Das Zuhause der Miami Dolphins – einer der Gründe, warum sich die Franchise an der Spitze der NFLPA Report Cards 2026 wiederfindet.
Das Zuhause der Miami Dolphins – einer der Gründe, warum sich die Franchise an der Spitze der NFLPA Report Cards 2026 wiederfindet. | Quelle: IMAGO / Zoonar

Die neuen NFLPA Report Cards 2026 sorgen erneut für Diskussionen in der Liga. Zum vierten Mal in Folge hat die Spielergewerkschaft während der Saison ihre Mitglieder zu den Arbeitsbedingungen bei ihren Teams befragt – und das Ergebnis zeigt deutliche Unterschiede.

Ganz oben im Ranking: die Miami Dolphins.
Ganz unten: die Pittsburgh Steelers.

Und dazwischen? Eine Liga, die sich nicht nur sportlich messen lassen muss.

👉 Bereits letztes Jahr haben wir uns mit der NFLPA Spieler-Umfrage beschäftigt – mit Fokus auf die „Familienfreundlichkeit in der NFL als Wettbewerbsvorteil“.

👉 Mehr zu den Aufgaben und Herausforderungen der NFLPA findest du hier!


Streit zwischen NFL und NFLPA um Veröffentlichung

Brisant: Erst Anfang des Monats gewann die NFL eine Beschwerde gegen die NFLPA. Ein Schlichter entschied, dass die öffentliche Veröffentlichung der Report Cards gegen das Collective Bargaining Agreement (CBA) verstoße, da sie als „disparaging“ gegenüber Clubs und Einzelpersonen gewertet wurde.

Das hielt die NFLPA jedoch nicht davon ab, die Ergebnisse zumindest intern mit ihren rund 2.000 Spielern zu teilen. Die Hoffnung der Gewerkschaft: Transparenz soll Einfluss auf Free-Agency-Entscheidungen haben und Teams zur Verbesserung bewegen.

Die Liga wiederum warf der NFLPA vor, Ergebnisse selektiv („cherry-picking“) zu präsentieren und riet Teams öffentlich davon ab, sich zu äußern.

Der Konflikt zeigt: Diese Umfrage hat Gewicht.

👉 Hier findest du die vollständige geleakte NFLPA Report Card 2026 im Überblick.


Dolphins vorne – trotz sportlichem Rückschritt

Dass ausgerechnet die Miami Dolphins das Ranking anführen, wirkt auf den ersten Blick überraschend. Sportlich verlief die Saison 2025 enttäuschend, Head Coach Mike McDaniel und General Manager Chris Grier mussten ihre Posten räumen. Doch bei den Arbeitsbedingungen sehen die Spieler ein ganz anderes Bild.

Besonders positiv bewerten die Dolphins-Profis den infrastrukturellen Bereich. Der Kraftraum sowie die Strength Coaches erhielten jeweils ein A+, auch Travel, Dining, Trainingsräume und Medical Staff wurden durchweg mit A benotet. Selbst die Qualität des Rasens im Stadion wurde mit einem A- eingestuft.

In der Kategorie „Treatment of Families“ – also der Betreuung und Organisation rund um Spieltage – gab es ein solides B+. Ownership wurde mit einem A bewertet, der General Manager mit einem A-, der Head Coach immerhin mit einem B.

Sportlicher Erfolg und interne Zufriedenheit gehen also nicht zwangsläufig Hand in Hand.


Vikings und Commanders bestätigen positive Trends

Auf Platz zwei folgen die Minnesota Vikings, deren Owner Zygi Wilf erneut ein A+ erhielt. Auch General Manager Kwesi Adofo-Mensah und Head Coach Kevin O’Connell wurden von den Spielern jeweils mit einem A bewertet – obwohl Adofo-Mensah inzwischen entlassen wurde.

Die Vikings schneiden infrastrukturell ebenfalls stark ab. Weight Room, Strength Coaches, Training Staff und Locker Room bewegen sich allesamt im A-Bereich. Kleinere Schwächen zeigen sich lediglich bei Travel (B+) und Dining (B-). Insgesamt bleibt Minnesota ein Vorzeigemodell aus Spielersicht.

Die Washington Commanders komplettieren die Top 3 – und bestätigen ihren Aufwärtstrend seit der Übernahme durch Owner Josh Harris. Harris selbst erhielt ein A+, ebenso Head Coach Dan Quinn. General Manager Adam Peters wurde mit einem A bewertet.

Washington punktet besonders bei Kraftraum, Strength Coaches und Ernährung. Verbesserungen am Locker Room wurden ebenfalls honoriert. Lediglich bei Travel (B-) sehen die Spieler noch Luft nach oben. Insgesamt zeigt sich: Struktureller Wandel wird von der Spielerschaft durchaus wahrgenommen.


Steelers am Ende – eine Zäsur

Deutlich kritischer fällt das Bild bei den Pittsburgh Steelers aus. Erstmals landen die Steelers auf dem letzten Platz – nach Rang 28 im Vorjahr.

Besonders alarmierend sind die Bewertungen in zentralen Kategorien. Für den Umgang mit Familien gab es ein F, für die Qualität des Spielfelds sogar ein F-. Auch Travel und der Zustand des Locker Rooms erhielten miserable Noten. Ownership wurde mit D- bewertet.

Für eine Franchise, die jahrzehntelang als Stabilitätsanker der Liga galt, sind diese Bewertungen mehr als nur eine schlechte Momentaufnahme. Gerade eine Organisation, die sich traditionell über Kultur, Identität und Kontinuität definiert, dürfte diese Ergebnisse als deutliches Warnsignal verstehen müssen.

Interessant ist allerdings die Differenzierung innerhalb der Organisation: Head Coach Mike Tomlin, der nach der Saison zurücktrat, erhielt von den Spielern ein A. Auch der Training Staff (B+) sowie Strength Coaches (B-) schnitten solide ab.

Das Problem scheint also weniger sportlicher Natur zu sein – sondern strukturell.

Auf Nachfrage wollte sich die Franchise nicht äußern. Steelers-Kommunikationsdirektor Burt Lauten erklärte lediglich:

„Wir werden uns nicht zu einem Bericht äußern, den wir nicht in seiner Gesamtheit gesehen haben.“


Browns und Cardinals weiterhin im Tabellenkeller

Neben Pittsburgh rangieren die Arizona Cardinals und die Cleveland Browns am unteren Ende des Rankings.

Arizona, im Vorjahr noch Letzter, verbesserte sich minimal, bleibt aber kritisch bewertet. Besonders der Locker Room (F-) sowie die Bewertung von Owner Michael Bidwill (F) fallen ins Gewicht. Travel, Dining und Trainingsräume bewegen sich im mittleren bis unteren Bereich.

Auch Cleveland kämpft weiterhin mit negativen Bewertungen – insbesondere beim Locker Room (F), Travel (D-) und der Behandlung von Familien (D+). Head Coach Kevin Stefanski und GM Andrew Berry erhielten durchschnittliche Noten, Ownership wurde mit C bewertet.

Beide Organisationen wollten sich gegenüber The Athletic nicht äußern.


Mehr als nur ein Stimmungsbild

Insgesamt beteiligten sich rund 80 Prozent der Spieler an der Umfrage – ein bemerkenswert hoher Wert. Die NFLPA betont, dass die Report Cards nicht sportliche Qualität messen, sondern Arbeitsbedingungen und Organisationskultur.

Und die Wirkung ist real: In den vergangenen Jahren haben mehrere Teams nach schlechten Bewertungen in neue Facilities investiert oder infrastrukturelle Verbesserungen angekündigt.

Die NFLPA sieht die Umfrage als Instrument zur Rechenschaftspflicht – die Liga dagegen als potenziell rufschädigend.

Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen.


Schlussfazit von der Couch

Die NFLPA Report Cards 2026 zeigen einmal mehr: Die NFL ist nicht nur ein sportlicher Wettbewerb – sie ist auch ein Wettbewerb der Arbeitsbedingungen.

Dass die Miami Dolphins trotz sportlicher Probleme ganz oben stehen, unterstreicht, wie wichtig Infrastruktur, Organisation und Kultur für die Spieler sind. Umgekehrt ist es bemerkenswert – und für viele sicherlich überraschend –, dass eine Traditionsfranchise wie die Pittsburgh Steelers erstmals am Tabellenende landet.

Besonders spannend: Die schlechten Noten richten sich weniger gegen Coaches oder einzelne Personen, sondern vor allem gegen strukturelle Themen – Facilities, Travel, Treatment of Families. Und genau diese Punkte können in Zeiten von Free Agency durchaus den Ausschlag geben.

Mit rund 80 Prozent Beteiligung ist das kein Randphänomen, sondern ein deutliches Stimmungsbild der Spielerschaft.

Die moderne NFL wird nicht nur an Siegen gemessen –
sondern auch daran, wie professionell sie mit ihren Spielern umgeht.

Und genau deshalb sind diese Rankings mehr als nur Noten auf Papier.