
Game Over Europa? Jetzt erst recht!
Die NFL International Series 2025 ist nach zum Teil spektakulären sieben Spielen vorbei, und Couch Quarterback war in Dublin, London, Berlin und Madrid live vor Ort.
Du hast leider schon wieder keine Tickets bekommen oder warst nicht bereit, die zum Teil sehr hohen Preise zu bezahlen? Vielleicht hast du bereits ein Spiel sehen können und möchtest nun unbedingt auch ein NFL Spiel in den USA erleben? Wir haben den ultimativen Guide zusammengestellt, wie du dir diesen Traum ohne dein Bankkonto zu sprengen erfüllen kannst.
Kurzer Disclaimer: Alle Infos basieren auf persönlicher Erfahrung und haben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Bitte beachte, dass diese ausschließlich für Regular-Season-Spiele gelten. In den Playoffs und insbesondere beim Super Bowl werden die Karten neu gemischt, und viele bekannte Regeln sind außer Kraft gesetzt.
Der beste Reisezeitraum für ein NFL Spiel in den USA
Eine Reise in die USA ist nicht mal „so eben“ organisiert und gebucht. Je nach Reisezeitraum und Ziel zahlt man jedoch oftmals für einen Flug nach New York oder sogar Los Angeles nicht viel mehr als für einen nach Lissabon oder Neapel.
Wer nicht auf die Schulferien angewiesen ist, kann wie immer viel sparen. Wir sind im November schon für 300 € nach NYC und für etwas mehr als 400 € nach LA oder Miami geflogen. Ebenso sind die Hotel- und Mietwagenpreise in der Nebensaison deutlich günstiger. Über die gängigen Vergleichsportale findet man dann Angebote von etwa 250 € pro Woche für einen Standard-SUV.
NFL-Städte an der US-Ostküste kann man dank einer im Vergleich zur Westküste kürzeren Flugzeit und geringeren Zeitverschiebung – mit dadurch moderaterem Jetlag – gut auch für einen kürzeren Zeitraum von 7 bis 14 Tagen besuchen. Es muss nicht immer die vierwöchige Rundreise sein.
Das beste Reiseziel
Um möglichst viele Spiele in kurzer Zeit zu sehen, bietet sich eine Reise in die NFL-Ballungszentren an. Die Stadien der Giants/Jets, Patriots, Ravens, Commanders und Eagles liegen alle nur wenige Autostunden voneinander entfernt.
Auch das warme Florida mit den Jaguars, Buccaneers und Dolphins sowie – für US-Verhältnisse – in relativer Nähe den Panthers in North Carolina und den Falcons in Atlanta ist ein ideales Ziel für einen NFL-Trip.
Wer also eine genauso abwechslungsreiche wie authentische NFL-Experience erleben möchte und nicht ausschließlich sein Lieblingsteam in etwas „abgelegenen“ Städten wie Denver, Phoenix oder Seattle sehen will, kann in relativ kurzer Zeit einiges von seiner persönlichen Bucket List abhaken.
Frühzeitige Planung nach Release des NFL Schedules
Die NFL veröffentlicht den Spielplan der kommenden Saison jedes Jahr bereits Mitte Mai. Du hast also ausreichend Zeit, den Schedule zu prüfen, mit der Planung zu beginnen und die für dich optimale Woche festzulegen. Je früher du Flüge und Hotels buchst, desto günstiger wird es in der Regel sein.
Das Wichtigste – die Tickets!
Der entscheidende und wichtigste Punkt: Wo und wann die Tickets kaufen?
Die beste Nachricht: Die wenigsten Regular-Season-Games sind komplett ausverkauft. Ausnahmen gibt es immer, diese gelten vor allem für die Green Bay Packers und die Denver Broncos. Bei den Broncos ist seit 1970 jedes Heimspiel ausverkauft, bei den Packers sogar seit 1960. Aber selbst für diese Teams kann man über den Ticketmaster-Resale Tickets erhalten.
Wer ganz sicher gehen will, kauft seine Tickets frühzeitig beim offiziellen NFL-Ticketpartner Ticketmaster. Du benötigst dazu lediglich einen Account auf der amerikanischen Seite Ticketmaster.com, den du problemlos mit deiner deutschen Adresse und Kreditkarte anlegen kannst.
Rechtzeitige Buchung bedeutet zum einen Planungssicherheit und zum anderen reguläre Preise. Für einen akzeptablen Platz zahlt man zwischen 80 und 150 US-Dollar – hinzu kommen leider die üblichen „Service Fees“.
Der Fan-Resale ermöglicht neben der Chance auf eigentlich ausverkaufte Games oftmals auch günstigere Ticketpreise. Was zunächst etwas unlogisch klingt, da der Resale im Grunde ein Graumarkt ist, erklärt sich schnell: Spielt das Heimteam eine enttäuschende Saison oder ist der Gegner nicht so attraktiv wie vor der Saison erwartet, können die Preise sogar unter den Originalpreis sinken.
Für das von uns Ende September dieses Jahres besuchte Spiel Denver Broncos vs. Cincinnati Bengals haben wir die Tickets bereits Anfang August gekauft. Nach der schweren Verletzung von Joe Burrow und der anschließenden schwachen Saison der Bengals hätten wir Mitte September für dasselbe Ticket fast 100 Dollar weniger gezahlt.
Bei anderen Reisen hatten wir mehr Geduld und konnten so Heimspiele der Los Angeles Rams, der Cleveland Browns oder der New Orleans Saints für lediglich 40 bis 60 Dollar besuchen.
Natürlich ist diese Unsicherheit nicht für jeden etwas, und die Preise können sich bei unerwartetem Erfolg ebenso schnell nach oben entwickeln. Wer jedoch bereit ist, ein wenig zu pokern, kann durchaus viel Geld sparen. Die meisten Ticketbesitzer oder Dauerkarteninhaber wollen ihre Karten letztendlich nicht komplett verfallen lassen.
Parken und Tailgating

Das legendäre Tailgating gehört seit den 1930er Jahren zu jedem Spiel dazu und ist ein fester Bestandteil der amerikanischen Footballkultur. Damals nutzten die ersten Fans die Heckklappe („Tailgate“) ihres Trucks für das gesellige Beisammensein als Tisch oder Bank – woraus sich über die Jahre die berühmten Tailgate-Partys entwickelten.
Es gibt Fans, die nur am Tailgating teilnehmen und gar nicht ins Stadion gehen – manchmal vielleicht auch, weil sie zu betrunken sind und vom Ordnungsdienst nicht mehr hineingelassen werden.
In Kansas City beginnt die Anreise – und damit der Stau – zum Stadion oft schon Stunden vor der eigentlichen Öffnung der Parkplätze.
Die besten und größten Tailgate-Partys gibt es naturgemäß bei Teams, deren Stadien etwas außerhalb liegen und mit entsprechend großen Parkflächen ausgestattet sind – zum Beispiel bei den Kansas City Chiefs, den Dallas Cowboys, den Jacksonville Jaguars oder auch bei den beiden New Yorker Teams.
Die Parkgebühren sind allerdings teils absurd hoch. Preise von 120 Dollar und mehr sind keine Seltenheit. Reisen jedoch fünf beste Buddies mit 65-Zoll-TV, JBL-Ultimate-Boombox, Familien-BBQ-Grill und Coors Light in XXL-Kühlboxen in ihrem Ram-1500-Pick-up-Truck an, werden die Kosten geteilt – und für einen feuchtfröhlichen Vormittag oder Nachmittag sind 25 Dollar pro Kopf dann wieder nicht allzu viel. Nur der „designated driver“ muss sich eher beim Cornhole-Game die Zeit vertreiben.
Die Stimmung ist ausgelassen und sehr freundlich. „Sharing is caring“ ist das Motto, und jeder ist willkommen. Selbst vorbeiziehende Fans des Gegners werden eingeladen, um gemeinsam Spaß zu haben.
Als Tourist ist man eher selten so ausgestattet wie die Locals und daher auf der Suche nach günstigeren Parkmöglichkeiten. Je weiter weg man bereit ist zu parken, desto günstiger wird es. „Weit weg“ ist dabei relativ – schon wenige hundert Meter können den Unterschied zwischen 40 und 100 Dollar ausmachen.
Liegt das Stadion eher in der Downtown, wie beispielsweise in Seattle, Denver oder Pittsburgh, sind große Parkhäuser in der Innenstadt eine sehr gute Option. Dort zahlt man trotz „Event Parking Rates“ meist nur 20–30 Dollar und kann von dort zu Fuß zum Stadion gehen.
Ein sehr guter Tipp ist es außerdem, den Parkplatz bereits mindestens einen Tag vor dem Spiel zu buchen. Über Apps wie SpotHero lässt sich oft sehr viel Geld sparen. Bei den Arizona Cardinals haben wir für den Parkplatz direkt am Stadion nur 20 Dollar statt 60 Dollar vor Ort bezahlt.
Merchandise, Essen und Trinken
Machen wir es kurz: Die Preise für Essen und Getränke sind hoch – viel zu hoch. Ein großes Bier für 15 Dollar, mittelmäßige Burger für 12 Dollar, Wasser für 5 Dollar.
In einigen Stadien darf man jedoch eine verschlossene 0,5-Liter-Flasche Wasser mit hineinnehmen, und es gibt oft kostenlose Wasserspender. Da man ein Game in der Regel nicht besucht, um sich satt zu essen, fällt das Thema Kulinarik im Stadion für uns nicht so stark ins Gewicht. Essen sollte man in jedem Fall besser und günstiger vor oder nach dem Spiel.
Auch die am Spieltag oft heillos überlaufenen Pro Shops im Stadion langen ordentlich zu. Caps und Trikots sind nicht selten 20% und mehr teurer als in bekannten Online-Shops. Wer dennoch ein Souvenir vor Ort kaufen möchte, sollte nicht bis nach dem Spiel warten – die Stores sind häufig bereits vor Spielende wieder geschlossen.
Vergleich: International Games vs. Spiele in den USA
Und wo ist es besser? Diese Frage wurde oft gestellt – und die ehrliche Antwort lautet: Schwer zu sagen. Beide Erlebnisse sind auf ihre Art besonders und einzigartig.
Die Games in den USA sind im Vergleich zu den Europa-Spielen für die Fans eher etwas Alltägliches. Hier ist es eine Dauerparty mit Fans aller 32 Teams, die den Sport an sich und die Tatsache, live dabei zu sein, zelebrieren. In den USA sieht man so gut wie keine Fans mit Jerseys anderer Franchises als die der beiden spielenden Teams.
Die sportliche Rivalität ist spürbar vorhanden, kein Vergleich aber zur zum Teil sehr aggresiven Stimmung bei unserem Fußball. Es gibt keine Fantrennung nach Blöcken und konkurrierende Anhhänger sitzen oft nebeneinander. Abgesehen von dem ein oder anderen freundlich-provozierenden „Banters“, bleibt es dort ebenso friedlich wie bei den internationalen Spielen.
Während in Europa – selbst wenn die Offense des designierten Heimteams „at work“ ist – das gesamte Stadion „Hey Baby“ singt, kann man in den USA in dieser Situation mitunter eine Stecknadel fallen hören. Dafür explodiert die Arena, sobald die Defense auf dem Feld steht und auf der gigantischen Anzeigetafel „Get Loud!“ blinkt.
In den USA endet die Nationalhymne häufig mit einem beeindruckenden Flyover von fünf Apache-Helikoptern und Feuerwerk, in Berlin gibt es dafür eine das komplette Stadion umfassende Choreografie.
US-Fans beider Teams verlassen das Stadion in Scharen weit vor dem Abpfiff, wenn das Spiel (vermeintlich) entschieden ist. Das Ende des diesjährigen 28:3-Blowout-Siegs der Broncos gegen die Bengals haben wir gefühlt fast alleine erlebt. In Europa wird hingegen sogar noch nach dem Abpfiff lautstark auf den Tribünen weitergesungen.
Wie gesagt: Die Entscheidung ist nicht leicht. Für mich persönlich ist das Gesamterlebnis vor Ort in den USA insgesamt noch beeindruckender – es ist unter dem Strich einfach authentischer.
Deine Erfahrungen, Tipps oder Fragen
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