
Die NFL treibt ihre internationale Expansion weiter aggressiv voran.
Bei den aktuellen Spring Meetings hat die Liga beschlossen, künftig bis zu zehn internationale Regular-Season-Spiele pro Saison austragen zu dürfen. Bislang lag die offizielle Grenze bei acht Spielen. Schon 2026 wird diese Marke allerdings erstmals überschritten, weshalb die NFL nun offiziell nachgezogen hat.
Und vieles deutet darauf hin, dass selbst diese neue Grenze nur ein Zwischenschritt sein könnte.
Schon 2027 könnten zehn International Games stattfinden
NFL-Executive Peter O’Reilly erklärte bei den Meetings in Orlando, dass die Liga bereits 2027 die neue Maximalzahl erreichen könnte.
Damit würde die NFL ihre internationale Präsenz innerhalb weniger Jahre massiv ausbauen. Zum Vergleich: Noch vor wenigen Jahren galten die London Games als besondere Ausnahmeerscheinung. Inzwischen verteilt die Liga ihre Spiele über mehrere Kontinente.
2026 finden International Games in folgenden Ländern statt:
- Deutschland
- England
- Frankreich
- Spanien
- Brasilien
- Australien
- Mexiko
Und die NFL denkt längst weiter.
Neue Märkte in Asien stehen auf der Liste
Besonders spannend: Die Liga schaut inzwischen offenbar konkret auf Asien.
Laut O’Reilly gehört unter anderem Japan zu den möglichen zukünftigen Austragungsorten. Ein Spiel dort dürfte zwar frühestens 2028 realistisch werden, zeigt aber ziemlich deutlich, wohin die Reise geht.
Die NFL verfolgt dabei keine kurzfristige Strategie mehr.
„Our strategy is not one and done“,
erklärte O’Reilly. Die Liga wolle neue Märkte langfristig aufbauen und regelmäßig zurückkehren.
Genau dieses Muster sieht man aktuell bereits in Europa und Südamerika. Brasilien bekommt nach dem Debüt 2024 inzwischen regelmäßig Spiele, Spanien und Irland wurden schnell in die langfristige Planung integriert und Paris feiert 2026 seine Premiere.
Die NFL denkt längst global
Interessant ist dabei vor allem die grundsätzliche Denkweise der Liga.
Die International Games sind für die NFL inzwischen weit mehr als nur einzelne Footballspiele. O’Reilly sprach explizit davon, dass es um eine ganzjährige Entwicklung der Märkte gehe.
Es geht also nicht nur um ein Event-Wochenende, sondern um:
- Fan-Aufbau
- Jugendprogramme
- Flag Football
- lokale Partnerschaften
- Medienpräsenz
- Merchandise
- langfristige NFL-Communitys
Ein gutes Beispiel dafür lieferte die Liga selbst direkt beim Draft 2026.
Mit Seydou Traore wurde erstmals ein Spieler gedraftet, der aus der NFL Academy in Großbritannien stammt. Für die NFL ist das genau die Art von Entwicklung, die sie international erreichen möchte.
Embed from Getty ImagesAuch der Spielplan wird internationaler gedacht
Um die wachsende Zahl an Spielen überhaupt organisieren zu können, lockert die NFL nun außerdem ihre bisherigen Scheduling-Regeln.
Bisher durften Teams zwei Gegner schützen, die nicht für International Games eingeplant werden konnten. Diese Regel fällt nun weg.
Die Liga schafft sich damit deutlich mehr Flexibilität für die zukünftige Planung.
Und noch etwas wurde klar: Die Qualität der Matchups soll trotz Expansion hoch bleiben.
Die NFL weiß inzwischen genau, dass internationale Spiele nicht mehr nur „Bonusspiele“ sind. Gerade in Europa erzielen viele Partien enorme TV-Zahlen und starke Reichweiten auf Social Media.
Deshalb betonte O’Reilly ausdrücklich, wie wichtig attraktive Matchups für die internationalen Märkte seien.
Ein internationaler Super Bowl bleibt vorerst kein Thema
Über ein Thema wird allerdings weiterhin eher vorsichtig gesprochen: ein Super Bowl außerhalb der USA.
Zwar taucht die Idee regelmäßig auf, laut NFL hat dieses Szenario aktuell aber keine Priorität.
Wenig überraschend eigentlich. Logistisch, wirtschaftlich und medial wäre ein internationaler Super Bowl noch einmal eine völlig andere Größenordnung als einzelne Regular-Season-Spiele.
Fazit von der Couch
Die NFL macht inzwischen keinen Hehl mehr daraus: Die Liga will ein globales Sportprodukt werden.
Zehn International Games ab 2027 wirken dabei eher wie ein weiterer Zwischenschritt als wie das eigentliche Ziel. Wenn selbst Verantwortliche inzwischen offen über bis zu 16 internationale Spiele pro Saison sprechen, wird klar, wie groß die Ambitionen mittlerweile sind.
Gerade für europäische Fans ist das natürlich eine spannende Entwicklung. Deutschland, London, Madrid oder Paris dürften langfristig feste Bestandteile des NFL-Kalenders bleiben.
Und je erfolgreicher die Spiele international laufen, desto stärker wird die Liga ihren Fokus weiter ausweiten.
Die eigentliche Frage scheint inzwischen nicht mehr zu sein, ob die NFL global wird – sondern nur noch, wie schnell.