Green Bay Packers Quarterback Malik Willis #2 hat sich in seiner Rolle als Vertreter von Jordan Love schnell zum Fanliebling entwickelt.
Green Bay Packers Quarterback Malik Willis #2 hat sich in seiner Rolle als Vertreter von Jordan Love schnell zum Fanliebling entwickelt. | Quelle: IMAGO / Icon Sportswire

Noch vor wenigen Jahren galt Malik Willis als gescheitertes Draft-Experiment. Heute ist er einer der wertvollsten Backup-Quarterbacks der NFL – und ein ernsthafter Kandidat für einen Starter-Vertrag 2026. Seine Karriere hat bei den Green Bay Packers nicht nur neuen Schwung bekommen, sondern eine komplett neue Richtung eingeschlagen.

Vom Top-10-Hype zum Stillstand in Tennessee

Der Absturz kam schnell. Vor dem Draft 2022 wurde Willis noch als möglicher Top-10-Pick gehandelt. Stattdessen fiel er bis in die dritte Runde – und landete bei den Tennessee Titans in einer Situation, die kaum Raum für Entwicklung ließ. Frühe Einsätze, wenig Vorbereitung, ein instabiles Umfeld: Willis wurde ins kalte Wasser geworfen und hinterließ wenig positive Eindrücke.

Rückblickend beschreibt er diese Zeit nüchtern. Er sei schlicht nicht bereit gewesen – weder für die Komplexität der NFL-Defenses noch für das Spiel unter Center, das er im College kaum kannte. Doch in der NFL zählt nur eines: Tape. Und dieses erzählte damals keine schmeichelhafte Geschichte.

Ein unscheinbarer Trade, große Wirkung

Die Wende kam fast beiläufig. Die Packers gaben einen Siebtrundenpick ab, um Willis als Backup zu holen – ein klassischer Low-Risk-Move, der sich als Volltreffer entpuppte.

Als sich Jordan Love früh verletzte, musste Willis bereits 19 Tage nach seiner Ankunft starten. Es folgten zwei Siege – gegen die Colts und ausgerechnet gegen sein Ex-Team Tennessee. Die Packers passten das Playcalling an, setzten verstärkt auf den Lauf und verlangten nicht alles auf einmal. Willis dankte es mit Ruhe, Entscheidungsstärke und präzisen Momenten, wenn sie gebraucht wurden.

Entwicklung statt Notlösung

Der entscheidende Unterschied zu Tennessee liegt nicht im Scheme, sondern im Prozess. Head Coach Matt LaFleur und sein Staff arbeiteten gezielt an Willis’ Fußarbeit, Balance und Timing – Details, die keine Highlight-Reels füllen, aber NFL-Karrieren entscheiden.

LaFleur betont immer wieder, wie sehr sich Willis professionalisiert habe. Sein Wurfarm war nie das Problem. Entscheidend sei gewesen, Körpermechanik und Entscheidungsfindung zu synchronisieren. Das Ergebnis: mehr Konstanz, bessere Accuracy, weniger Chaos.

Mehr als nur ein „Läufer“

Der Ruf des reinen Dual-Threat-Quarterbacks haftete Willis lange an. In Green Bay nutzt er seine Athletik gezielter, nicht als Notlösung. Gleichzeitig wächst das Vertrauen in seinen Arm. Ein 40-Yard-Pass auf Romeo Doubs gegen die Ravens – direkt im ersten Play – steht sinnbildlich für dieses neue Selbstverständnis.

LaFleurs Einschätzung ist eindeutig: Willis könne jeden Wurf machen, den die NFL verlangt. Seine Zahlen untermauern das: über 970 Passing Yards, sechs Touchdowns, keine Interception, dazu 260+ Rushing Yards und drei weitere Scores.

Respekt in der Kabine

Mindestens genauso wichtig wie Zahlen ist Wahrnehmung. In der Packers-Kabine gilt Willis längst nicht mehr als Notnagel, sondern als vollwertiger Quarterback. Receiver wie Christian Watson und Jayden Reed sprechen offen davon, dass es keinen Leistungsabfall gebe, wenn Willis spielt.

Besonders bemerkenswert ist die Reaktion der Fans: Der Applaus im Lambeau Field war zuletzt der eines Starters. Für einen Backup ist das alles andere als selbstverständlich – und ein klares Zeichen für seinen gewachsenen Status.

Marktwert und Ausblick auf 2026

All das bleibt ligaweit nicht unbemerkt. Quarterback-needy Teams wie die Raiders, Jets, Cardinals oder Dolphins dürften genau hinschauen. Ein Vertrag im Bereich von 15 bis 20 Millionen Dollar jährlich ist realistisch – nicht als Garantie, aber als Einladung zum offenen Starter-Duell.

In Green Bay selbst ist die Situation klar: Die Zukunft gehört Jordan Love. Doch die Packers profitieren bis dahin von einer der besten Versicherungen der Liga. Und Willis? Der denkt öffentlich nicht weiter als bis zum nächsten Training.

Fazit: Die zweite Chance, richtig genutzt

Malik Willis’ Geschichte in Green Bay ist keine Märchenüberhöhung, sondern ein Lehrstück über Kontext, Geduld und Entwicklung. Talent war immer da. Erst die richtige Umgebung hat es sichtbar gemacht.

Ob er 2026 als Starter in eine neue Saison geht, ist offen. Dass er sich diese Chance verdient hat, steht außer Frage. Green Bay hat ihm nicht nur eine Karriere gerettet, sondern ihm die Kontrolle über seine eigene Zukunft zurückgegeben.


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