


Dynastie auf Pause, nicht am Ende

Gemessen an klaren Kriterien bleibt Kansas City weiterhin eine Dynastie:

  • Mindestens drei Super-Bowl-Titel
  • Beste Winning Percentage der Ära
  • Regelmäßige Conference-Championship-Teilnahmen

Doch jede Dynastie kennt Phasen der Neuausrichtung.
Pittsburgh hatte sie.
San Francisco hatte sie.
New England hatte sie.

Jetzt haben die Chiefs sie.


Fazit: Stillstand wäre das eigentliche Risiko

Die Frage ist nicht, ob Kansas City zurückkommt – sondern wie mutig dieser Neustart wird.

  • Nutzt man den Draft aggressiv?
  • Holt man wieder echte Difference Maker?
  • Passt man das Team an einen möglicherweise veränderten Mahomes an?

Eines ist klar:
Eine Dynastie endet selten laut. Sie pausiert – und entscheidet dann neu, wie sehr sie zurückkehren will.

Für die Chiefs beginnt jetzt genau dieser Moment.