Bad Bunny wird beim Super Bowl LX die Halftime-Show prägen – der puerto-ricanische Superstar steht erstmals als Solo-Headliner auf der größten Bühne des Sports.
Bad Bunny wird beim Super Bowl LX die Halftime-Show prägen – der puerto-ricanische Superstar steht erstmals als Solo-Headliner auf der größten Bühne des Sports. | Quelle: IMAGO / ZUMA Press Wire

Wenn Bad Bunny beim Super Bowl LX im Levi’s Stadium in Santa Clara die Bühne betritt, ist das weit mehr als nur ein musikalischer Auftritt. Es ist das Ergebnis eines monatelangen Auswahlprozesses – und zugleich der Startpunkt für die Planungen rund um den Super Bowl LXI.

Bereits im September gaben die NFL, Apple Music und Roc Nation bekannt, dass der puerto-ricanische Superstar als Headliner der Halftime Show auftreten wird. Die Entscheidung fiel bewusst früh – und sie ist Ausdruck einer klaren strategischen Linie.


Die Suche beginnt direkt nach dem Super Bowl

Die Auswahl des Halftime-Acts beginnt nicht erst wenige Monate vor dem Event, sondern unmittelbar nach dem vorherigen Super Bowl. Laut Jon Barker, Senior Vice President und Global Head of Major Events bei der NFL, wird der gesamte Markt sondiert, Trends analysiert und kulturelle Relevanz bewertet.

Seit 2020 übernimmt Jay-Zs Entertainment-Firma Roc Nation die kreative Führung bei der Auswahl und Produktion der Halftime Show. Die NFL bleibt dabei eng eingebunden, überlässt die finale künstlerische Entscheidung jedoch einem sehr kleinen Kreis rund um Roc Nation.

Der entscheidende Maßstab ist dabei nicht nur Popularität, sondern Passung zum Moment.

Der richtige Künstler zur richtigen Zeit – nicht nur für ein Stadion, sondern für ein globales Publikum.


Warum Bad Bunny genau jetzt passt

Bad Bunny erfüllt nahezu jedes Kriterium, das die NFL heute an einen Halftime-Performer stellt:

  • globale Reichweite
  • kulturelle Relevanz
  • generationenübergreifende Fanbase
  • enorme Streaming-Zahlen
  • klare Identität

Mit fast 20 Milliarden Streams allein im Jahr 2025, mehreren Grammy Awards und einer zentralen Rolle bei der weltweiten Etablierung spanischsprachiger Musik ist Bad Bunny einer der einflussreichsten Künstler seiner Generation.

Hinzu kommt der Austragungsort: Kalifornien – ein Bundesstaat mit großer lateinamerikanischer Community und kultureller Strahlkraft weit über die USA hinaus.

KOMM AUF UNSERE COUCH

Aktuelle NFL-Beiträge direkt auf dein Smartphone

Jetzt WhatsApp-Kanal abonnieren →


Entertainment, nicht Politik – zumindest aus Sicht der NFL

Die Entscheidung für Bad Bunny blieb nicht ohne politische Reaktionen. Der Künstler hatte sich in der Vergangenheit kritisch zur US-Einwanderungspolitik geäußert und bewusst auf Tourstopps auf dem US-Festland verzichtet. Entsprechend laut fiel die Kritik aus konservativen Kreisen aus – inklusive öffentlicher Ablehnung durch Donald Trump.

Die NFL hingegen betont, dass politische Aspekte kein entscheidender Faktor in der Auswahl gewesen seien. Aus Ligaperspektive geht es um Reichweite, Relevanz und Verbindungskraft.

Musik ist subjektiv – aber ihr Potenzial, Menschen zusammenzubringen, ist universell.


Wer entscheidet eigentlich über die Halftime Show?

Roc Nation ist seit 2019 offizieller Live-Music-Entertainment-Partner der NFL. Die Zusammenarbeit entstand auch vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Debatten rund um Colin Kaepernick und soziale Verantwortung der Liga.

Jay-Z selbst kritisierte frühere Auswahlprozesse als ineffizient und konfliktgeladen. Heute verfolgt Roc Nation einen klareren Ansatz:
weniger Kandidaten, gezieltere Gespräche, klare Entscheidungen.

Bad Bunny ist bereits die siebte Halftime-Auswahl unter dieser Ägide.


Wer ist Bad Bunny – und warum er mehr als ein Popstar ist

Bad Bunny, bürgerlich Benito Antonio Martínez Ocasio, ist nicht nur Musiker, sondern kulturelles Phänomen. Er singt überwiegend auf Spanisch, spielt bewusst mit Geschlechterrollen, kultureller Identität und politischer Symbolik – ohne dabei seine Massenwirksamkeit zu verlieren.

Er stand bereits 2020 beim Super Bowl auf der Bühne (mit Shakira und Jennifer Lopez), spielte zuletzt in einer Netflix-Produktion und veröffentlichte Anfang 2025 sein sechstes Studioalbum.

Für ihn selbst ist der Auftritt beim Super Bowl auch ein kulturelles Statement – nicht nur ein Karriereschritt.


Halftime-Shows seit Beginn der Zusammenarbeit zwischen der NFL und Roc Nation
(Die Shows der Jahre 2022 und 2023 wurden jeweils mit mehreren Emmy Awards ausgezeichnet.)

  • 2020, Hard Rock Stadium (Miami Gardens, Florida):
    Shakira & Jennifer Lopez
    (feat. Bad Bunny, J Balvin und Emme Muñiz)
  • 2021, Raymond James Stadium (Tampa, Florida):
    The Weeknd
  • 2022, SoFi Stadium (Inglewood, Kalifornien):
    Eminem, Dr. Dre, Snoop Dogg, Kendrick Lamar & Mary J. Blige
    (feat. 50 Cent und Anderson .Paak)
  • 2023, State Farm Stadium (Glendale, Arizona):
    Rihanna
  • 2024, Allegiant Stadium (Las Vegas, Nevada):
    Usher
    (feat. Alicia Keys, Ludacris, Lil Jon, H.E.R., will.i.am, Jermaine Dupri und Sonic Boom of the South)
  • 2025, Caesars Superdome (New Orleans, Louisiana):
    Kendrick Lamar
    (feat. SZA)


Apple Music, Reichweite und der Reiz des „unbezahlten“ Auftritts

Seit 2023 ist Apple Music Hauptsponsor der Halftime Show. Die Künstler selbst erhalten keine Gage – nur die branchenübliche Gewerkschaftsvergütung.

Warum machen sie es trotzdem?

Weil der Super Bowl eine der größten Bühnen der Welt ist. Über 250 Millionen Menschen weltweit, dazu Social Media, Streaming-Effekte und langfristige Sichtbarkeit. Für Künstler ist es weniger ein Job als ein kultureller Meilenstein.


Von Marching Bands zu globalem Pop-Event

Die heutige Bedeutung der Halftime Show ist historisch gewachsen. Der Wendepunkt kam 1993 mit Michael Jackson. Seitdem ist die Pause mindestens so relevant wie das Spiel selbst.

Zuletzt stellten Kendrick Lamar (Super Bowl 59), Usher (2024) und Rihanna (2023) neue Zuschauerrekorde auf. Drei der meistgesehenen Halftime Shows seit 2000 stammen aus den letzten drei Jahren.

Der Trend ist eindeutig:
Die Halftime Show ist nicht Beiprogramm – sie ist globales Hauptereignis.


Meinung von der Couch

Ich kann die Kritik einiger Fans durchaus nachvollziehen, die sich nach den vergangenen Jahren wieder einen klassischeren, rockigeren Halftime-Act gewünscht hätten. R&B, Hip-Hop und popkulturell geprägte Shows haben zuletzt dominiert – wer mit Super Bowls der 90er- oder frühen 2000er-Jahre sozialisiert wurde, verbindet die Pause vielleicht noch immer mit Gitarren, großen Refrains und Stadionrock.

Trotzdem halte ich die Wahl von Bad Bunny für spannend und konsequent. Seine Musik lebt von südamerikanischen Einflüssen, Rhythmus, Atmosphäre und kultureller Eigenständigkeit. Ich höre diese Klänge selbst gern – auch wenn ich kein Wort verstehe. Und genau darin liegt für mich ein Kernpunkt: Musik muss nicht immer verstanden werden, um zu funktionieren. Sie darf tragen, verbinden, Emotionen erzeugen.

Was ich hingegen schwer erträglich finde, sind die reflexhaften Gegenbewegungen, die jede Abweichung vom eigenen Geschmack sofort als „falsche Entscheidung“ oder kulturellen Fehltritt brandmarken. Diese Debatten wirken oft weniger wie echte Kritik – und mehr wie affektierte Abwehrreaktionen gegenüber Veränderung.

Der Super Bowl ist längst kein rein amerikanisches Ereignis mehr. Wer erwartet, dass sich die Halftime Show dauerhaft an nostalgischen Vorstellungen orientiert, verkennt, wie global dieses Event geworden ist. In diesem Kontext ist Bad Bunny keine Provokation – sondern ein ziemlich logischer Schritt.

👉 Lies auch: Alternative Halftime Show beim Super Bowl 2026?


Fazit

Bad Bunny ist nicht einfach eine populäre Wahl. Er ist eine logische Wahl.

Er steht für kulturelle Öffnung, globale Reichweite und musikalische Relevanz jenseits klassischer US-Mainstream-Grenzen. Genau das sucht die NFL – besonders in einer Zeit, in der der Super Bowl längst ein weltweites Medienereignis ist.

Super Bowl 60 wird nicht nur sportlich bewertet werden.
Die Halftime Show wird erneut darüber entscheiden, wie modern, offen und global die NFL wahrgenommen wird.

Und genau dafür ist Bad Bunny der richtige Künstler.