NFL Melbourne: Blick aufs Feld im MCG während der Hymnen mit den Flaggen Australiens und der USA
NFL Melbourne: Blick aufs Feld im MCG während der Hymnen mit den Flaggen Australiens und der USA

NFL Melbourne – das erste Regular-Season-Game auf australischem Boden ist Geschichte. Ich selbst saß in dieser Nacht nicht im Stadion, dafür aber ein guter Freund des Hauses und mehr als würdiger Vertreter von Couch Quarterback: Matthew Chau.

Matthew ist in Sydney zu Hause, ein leidenschaftlicher NFL-Fan und für dieses historische Spiel unser Mann vor Ort im Melbourne Cricket Ground. Er hat das Erlebnis „NFL in Australien“ für uns miterlebt und im Anschluss meine Fragen beantwortet. Daraus ist ein Reisebericht entstanden, der zeigt, wie sich NFL-Fieber Down Under anfühlt.

Auf dem Feld setzten sich die San Francisco 49ers gegen die Los Angeles Rams durch, obwohl die Rams offiziell das Heimteam stellten. Auf den Rängen fühlte es sich ohnehin nie danach an.

Ab hier übernimmt Matthew: sein Gameday in Melbourne, in seinen Worten.


Vorfreude: NFL-Fieber von Sydney bis Melbourne

Als ich hörte, dass die NFL nach Australien kommt, dachte ich nur: Wahnsinn! Ein Regular-Season-Heimspiel bei uns, ausverkauft im größten Sportstadion des Landes, mit über 100.000 Zuschauern. Das zeigt, wie groß der internationale Markt geworden ist und wie viele NFL-Fans es in Australien gibt. Dass ich selbst dabei sein würde, hätte ich nie gedacht.

Als klar war, dass ich als akkreditierter Journalist für Couch Quarterback ins Stadion darf, hat mir das unglaublich viel bedeutet, mehr, als ich in Worte fassen kann. Manche Erlebnisse gibt es nur einmal im Leben. Live dabei zu sein, wenn hier Geschichte geschrieben wird, und dazu noch den Blog aus der Ferne zu vertreten, war genau so ein Moment.

Schon in den Tagen vor dem Kickoff lag echtes NFL-Fieber in der Luft. In Melbourne gab es die ganze Woche über Events mit AFL (Australian Football League) und NRL (National Rugby League), und schon vom Flughafen bis in die Innenstadt hingen Plakate und Wandgemälde, die das Spiel feierten. Vor dem NFL-Pop-up-Store standen lange Schlangen, und etliche Pubs waren in den Farben von 49ers und Rams geschmückt.

Die Anreise: Um 3 Uhr morgens raus und Uber-Roulette am Flughafen

Mein Gameday begann um 3 Uhr morgens, denn mein Flug von Sydney nach Melbourne ging um 6 Uhr. Schnell einen Kaffee gemacht, 20 Minuten zum Flughafen gefahren und um 4:15 Uhr angekommen. Nach rund einer Stunde Wartezeit ging es um 5:35 Uhr an Bord, und der Flieger hob pünktlich ab. Ich war offensichtlich nicht der Einzige mit dieser Idee, denn die Maschine war voll mit NFL-Fans, die alle am Gameday anreisen wollten.

In Melbourne wurde es dann stressig. Vor den Uber-Abholzonen stand eine Schlange mit Hunderten Wartenden. Gegen 8 Uhr hatte ich zum Glück eine Fahrt, und mein Fahrer war so gewieft, dass er die verstopften Straßen umkurvte. Um 8:30 Uhr stand ich am Media Hotel, um meine Credentials abzuholen. Die App hatte eine Stunde Fahrzeit angezeigt, ich war also 30 Minuten früher da als gedacht. Puh!

Matthew Chau von Couch Quarterback auf der Pressetribüne beim NFL Melbourne Game im MCG
Matthew Chau von Couch Quarterback auf der Pressetribüne beim NFL Melbourne Game im MCG

Akkreditierung: Der Moment, in dem es real wurde

Im Hotel ging es ziemlich chaotisch zu, denn Fans und Medienleute verteilten sich quer durch die Lobby. Ich fragte kurzerhand jemanden mit Media-Badge nach dem Weg zum Check-in. Danach war alles unkompliziert: Der spezielle Medieneingang am MCG lag direkt auf der Hotelseite und war schnell erreicht.

Auf dem Weg dorthin kam mein persönlicher Aha-Moment. Ich lief über die Straße zum MCG, sah die Netflix-Preview-Show, die live vor den Fans gezeigt wurde, und dachte: „Okay, das passiert wirklich.“ Wenn ich mich in zehn Jahren an einen Moment dieses Tages erinnern soll, dann ist es genau dieser: das Abholen der Akkreditierung im Hotel und das Bewusstsein, dass wahr wird, was schon lange geplant war.

Stadion und Atmosphäre: Tailgating-Feeling und ein Kartenmosaik

Das Drumherum fand ich richtig stark. Rund ums MCG standen Food Trucks, die mich ans Tailgating erinnerten, überall hingen Flaggen, und es gab NFL-Aktivitäten für alle Altersklassen. Vom Prinzip her war alles sehr gut durchdacht.

Von der Pressetribüne in Sektion Q40 hatte ich trotz der gewaltigen Dimensionen einen sehr guten Blick auf das gesamte Feld und konnte Plays von beiden Seiten klar erkennen. Das ist nicht selbstverständlich, denn manche Fans haben hunderte Dollar für Plätze ganz unten bezahlt und dafür teils eingeschränkte Sicht bekommen. Neben mir saßen weitere unabhängige Medienvertreter, und ich spürte dort dieselbe Leidenschaft und Begeisterung, die auch hinter Couch Quarterback steckt. Als Vertreter dieses Blogs in Australiens berühmtestem Sportstadion zu sitzen, war schlicht sensationell.

Die größte Überraschung war für mich die Card-Flip-Aktion. Das gesamte MCG beteiligte sich und formte ein riesiges Mosaik aus australischer und amerikanischer Flagge samt NFL-Logo. Das hat mich total überrascht, positiv, versteht sich.

Je näher der Kickoff rückte, desto lauter wurde es. Schon beim Abholen der Credentials spürte man, dass etwas Besonderes bevorsteht, und dann füllte sich das MCG Reihe für Reihe. Als bei den Nationalhymnen das ganze Stadion aufstand, wurde mir richtig bewusst: Hier passiert gerade australische Sportgeschichte. Das lauteste und beeindruckendste Erlebnis war für mich aber der gemeinsame Flyover der Australian Defence Force und der US Air Force vor dem Spiel. Das war so stark!

Die Fans: 49ers-Land und Boo-Rufe für die Rams

Obwohl es offiziell ein Rams-Heimspiel war, gehörte das Stadion mehrheitlich den 49ers-Fans. Ich glaube, das lag auch daran, dass die Rams erst am Vortag angereist waren und den Fans keine Gelegenheit gegeben hatten, Spieler zu treffen. Das hinterließ keinen guten Eindruck, und als die Rams aufs Feld liefen, hörte man deutliche Boo-Rufe im ganzen MCG.

Beim Kickoff saß ich einfach da und dachte: „Die spielen hier wirklich ein NFL-Game!“ Ich war nicht nervös, eher still vor Staunen. Das Publikum in Australien ist eigen, das lässt sich schwer beschreiben. Die Fans wandten sich ziemlich schnell gegen die Rams, und je klarer im vierten Viertel wurde, dass die 49ers das Spiel kontrollieren, desto ausgelassener wurde es. Die Karten aus der Card-Flip-Aktion wurden zu Papierfliegern gefaltet, die in Richtung Spielfeld segelten. Das war ziemlich witzig!

Insgesamt fühlte es sich an wie ein echtes NFL-Game, das nach Australien verpflanzt wurde, so wie im TV, nur mit ein paar typisch australischen Elementen. Gegen Ende wirkte das Publikum lockerer und auch etwas unruhig. Ich glaube, dass die fehlende Gegenwehr der Rams eine Rolle spielte, denn viele hatten auf ein engeres Spiel gehofft. Der MC im Stadion gab sich große Mühe, die Stimmung nach jedem Play und jedem 3rd Down anzuheizen.

Das Spiel: Die Momente, die hängen bleiben

Diese Szenen werde ich nicht vergessen:

  • Kyren Williams’ Touchdown im zweiten Viertel, der für mich der erste Touchdown in Australien überhaupt war.
  • Demarcus Robinson, der gegen seinen alten Klub punktete.
  • Mike Evans’ Touchdown. Seine Langlebigkeit muss man einfach bewundern.
  • Der Goal-Line-Stand der 49ers kurz vor Ende des dritten Viertels. Ein Rams-Touchdown hätte das Spiel noch einmal interessant gemacht.

Am meisten beeindruckt hat mich live Brock Purdy. Es ist etwas ganz anderes, ihn im Stadion zu sehen, denn seine Bewegungen wirken unglaublich ruhig. Sein Pass auf Demarcus Robinson sah mit bloßem Auge richtig geschmeidig aus.

Pressekonferenz: Kittle, Deebo, Christian – und die Sache mit dem Shoey

Wie Nic gehe ich nach dem Spiel gern zur PK des Siegerteams, also zu den 49ers. Der Weg dorthin war eine kleine Mission. Ich saß am anderen Ende des Stadions und musste mich durch 100.000 Menschen im MCG kämpfen. Ich bin so schnell gelaufen, wie ich konnte.

Stadionanzeige mit offizieller Zuschauerzahl von über 100.000 beim NFL Melbourne Game
Stadionanzeige mit offizieller Zuschauerzahl von über 100.000 beim NFL Melbourne Game

Hängen geblieben ist mir der Auftritt von George Kittle mit Christian McCaffrey und Deebo Samuel. Die drei wirkten, als hätten sie eine richtige Chemie miteinander, und beantworteten die Fragen der Medien sehr gelöst. Der lustigste Moment kam, als Kittle vorschlug, nach der Pressekonferenz gemeinsam mit Deebo einen „Shoey“ zu machen, also Bier aus dem Schuh zu trinken, ein australisches Ritual. Die beiden live zu sehen, war richtig cool.

Nach dem Spiel: Sporting Globe, Verspätung und ein langer Heimweg

Nach der PK ging es für ein paar Drinks in die Sporting Globe Bar in Richmond. Danach fuhr ich per Uber zurück zum Flughafen, denn mein Flug sollte um 19:30 Uhr gehen. Der hatte allerdings rund zwei Stunden Verspätung und hob erst gegen 21 Uhr ab. Gegen 22 Uhr landete ich in Sydney, fuhr direkt vom Parkplatz nach Hause, war gegen 23:30 Uhr da und lag kurz vor Mitternacht im Bett. Was für ein Tag!

Mein Fazit: „NFL Melbourne war spektakulär“

Hat die NFL in Melbourne alles richtig gemacht? Absolut! Für das erste Spiel in Australien haben sie es aus meiner Sicht getroffen. Australien sollte fester Bestandteil der International Games sein. Es gibt hier genug Fans, und mit über 100.000 Zuschauern hat die NFL auch einen kommerziellen Vorteil, wenn sie das Spiel international weiter ausbauen will. Ich hoffe, dass es nicht bei diesem einen Mal bleibt, und wünsche mir als Nächstes Sydney.

Der Satz, mit dem ich alles zusammenfasse: „NFL Melbourne war spektakulär!“


Nic: Danke, Matthew, dass du unsere Farben in Melbourne vertreten hast! Ein Erlebnis, das man sonst nur von den Trips kennt, die ich selbst machen durfte.

Quelle: Erfahrungsbericht von Matthew Chau für Couch Quarterback.


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