
Die NFL steuert auf einen Quarterback-Sommer zu, der kaum Vergleichbares kennt. Der NFL Quarterback Karussell 2026 hat das Potenzial, sich zu einem chaotischen, unübersichtlichen und möglicherweise historischen Umbruch zu entwickeln – oder zu einem ernüchternden Stillstand, in dem viele Teams trotz hoher Investitionen ohne echte Lösung bleiben.
Fest steht: Quarterbacks werden gebraucht, aber sichere Antworten gibt es kaum. Mehrere Franchises stehen vor grundlegenden Entscheidungen, während sich gleichzeitig ein Markt öffnet, der ungewöhnlich viele erfahrene, aber nicht unumstrittene Optionen bereithält. Dazu kommt ein Draft-Jahrgang, der neugierig macht, ohne einen klaren Franchise-QB zu liefern.
Gerade diese Mischung macht die Situation so brisant: Teams mit teuren Veteranen, limitierter Perspektive und wachsendem Druck könnten sich für radikale Neustarts entscheiden – und damit Spieler verfügbar machen, die normalerweise nicht auf den Markt kommen. Trades statt Draft, Übergangslösungen statt langfristiger Projekte: Kreativität wird zur Schlüsselkompetenz der Offseason 2026.
Ob daraus ein Bieterkrieg um Quarterbacks wie Mac Jones oder Fernando Mendoza entsteht – oder ob sich die Liga kollektiv gegen riskante Investitionen entscheidet – wird maßgeblich davon abhängen, wer zuerst den Mut zum Umbruch zeigt.
Free Agents: Zwischen Comeback, Übergang und letztem Kapitel
Der Free-Agency-Markt 2026 wirkt auf den ersten Blick überschaubar, doch genau darin liegt seine Sprengkraft. Es gibt keinen klaren Franchise-Quarterback, dafür mehrere Namen, die – unter den richtigen Umständen – funktionale Lösungen oder sogar kurzfristige Upgrades darstellen können. Zwei Profile stechen besonders hervor: Daniel Jones und Aaron Rodgers.
Daniel Jones: Ein Comeback mit Fragezeichen – und Optionen
Daniel Jones’ Zeit bei den Indianapolis Colts begann vielversprechend. Bis November spielte der 28-Jährige den effizientesten Football seiner Karriere und stabilisierte eine Offense, die seit dem Rücktritt von Philip Rivers im Jahr 2021 permanent auf der Suche nach Antworten ist. Eine Fibulaverletzung und schließlich ein Achillessehnenriss stoppten den Aufwärtstrend abrupt – und werfen nun die zentrale Frage auf, wie belastbar Jones’ Marktwert tatsächlich ist.
Sportlich betrachtet passt Jones erstaunlich gut nach Indianapolis. Die Colts haben mit Anthony Richardson weiterhin einen jungen Quarterback unter Vertrag, der Zeit und Entwicklung benötigt. Jones könnte – sofern er rechtzeitig fit wird – als Starter, Brückenlösung oder auch als Teil eines offenen Wettbewerbs fungieren. Selbst wenn er zum Saisonstart nicht voll einsatzfähig sein sollte, gäbe es genug günstige Veteranen, um die Übergangsphase abzufedern.

Vertraglich bewegt sich Jones in einer Grauzone. Ein Deal im Bereich von drei Jahren und rund 100 Millionen Dollar erscheint realistisch und würde sich an Verträgen von Baker Mayfield oder Sam Darnold orientieren. Gleichzeitig fehlt ein klarer Vergleichswert: Kirk Cousins erhielt 2024 trotz Achillessehnenriss einen Vierjahresvertrag über 180 Millionen Dollar – war zu diesem Zeitpunkt aber deutlich erfahrener. Mit dem Wissen von heute dürfte dieses Risiko als abschreckendes Beispiel dienen.
Die Colts gelten als Favorit auf eine Weiterverpflichtung, doch Teams wie die Minnesota Vikings oder die Pittsburgh Steelers könnten als Außenseiter auftauchen, falls sie Jones als klare Verbesserung ihres Status quo sehen.
Aaron Rodgers: Die Unberechenbarkeit bleibt
Bei Aaron Rodgers ist jede Prognose riskant. Karriereende, ein weiteres Jahr bei den Steelers oder ein spätes Abenteuer bei einem neuen Team – alles scheint möglich, nichts sicher. Der 42-Jährige spielt aktuell für rund 14 Millionen Dollar und wirkt nicht wie ein Quarterback, der sich noch einmal auf einen klassischen Bieterkrieg einlassen möchte.
Sollte Rodgers weitermachen, spricht vieles dafür, dass er Kontinuität über Neuanfang stellt. Die Steelers verfügen über keinen klaren Nachfolger, und ein weiteres Jahr Rodgers würde ihnen zumindest Stabilität verschaffen. Gleichzeitig bleibt die Erinnerung an das vorsichtige Interesse der Vikings aus der letzten Offseason. Sollte Minnesota beschließen, das J.J. McCarthy-Projekt zu pausieren oder langsamer anzugehen, könnte Rodgers erneut eine Option werden.

Sportlich ist jedoch klar: Rodgers ist nicht mehr der Spieler, der ein Team im Alleingang in die Playoffs trägt. Seine Athletik hat sichtbar nachgelassen, die Konstanz fehlt. In einem gut strukturierten Umfeld kann er dennoch Spiele kontrollieren, Fehler minimieren und als Übergangslösung funktionieren. Mehr aber auch nicht.
Am Ende liegt die Entscheidung fast ausschließlich bei ihm. Wenn Rodgers spielen will, wird es Interessenten geben – nicht aus Hoffnung auf Magie, sondern aus Pragmatismus.
Unter Vertrag … vorerst: Die schwierigste Kategorie des QB-Markts
Der wohl interessanteste Teil des NFL Quarterback Karusell 2026 sind jene Quarterbacks, die formal noch unter Vertrag stehen, deren Zukunft aber alles andere als sicher ist. Genau hier entsteht das größte Spannungsfeld zwischen sportlichem Wert, Vertragsstruktur und strategischer Geduld. Drei Namen stechen dabei heraus: Mac Jones, Kyler Murray und Tua Tagovailoa.
Mac Jones: Wertvoller Backup oder künftiger Trade-Chip?
Mac Jones passt nur bedingt in diese Kategorie – und genau das macht ihn so interessant. Der ehemalige First-Round-Pick steht 2026 noch bei den San Francisco 49ers unter Vertrag, hat sich in dieser Saison aber als einer der wertvollsten Backup-Quarterbacks der Liga etabliert. In acht Starts für den verletzten Brock Purdy spielte Jones effizient, kontrolliert und so konstant, dass er bei 17 Einsätzen statistisch auf seine beste NFL-Saison zugegangen wäre.
Dass Jones grundsätzlich NFL-tauglich ist, zeigte bereits sein Rookie-Jahr bei den New England Patriots. Die Entwicklung stagnierte später – auch wegen struktureller Brüche unter Bill Belichick. Ein Zwischenstopp bei den Jacksonville Jaguars verlief 2024 wenig überzeugend, doch im System von Kyle Shanahan greift Jones’ Skillset sichtbar besser. Timing, Antizipation und Entscheidungsfindung passen – Attribute, die Shanahan seit dem Draftprozess an ihm schätzt.
Aus Sicht der 49ers spricht fast alles dafür, Jones zu halten. Er kostet nur 3,25 Millionen Dollar im Jahr 2026, während Purdy in vier NFL-Jahren jede Saison verletzt war. Ein verlässlicher, systemerfahrener Backup zu diesem Preis ist ein Luxus. Selbst ein Trade-Angebot in Höhe eines Second-Round-Picks wirkt kaum ausreichend, während ein First-Rounder für den abgebenden Klub fast zwingend wäre – was die Schwelle für potenzielle Abnehmer sehr hoch ansetzt.
Hinzu kommt die Vertragsarchitektur von Purdy: Rund 47 Millionen Dollar garantiert 2026, aber nur 11,9 Millionen Dollar 2027. Für San Francisco könnte es strategisch sinnvoll sein, Jones noch ein weiteres Jahr zu halten und erst danach eine klare Richtungsentscheidung zu treffen. Nur wenn die 49ers vollstes Vertrauen in Purdys langfristige Gesundheit haben, könnte Jones tatsächlich zum Auslöser eines Bieterwettstreits werden.
👉 Bereits vor der Saison haben wir die Chancen aufgezeigt, dass sich Mac Jones in San Francisco eine neue Starter-Perspektive erarbeiten kann
Kyler Murray: Talent, Vertrag – und Skepsis
Bei Kyler Murray ist die Lage deutlich komplizierter. Die Arizona Cardinals schickten ihn in dieser Saison in einer Weise auf Injured Reserve, die ligaweit für Stirnrunzeln sorgte. Eine Rückkehr wurde angedeutet, ehe Murray kurz darauf endgültig aus dem Verkehr gezogen wurde – während Backup Jacoby Brissett die Offense spürbar stabilisierte.
Murray steht 2026 mit 36,8 Millionen Dollar garantiert in den Büchern. Dank solider Cap-Arbeit von General Manager Monti Ossenfort können die Cardinals diesen Vertrag grundsätzlich tragen. Doch der Marktwert des Spielers bleibt unklar. Ligaintern herrscht Skepsis, ob Murray überhaupt einen nennenswerten Gegenwert einbringen würde – trotz seines Alters. Er wird erst im Trainingscamp 29 und befindet sich damit theoretisch im Quarterback-Prime.
Ein zusätzlicher Faktor ist der Draft. Arizona wählt aktuell an Position 6, während mit den Las Vegas Raiders, Cleveland Browns und New York Jets gleich mehrere QB-needy Teams vor ihnen stehen. Ein Top-Quarterback könnte also außer Reichweite sein. Dass Brissett noch ein weiteres Jahr unter Vertrag steht, gibt Arizona Flexibilität: entweder als Bridge für einen Rookie 2026 – oder als Übergang, falls die Franchise erst 2027 einen Neustart wagt.
Murrays Zukunft hängt weniger von Talent als von Timing und Alternativen ab. Und genau daran mangelt es aktuell.
Tua Tagovailoa: Vertraglich gefangen, sportlich entwertet
Kaum ein Quarterback symbolisiert die Kehrseite langfristiger Verträge so deutlich wie Tua Tagovailoa. Nach einer enttäuschenden Leistung in der Primetime wurde er als erster Quarterback der NFL-Geschichte mit einem 50-Millionen-Dollar-Jahresgehalt aus Leistungsgründen gebencht. Ein Einschnitt – sportlich wie symbolisch.
Tagovailoa ist 2026 mit 54 Millionen Dollar garantiert. Ein Cut würde die Miami Dolphins finanziell lähmen. Dennoch ist ein radikaler Neustart nicht ausgeschlossen, zumal General Manager Chris Grier bereits nicht mehr im Amt ist. Ein kompletter Reset könnte Miami strategisch in Richtung Quarterback-Draft 2027 positionieren – inklusive früher Cap-Bereinigung.
Der Trade-Markt allerdings existiert faktisch nicht. Ligaweit gilt Tagovailoa nicht als attraktiver Trade-Kandidat. Leistung und Vertrag stehen in keinem gesunden Verhältnis, und kaum ein Team ist bereit, die finanziellen Fehler eines Konkurrenten zu übernehmen. Ein Szenario à la Brock Osweiler – mit angehängten Premium-Picks – erscheint unrealistisch.
Realistisch betrachtet bleibt den Dolphins kaum eine andere Wahl, als Tagovailoa mindestens durch 2026 zu behalten und sich erst danach echte finanzielle und sportliche Optionen zu eröffnen.
Geno Smith: Solider Starter im falschen Umfeld
Geno Smith wird 2026 mit 18,5 Millionen Dollar garantiert geführt – eine Summe, die den Las Vegas Raiders maximale Flexibilität verschafft. Sollte sich die Franchise für einen Neustart entscheiden, ist ein Ausstieg problemlos möglich. Smiths Zeit in Las Vegas war sportlich ernüchternd, doch die Bewertung fällt schwer: Kaum ein Quarterback hätte in dieser Offense konstant überzeugt.
Unabhängig von der Schuldfrage müssen die Raiders nüchtern feststellen, wie weit sie aktuell von einem Titelkampf in der AFC West entfernt sind. Smith kann auf einem besser strukturierten Roster durchaus noch funktionieren – als Übergangslösung oder stabilisierender Faktor. Für Las Vegas selbst ergibt das allerdings wenig Sinn.
Mit dem No.-2-Pick im Draft besitzen die Raiders erstmals seit der Wahl von JaMarcus Russell 2007 die realistische Chance, einen Quarterback ganz oben zu ziehen. In diesem Szenario wäre Smith entbehrlich. Ein Trade für einen späten Draft-Pick ist nicht ausgeschlossen, doch ein Release erscheint wahrscheinlicher, sollte sich die Franchise für einen klaren Schnitt entscheiden.
Kirk Cousins: Wirtschaftlich kaum noch tragbar
Sportlich hat Kirk Cousins den Atlanta Falcons Stabilität gegeben. Mit zunehmendem Abstand zu seinem Achillessehnenriss agierte der 37-Jährige effizienter, kontrollierter und verlässlicher als zu Saisonbeginn. Doch die ökonomische Realität ist gnadenlos: 35 Millionen Dollar Basisgehalt für 2026 stehen im Raum – nach bereits 100 Millionen Dollar für mutmaßlich 22 Starts.
Atlanta braucht Absicherung, falls Michael Penix Jr. nach seinem Kreuzbandriss Zeit benötigt oder Anlaufschwierigkeiten hat. Gleichzeitig kann sich die Franchise nicht erlauben, weiter massive Ressourcen in die Quarterback-Position zu stecken – insbesondere nach der Kombination aus Cousins-Vertrag und Penix-Erstrundenpick innerhalb weniger Monate im Jahr 2024.
Ein Trade ist realistisch betrachtet kein Szenario mehr. Hätte Cousins echten Marktwert, wäre er längst bewegt worden. Kaum ein Team dürfte bereit sein, sein Gehalt zu übernehmen. Ein Release wäre die logische Konsequenz, sollte Atlanta den Weg konsequent weitergehen wollen.
Justin Fields: Talent zwischen Neustart und Backup-Rolle
Justin Fields steht an einem kritischen Punkt seiner Karriere. Der 27-Jährige verlor 2025 seinen Starterposten bei den New York Jets und dürfte im Falle einer Entlassung rund 30 Millionen Dollar für sein kurzes Engagement in New York kassiert haben. Zuvor hatte er bereits bei den Chicago Bears und den Pittsburgh Steelers nicht dauerhaft Fuß gefasst.
Rein sportlich spricht wenig dafür, Fields erneut als klare Bridge-Lösung zu sehen. Der Markt dürfte ihn zunächst als Backup mit Entwicklungspotenzial einordnen. Gleichzeitig ist auffällig: Keines seiner Teams konnte ihn nachhaltig besser ersetzen, was zumindest die Frage erlaubt, ob Fields jemals in einem optimalen Umfeld eingesetzt wurde.
Der nächste Schritt liegt nun bei ihm. Ähnlich wie Daniel Jones, Sam Darnold oder Mac Jones zuletzt, muss Fields eine Organisation finden, die System, Coaching und Geduld vereint. Teams wie die Kansas City Chiefs, Indianapolis Colts oder erneut die Minnesota Vikings könnten passen. Gerade in Kansas City – unabhängig davon, wie schnell Patrick Mahomes nach seinem Kreuzbandriss zurückkehrt – wäre ein lernfähiger, athletischer Quarterback in Andy Reids System gut aufgehoben.
Willkommen im Wettbewerb: Wenn Plan A nicht aufgeht
Nicht jedes Team wird im NFL Quarterback Karussell 2026 seine Wunschlösung finden. Je länger sich Draft und Trade-Markt zuspitzen, desto wahrscheinlicher wird es, dass einige Franchises gezwungen sind, auf Plan B oder sogar Plan C umzuschwenken. Genau hier öffnet sich ein breites Feld an Quarterbacks, die weniger als langfristige Antworten, aber sehr wohl als Wettbewerbs- oder Übergangslösungen taugen.
Ein interessantes Profil in dieser Kategorie ist Malik Willis. Der Backup der Green Bay Packers hat in zwei Spot Starts und mehreren Entlastungseinsätzen für Jordan Love solide Leistungen gezeigt. Willis dürfte kaum als sofortiger Starter gehandelt werden, könnte aber gezielt ein Team suchen, das im Draft einen jungen Quarterback auswählt. Seine Erfahrung und Mobilität könnten ihm zumindest die Chance eröffnen, als Starter ins Trainingscamp zu gehen und sich dort zu behaupten.
Ähnlich gelagert ist der Markt für ehemalige Erstrunden-Picks wie Trey Lance, Zach Wilson und Kenny Pickett, die allesamt die Free Agency erreichen. Keiner von ihnen hat bisher dauerhaft überzeugt, doch das Draft-Kapital und die physischen Tools sorgen weiterhin dafür, dass Teams sie nicht vollständig abgeschrieben haben. In der richtigen Umgebung – mit klaren Rollen und begrenzten Erwartungen – könnten sie sich zumindest als Teil eines offenen Quarterback-Wettbewerbs positionieren.
Hinzu kommt mit Sam Howell ein Quarterback, der zwar nur als Fünftrundenpick in die Liga kam, aber bereits 18 NFL-Starts vorweisen kann. Howell verfügt über Armstärke und Aggressivität, bleibt aber inkonstant – genau das Profil, das für Teams interessant wird, wenn der Markt enger wird und Upside wichtiger erscheint als Sicherheit.
Auf der anderen Seite stehen Veteranen mit deutlich längeren Lebensläufen. Quarterbacks wie Marcus Mariota, Joe Flacco, Jimmy Garoppolo, Russell Wilson, Carson Wentz oder Gardner Minshew bieten wenig Fantasie für die Zukunft, dafür aber Planbarkeit. Sie kennen ihre Rolle, akzeptieren begrenzte Einsatzfenster und können jungen Quarterbacks Zeit verschaffen – ein Wert, der in Übergangsjahren nicht zu unterschätzen ist.
Gerade für Teams, die den Draft nicht kontrollieren oder im Trade-Markt leer ausgehen, wird diese Gruppe entscheidend sein. Nicht als Lösung, sondern als Absicherung, während die eigentliche Antwort erst noch gefunden werden muss.
Draft Class 2026: Hoffnungsträger ohne Sicherheitsnetz
Der Quarterback-Jahrgang 2026 bleibt hinter den Erwartungen zurück, die viele NFL-Teams vor der Saison gehegt hatten. Rund ein Dutzend College-Quarterbacks galten als potenzielle Aufsteiger, doch nur wenige konnten den erhofften Entwicklungsschritt machen. Das Ergebnis ist ein Draft-Jahrgang mit Spitzenoptionen, aber ohne klare Garantie – ein Umstand, der den restlichen Quarterback-Markt zusätzlich unter Druck setzt.
An der Spitze zeichnet sich dennoch ein Favorit ab. Fernando Mendoza, amtierender Heisman-Trophy-Gewinner von Indiana Hoosiers, hat sich im Saisonverlauf leicht vom Feld abgesetzt. Mendoza überzeugt weniger durch spektakuläre Einzelaktionen als durch Konstanz, Spielkontrolle und Entscheidungsfindung – Eigenschaften, die in einem insgesamt unsicheren Draft-Jahrgang besonders stark gewichtet werden. Ein tiefer Playoff-Run könnte seinen Status als QB1 des Drafts endgültig festigen.
Congratulations to the 2025 Heisman Trophy winner, @IndianaFootball quarterback Fernando Mendoza!#Heisman | #MoreThanATrophy pic.twitter.com/DMqXA16ode
— The Heisman Trophy (@HeismanTrophy) December 14, 2025
Der größte Unsicherheitsfaktor – und gleichzeitig der größte Herausforderer – ist Dante Moore von Oregon Ducks. Der erst 20-jährige First-Year-Starter gilt als der Quarterback mit dem höchsten Ceiling dieser Klasse. Moore bringt Armstärke, Kreativität und Athletik mit, agierte jedoch über die Saison hinweg wechselhaft. Sollte er in den College-Playoffs sein Potenzial konstant abrufen, würde es Teams schwerfallen, an ihm vorbeizugehen – vorausgesetzt, er entscheidet sich tatsächlich für den Draft. Ein Verbleib am College ist weiterhin ein realistisches Szenario.
Diese Entscheidung hätte massive Auswirkungen auf die Top-of-the-Draft-Dynamik. Zwei Quarterbacks mit realistischem Anspruch auf die ersten beiden Picks würden den Markt deutlich entspannen. Bleibt hingegen nur Mendoza als klarer QB1 übrig, wäre ein Bieterkrieg unausweichlich. Gerade Teams wie die New York Giants, die aktuell an Position eins stehen, könnten ihre Ausgangslage nutzen, um maximalen Gegenwert aus einem Trade herauszuholen.
Hinter dem Spitzenduo fällt das Talentniveau spürbar ab. Ty Simpson von Alabama Crimson Tide hat zuletzt an Momentum verloren, bleibt aber aufgrund seiner Erfahrung und soliden Physis ein Kandidat für die erste Runde – sofern er den Sprung in die NFL wagt. Ihm fehlt die Dynamik von Mendoza oder Moore, doch gerade in einem dünnen Jahrgang könnte das reichen.
Einige prominente Namen fehlen bewusst. LaNorris Sellers von South Carolina Gamecocks hat bereits angekündigt, ans College zurückzukehren. Gleiches gilt sehr wahrscheinlich für Arch Manning bei Texas Longhorns, der frühestens 2027 zur Verfügung stehen dürfte. Beide Namen verlagern die Hoffnung vieler Franchises bewusst in die Zukunft.
Unterm Strich erklärt diese Draft-Lage, warum sich der Blick vieler Teams weg vom Draft und hin zu Trades, Übergangslösungen und Wettbewerben richtet. Der Jahrgang 2026 bietet Chancen – aber kaum Sicherheiten. Und genau das macht den gesamten Quarterback-Markt so volatil.
Teams on high alert: Drei Franchises unter Zugzwang
Je unklarer sich der Quarterback-Markt entwickelt, desto höher steigt der Druck auf jene Teams, die sich keinen weiteren Übergangsjahrgang leisten können. Für einige Franchises ist der Draft 2026 weniger eine Option als vielmehr ein strategischer Wendepunkt.
Las Vegas Raiders
Die Ausgangslage der Raiders ist auf dem Papier komfortabel. Aktuell halten sie den zweiten Pick im Draft und laufen kaum Gefahr, entscheidend abzurutschen. Besonders relevant: Die New York Giants stehen an Position eins und gelten – mit Jaxson Dart bereits im Kader – nicht als zwingender Abnehmer eines Quarterbacks. Das öffnet ein Fenster, das in anderen Jahren oft verschlossen bleibt.
Sollte sich dieser Draft-Slot bestätigen, könnten die Raiders ihren Quarterback ohne aggressiven Trade-Up sichern. Genau das beschleunigt die interne Entscheidungsfindung rund um Geno Smith. Finden sie ihren Rookie, wird Smith zur Übergangslösung oder verzichtbar. Rutschen sie jedoch durch späte Siege ab, könnte sich der Plan verzögern – mit der Konsequenz, den Bridge-QB bis mindestens 2027 zu strecken. Für eine Franchise, die ohnehin weit von echter Konkurrenzfähigkeit entfernt ist, wäre das ein heikler Spagat.
Cleveland Browns
In Cleveland bleibt die Quarterback-Situation das Sinnbild struktureller Unsicherheit. Deshaun Watson steht 2026 noch mit 46 Millionen Dollar garantiert im Cap, doch sportlich darf das kaum mehr als eine Einladung zum offenen Wettbewerb sein. Die Browns evaluieren parallel junge Optionen wie Shedeur Sanders und Dillon Gabriel, doch das Umfeld ist zu instabil, um belastbare Schlüsse zu ziehen.
Mit dem aktuell vierten Pick – hinter Giants, Raiders und den Tennessee Titans, die nach Cam Ward keinen Quarterback nehmen werden – sind die Browns in Schlagdistanz zur Spitze. Entscheidend ist jedoch der zusätzliche Trumpf: der First-Round-Pick der Jacksonville Jaguars. Dieses Kapital versetzt Cleveland in die Lage, ein echtes Angebot für den No.-1-Pick zu schnüren, sollte sich ein klarer Favorit im Draft herauskristallisieren. Kaum ein anderes Team kann so flexibel zwischen Neuaufbau und kurzfristiger Lösung navigieren – zumindest theoretisch.
New York Jets
Die Jets stehen sinnbildlich für jahrelange Quarterback-Fehlentscheidungen. Nach dem Bankdrücken von Justin Fields zugunsten von Tyrod Taylor und Brady Cook ist klar: Der Post-Rodgers-Plan existiert bislang nur in Fragmenten. Mit dem fünften Pick ist New York gut, aber nicht gut genug positioniert, um passiv zu bleiben.
Zusätzliche Dynamik bringt der First-Rounder der Indianapolis Colts, aktuell an Position 18. Damit verfügen die Jets über genügend Munition, um im Draft nach oben zu gehen – vorausgesetzt, sie identifizieren den richtigen Quarterback. Doch genau hier liegt das eigentliche Problem. New York war in den vergangenen Jahren nicht nur schlecht im Draften, sondern vor allem im Entwickeln. Ohne strukturelle Korrekturen würde selbst ein Top-Talent erneut in dieselbe Spirale geraten.
Teams on standby: Optionen offenhalten, ohne in Panik zu verfallen
Nicht jedes Team mit einer ungeklärten Quarterback-Zukunft steht unter unmittelbarem Zugzwang. Einige Franchises befinden sich in einer Zwischenposition: Sie müssen nichts erzwingen, sind aber gut beraten, den Markt sehr genau zu beobachten. Genau hier beginnt die Kategorie der „Teams on standby“.
Los Angeles Rams
Die Rams sind eines der flexibelsten Teams dieser Offseason. Sie besitzen nicht nur ihren eigenen First-Round-Pick, sondern auch den der Atlanta Falcons, der aktuell rund um Position zehn liegt. Diese Kombination verschafft ihnen Handlungsspielraum, den nur wenige Teams haben.
Sollte die interne Bewertung ergeben, dass Ty Simpson ein realistischer Erbe von Matthew Stafford sein kann, wäre dies ein logischer Zeitpunkt, um aggressiv zu werden. Gleichzeitig passt ein langfristiges Entwicklungsprojekt in Runde zwei oder drei ebenso gut zur aktuellen Kaderstruktur. Was man jedoch nie ausschließen sollte: einen unkonventionellen Move von General Manager Les Snead und Head Coach Sean McVay. Die Rams haben mehrfach bewiesen, dass sie bereit sind, Draft-Normen zu ignorieren, wenn sie überzeugt sind.
Minnesota Vikings
In Minnesota hängt vieles an der Entwicklung von J.J. McCarthy. Der 2024er First-Round-Pick könnte mit einem starken Saisonfinish kurzfristig Ruhe in die Diskussion bringen, doch nüchtern betrachtet steht er erst am Anfang. Acht Starts sind schlicht zu wenig, um belastbare Aussagen über seine langfristige Rolle zu treffen.
Gleichzeitig sind die Vikings kein klassisches Rebuild-Team. Der Kader ist darauf ausgelegt, jetzt zu gewinnen – vorausgesetzt, die Quarterback-Position liefert konstante Qualität. Genau hier entsteht ein Spannungsfeld. Ein externer Veteran wie Mac Jones wäre sportlich hochinteressant, allerdings könnten die San Francisco 49ers einen spürbaren „NFC-Aufschlag“ verlangen. Minnesota muss abwägen, wie viel Entwicklungszeit man sich leisten kann, ohne die Prime-Jahre des restlichen Rosters zu verschwenden.
Atlanta Falcons
Die Quarterback-Situation der Falcons bleibt fragil. Michael Penix Jr. riss sich im November das Kreuzband, wodurch selbst ein pünktlicher Start in die Saison 2026 keineswegs sicher ist. Bereits vor der Verletzung verlief seine Entwicklung wechselhaft, und mit nun fünf schweren Verletzungen seit College-Zeiten wächst die medizinische Unsicherheit.
Atlanta wird kaum umhinkommen, sich abzusichern. Ein Mid-Round-Quarterback als Versicherung erscheint sinnvoll, doch ebenso notwendig ist ein Veteran mit Starter-Erfahrung, der kurzfristig Stabilität geben kann. Die Falcons stehen weniger vor einer Grundsatzentscheidung als vor der Frage, wie viel Risiko sie bereit sind einzugehen.
New Orleans Saints
In New Orleans ist die Ausgangslage komplexer, als sie auf den ersten Blick wirkt. Tyler Shough, ausgewählt in Runde zwei, hat in Ansätzen überzeugt, und die Saints haben erhebliche Ressourcen in seine Evaluation und Entwicklung investiert. Das spricht für Geduld.
Gleichzeitig halten die Saints aktuell den siebten Pick im Draft. Sollte im April ein Quarterback mit klar höherem Grade auf ihrem Board stehen, wäre es fahrlässig, diese Option kategorisch auszuschließen. Die Saints müssen entscheiden, ob sie Shoughs Entwicklung als Weg oder als Variable betrachten – und genau diese Offenheit macht sie zu einem klassischen Standby-Team.
Only if necessary: Quarterback-Suche als Absicherung, nicht als Strategie
Während einige Teams aktiv auf dem Quarterback-Markt mitmischen oder bewusst auf Standby schalten, gibt es eine dritte Kategorie: Franchises, die nur dann handeln, wenn äußere Umstände sie dazu zwingen. Für sie ist die Quarterback-Frage aktuell kein zentrales Projekt – wohl aber ein Thema, das schnell an Bedeutung gewinnen kann.
Pittsburgh Steelers
In Pittsburgh hängt vieles an der Entscheidung von Aaron Rodgers. Sollte der Routinier seine Karriere beenden, würden die Steelers mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut den Veteranenmarkt sondieren. Gleichzeitig haben sie in den vergangenen Jahren auffällig viel Zeit in die Evaluation von Draft-Quarterbacks investiert – ein klares Indiz dafür, dass die langfristige Lösung noch nicht gefunden ist.
Die Organisation wirkt vorbereitet, nicht hektisch. Es erscheint realistisch, dass Pittsburgh spätestens in einem der kommenden Drafts bereit ist, einen Premium-Pick in einen Quarterback zu investieren. Bis dahin bleibt die Strategie flexibel: Übergangslösungen, kombiniert mit intensiver Scouting-Arbeit.
Indianapolis Colts
Die Colts würden Daniel Jones gern halten, doch der Markt könnte ihnen einen Strich durch die Rechnung machen. Sollte ein anderes Team mit einem überzogenen Angebot eingreifen, müsste Indianapolis kurzfristig umdenken. In diesem Fall dürfte der Fokus klar auf erfahrenen Quarterbacks liegen.
Nach dem aggressiven Einsatz von Draft-Kapital – unter anderem zwei First-Round-Picks für Cornerback Sauce Gardner – ist es kaum vorstellbar, dass die Colts nun Tempo herausnehmen. Ein verlässlicher Veteran würde Stabilität sichern, während man parallel weiter nach der langfristigen Lösung sucht.
Arizona Cardinals
Mit dem sechsten Pick im Draft befinden sich die Cardinals in einer spannenden Position. Sollten sie überzeugt sein, dass ein Quarterback ihres Vertrauens verfügbar ist, könnte dies unmittelbare Auswirkungen auf die Zukunft von Kyler Murray haben. Seine Vertragssituation erlaubt zwar Geduld, doch ein klar identifizierter Franchise-QB im Draft würde die interne Entscheidungsfindung beschleunigen.
Arizona ist kein klassischer Verkäufer, aber auch kein Team, das um jeden Preis an Status quo festhält. Der Draft wird hier zur Weggabelung.
Miami Dolphins
Rein finanziell spricht vieles dafür, Tua Tagovailoa mindestens bis 2026 im Kader zu behalten. Dennoch stehen die Dolphins an einem organisatorischen Wendepunkt. Mit Veränderungen in der sportlichen Führung wächst der Druck, eine klare langfristige Richtung vorzugeben.
Unabhängig von Tagovailoas Zukunft sollten Miami den Draft priorisieren – selbst dann, wenn es „nur“ ein Quarterback aus Runde zwei ist. Es geht weniger um sofortige Konkurrenz als um Absicherung und Perspektive. Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, wie fest Tagovailoa noch im langfristigen Plan verankert ist.
Fazit: Kein Chaos – sondern ein Markt ohne Sicherheitsnetz
Der Quarterback-Markt 2026 droht kein klassisches Chaos zu werden – aber er wird gnadenlos ehrlich.
Es gibt keine offensichtlichen Antworten, keine klaren Abkürzungen und kaum Spieler, die ohne Risiko zu haben sind.
Free Agents wie Daniel Jones oder Kirk Cousins stehen sinnbildlich für ein Marktsegment, das Stabilität verspricht, aber langfristig selten Lösungen liefert. Der Draft wiederum bietet Talent, aber wenig Gewissheit. Und der Trade-Markt lebt von System-Fits, Timing – und der Bereitschaft, mutige Entscheidungen zu treffen.
Teams, die 2026 erfolgreich navigieren wollen, brauchen vor allem eines: Klarheit über sich selbst.
Wer glaubt, ein Quarterback könne strukturelle Probleme lösen, wird teuer bezahlen.
Wer hingegen bereit ist, Entwicklung, Umfeld und Geduld zusammenzudenken, kann aus diesem Markt echten Wert schöpfen.
Vielleicht wird 2026 kein Jahr der großen Namen.
Aber es könnte eines der entscheidendsten Jahre dafür werden, welche Franchises verstanden haben, wie man Quarterbacks wirklich aufbaut – und welche nicht.
Quelle:
Bidding wars for Mac Jones, Fernando Mendoza? Setting stage for 2026 NFL QB carousel – The Athletic