
Nick Foles weiß genau, wovon er spricht, wenn es um Backup-Quarterbacks auf der größten Bühne geht. Der Super-Bowl-Held von Philadelphia meldete sich nach der Verletzung von Bo Nix mit aufmunternden – und zugleich spöttischen – Worten für die Denver Broncos zu Wort. Leidtragender seines Seitenhiebs: die New England Patriots.
In einem Post auf X schrieb Foles:
„Hinweis an die Broncos und ihre Fans: Ich weiß, die letzten 24 Stunden waren emotional. Ich fühle mit Bo und dem Team und bete für eine starke Genesung. Ein positiver Aspekt vor dem Spiel gegen die Patriots ist: Sie haben in Spielen mit Championship-Charakter große Probleme gegen Backup-Quarterbacks.“
Hintergrund: Bo Nix brach sich im Divisional-Round-Spiel gegen die Buffalo Bills den Knöchel und fällt für den Rest der Playoffs aus. Im AFC Championship Game gegen New England übernimmt nun Backup Jarrett Stidham.
Note for the Broncos and their fans: I know it has been an emotional 24 hours. I feel for Bo and the team, and I'm sending prayers for a strong recovery.
— Nick Foles (@NickFoles) January 18, 2026
A positive note going into the game versus the Patriots is that they struggle against backup QBs in championship-type games.
Ein Seitenhieb mit Geschichte
Dass Foles ausgerechnet die Patriots erwähnt, ist kein Zufall. In der Saison 2017 sprang er selbst als Ersatzmann für Carson Wentz ein und führte die Philadelphia Eagles bis in den Super Bowl. Dort besiegte er New England um Tom Brady im legendären Super Bowl LII mit 41:33, warf drei Touchdowns, fing selbst einen beim berühmten „Philly Special“ und wurde MVP des Spiels – sehr zum Leidwesen von Coach Bill Belichick.
Mutmacher für Denver
Foles’ Botschaft ist klar: Auch ein Backup-Quarterback kann in den Playoffs Geschichte schreiben – besonders gegen die Patriots. Ob Jarrett Stidham in seine Fußstapfen treten kann, wird sich am kommenden Sonntag zeigen. Die Hoffnung in Denver lebt jedenfalls – und ein wenig psychologischer Druck liegt nun auch auf New England.
👉 Siehe auch: Wer ist Jarrett Stidham?
Back-up Quarterbacks: Wenn der Ersatzmann Geschichte schreibt
Der Seitenhieb von Nick Foles trifft einen wahren Kern der NFL-Historie. Immer wieder haben Back-up Quarterbacks in den Playoffs nicht nur ausgeholfen, sondern ganze Saisons – und Karrieren – neu definiert. Ein Blick zurück zeigt, warum solche Aussagen mehr sind als Social-Media-Spott.
Nick Foles – Saison 2017
Als Carson Wentz die Philadelphia Eagles zu einem 10–2-Start führte, schien alles auf einen MVP-Run hinauszulaufen. Dann riss sich Wentz in Week 14 das Kreuzband. Foles übernahm, gewann zwei der letzten drei Regular-Season-Spiele und sicherte den Nummer-1-Seed.
Was folgte, gilt bis heute als eines der unwahrscheinlichsten Playoff-Märchen der NFL: drei Siege in Serie, gekrönt vom 41:33-Erfolg gegen die Patriots im Super Bowl LII. Foles warf drei Touchdown-Pässe, fing selbst einen beim berühmten „Philly Special“ – und wurde MVP. Danach startete er nur noch 19 Spiele in seiner gesamten restlichen Karriere.
Jeff Hostetler – Saison 1990
Bei den New York Giants brach sich Star-Quarterback Phil Simms in Week 15 den Fuß. Hostetler, eigentlich kurz vor dem Karriereende, übernahm. Er gewann die letzten beiden Spiele, führte die Giants zu einer 13–3-Bilanz und einem tiefen Playoff-Run.
Nach einem dominanten Sieg gegen Chicago eliminierte Hostetler auswärts die favorisierten 49ers und verhinderte deren Threepeat. Im Super Bowl folgte ein 20:19 gegen Buffalo – begünstigt durch den berühmten Fehlschuss von Scott Norwood. Hostetler startete danach noch 79 NFL-Spiele in sieben weiteren Saisons.
Tom Brady – Saison 2001
Brady ist der prominenteste Beweis dafür, wie schnell sich Rollen verändern können. Erst die Verletzung von Drew Bledsoe öffnete ihm die Tür. Nach einem 0–2-Start gewann Brady 11 von 14 Spielen, holte den Divisionstitel und führte New England bis in den Super Bowl.
Mit Hilfe der berüchtigten „Tuck Rule“ und einem 20:17-Sieg gegen die Rams begann eine Dynastie, die die Liga über zwei Jahrzehnte prägen sollte. Was als Back-up-Einsatz begann, wurde zur erfolgreichsten Karriere der NFL-Geschichte.
Kurt Warner – Saison 1999
Warner startete 1999 als Ersatzmann der St. Louis Rams, nachdem sich Trent Green in der Preseason schwer verletzte. Der Rest ist NFL-Folklore: MVP-Saison, über 4.300 Passing Yards, 41 Touchdowns und „The Greatest Show on Turf“.
Der Super-Bowl-Sieg in Super Bowl XXXIV machte Warner zur Ikone. Nach späteren Rückschlägen und Stationen bei den Giants und Cardinals kehrte er noch einmal auf die große Bühne zurück und wurde 2017 in die Hall of Fame aufgenommen.
Colin Kaepernick – Saison 2012
Auch bei den San Francisco 49ers begann alles mit einer Verletzung. Alex Smith musste mit einer Gehirnerschütterung raus, Kaepernick übernahm – und veränderte die Offense grundlegend.
Mit seiner Dual-Threat-Fähigkeit führte er die 49ers bis in den Super Bowl XLVII. Zwar blieb der Titel aus, doch Kaepernick stellte mit 181 Rushing Yards einen Playoff-Rekord für Quarterbacks auf. Seine Karriere nahm später einen anderen Verlauf, doch sein Impact als Back-up-Story bleibt einzigartig.