Respekt unter den Nummer-1- und Nummer-2-Picks: Daniels und Williams nach ihrem ersten direkten Aufeinandertreffen.
Respekt unter den Nummer-1- und Nummer-2-Picks: Daniels und Williams nach ihrem ersten direkten Aufeinandertreffen. | Quelle: IMAGO / UPI Photo

Caleb Williams und Jayden Daniels verletzt: Diese Meldung dürfte für viele Fans der 2024 Draft-Klasse ein Schlag in die Magengrube sein. Die Nummer 1 und die Nummer 2 des Drafts sind in Week 2 beide vom Feld gegangen. Bei Williams von den Chicago Bears geht es um den rechten Hamstring, bei Daniels von den Washington Commanders um den linken Ellbogen, und zwar zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres.

Dabei hatten beide Quarterbacks bisher viel Vorschusslorbeer bekommen. Daniels wurde 2024 zum Offensive Rookie of the Year gewählt und gehört zur neuen Quarterback-Generation der Liga. Williams hat nach einer holprigen Rookie-Saison unter Head Coach Ben Johnson den Sprung geschafft, führte die Bears zum NFC-North-Titel samt Playoff-Sieg und ist mittlerweile Cover-Star von Madden NFL. Umso bitterer ist es, dass beide nun gleichzeitig zuschauen müssen.

Hier ist der Stand bei beiden im Überblick.

Caleb Williams: Hamstring-Verletzung im Heimspiel gegen die Vikings

Williams verletzte sich im vierten Viertel der 3:9-Heimniederlage gegen die Minnesota Vikings. Der Quarterback kam bei einem Scramble ohne gegnerischen Kontakt ins Straucheln, humpelte vom Feld und wurde schließlich mit dem Cart in die Kabine gefahren. Die Bilder waren dramatisch: Williams saß sichtlich aufgewühlt auf dem Cart, ein Handtuch über dem Gesicht. Für Tyson Bagent, der das Spiel zu Ende brachte, gab es an der Niederlage nichts mehr zu ändern.

Am Tag danach kam die Entwarnung, zumindest eine teilweise. Ein MRT zeigte offenbar keine gravierende Verletzung. Nach Angaben von Ben Johnson gilt Williams als week-to-week. Der Coach sprach von einem „einigermaßen ermutigenden“ Befund, schloss einen Einsatz beim Monday Night Football in Week 3 gegen die Philadelphia Eagles aber ausdrücklich nicht aus. Er rechne allerdings nicht damit, dass Williams in der Trainingswoche überhaupt auf den Platz zurückkehrt. Johnson betonte außerdem, sein Quarterback sei in Sachen Heilung ein „besonderer Fall“ und komme von solchen Blessuren besser zurück als die meisten Menschen.

Was sagen Mediziner zur Art der Verletzung?

Ein Orthopäde, den der Sender ABC7 Chicago befragte, ordnete den Mechanismus als klassisches Hamstring-Zerrung durch Überstrecken ein. Dass es keinen Kontakt gab, sei eher beruhigend. Sicher ist das nicht: Eine offizielle Einstufung des Schweregrads haben die Bears bislang nicht veröffentlicht. Wie lange Williams tatsächlich fehlt, hängt davon ab, wie sein Körper reagiert. Lokale Radiostimmen in Chicago rechnen mit zwei bis drei Wochen. Das ist eine Einschätzung, keine Prognose des Teams.

Klar ist: Fällt Williams in Week 3 aus, wäre es das erste verpasste Spiel seiner NFL-Karriere. Hamstrings gelten zudem als tückisch. Kehrt ein Spieler zu früh zurück, droht ein Rückfall, der sich unter Umständen durch die ganze Saison zieht. Ein vorsichtiges Vorgehen der Bears wäre deshalb nachvollziehbar. Auch Williams‘ Spielstil könnte sich nach der Rückkehr zunächst verändern, denn seine Scrambles sind ein wichtiger Teil seines Spiels.

Jayden Daniels: Ellbogen ausgekugelt, wieder derselbe Arm

Bei Daniels ist die Lage deutlich unklarer. Er erlitt in der 31. Minute der 20:37-Niederlage bei den Dallas Cowboys eine Ellbogenluxation links. Auf der letzten Play der ersten Halbzeit, einem 3rd-and-Goal von der 1-Yard-Line, wurde ihm offenbar auf die Füße getreten. Daniels stolperte, stützte sich mit der linken Hand ab und der Ellbogen knickte nach innen. Das medizinische Personal renkte das Gelenk noch auf dem Feld wieder ein. Kurz darauf war klar, dass Daniels nicht zurückkommt.

Die gute Nachricht: Die Röntgenaufnahmen zeigten keinen Bruch. Head Coach Dan Quinn erklärte zudem, er habe keinen Grund zur Annahme, dass Daniels in dieser Saison nicht mehr spielt. Daniels hatte zuvor eine starke Halbzeit gespielt: 11 von 17 Pässen für 96 Yards und ein Touchdown auf Stefon Diggs, dazu sieben Läufe für 69 Yards. Er erinnerte in dieser Form wieder an den Spieler, der 2024 zum Rookie of the Year gewählt wurde.

Timeline: Noch nichts fix

Zu einer Rückkehr gibt es bisher keinen Zeitplan. Daniels absolvierte nach dem Spiel weitere Bildgebung und soll am Dienstag und Mittwoch verschiedene Spezialisten aufsuchen. Deren Einschätzung bestimmt das weitere Vorgehen. Quinn sagte, man wolle sich auf die Empfehlung der Ärzte stützen, und legte sich nicht fest, ob es Änderungen gegenüber dem Vorjahr geben werde. Belastbare Updates sind laut Berichten frühestens gegen Ende der Woche zu erwarten.

Als Anhaltspunkt lohnt der Blick zurück. Daniels hatte sich denselben Ellbogen bereits in Week 9 der Vorsaison gegen Seattle ausgekugelt und drei Spiele verpasst. Nach seiner Rückkehr verletzte er sich in Week 14 bei den Vikings erneut am Ellbogen, als er nach einer Interception einen Tackle versuchte. Für den Rest der Saison war Schluss. Insgesamt fehlte er 2025 zehn Spiele. Aktuell ist Daniels in vier der letzten fünf Spiele verletzt ausgeschieden, zweimal wegen einer Luxation des linken Ellbogens und einmal wegen einer Wiederverletzung.

Die Vertretung: Mariota und Bagent übernehmen

Bei den Commanders steht in Week 3 Marcus Mariota unter Center, im Heimspiel gegen die Seattle Seahawks. Er kam gegen Dallas für Daniels und brachte 11 von 16 Pässen für 111 Yards und einen Touchdown an. Dahinter steht Rookie Athan Kaliakmanis, ein Siebtrunden-Pick. Über eine Verpflichtung eines weiteren Quarterbacks hat man laut Quinn noch nicht gesprochen.

Bei den Bears rückt Tyson Bagent in die Pole Position. Chicago wird in diesem Fall stärker aufs Running Game setzen müssen, denn Bagent bringt nicht dieselbe Armstärke mit wie Williams.

Was die Verletzungen für die Saison bedeuten

Beide Teams haben nach Week 2 eine Bilanz von 1-1 (Chicago) beziehungsweise 0-2 (Washington), stehen also am Anfang einer langen Saison. Ein kurzer Ausfall von Williams würde die Bears wohl nicht aus der Bahn werfen. Bei Daniels hängt vieles davon ab, ob er mit Brace und ohne Operation zurückkehren kann oder ob eine längere Pause nötig ist. Kommentatoren spekulieren bereits über eine mögliche OP. Bestätigt ist das nicht.

Meinung von der Couch

Ich habe selten so oft geschluckt wie bei den Bildern von Williams unter seinem Handtuch. Dass es „nur“ ein Hamstring ist, beruhigt mich, aber ich würde an Chicagos Stelle kein Risiko eingehen. Ein Monday Night Game gegen die Eagles ist kein Spiel, für das man einen angeschlagenen Franchise-Quarterback opfert. Lieber zwei Wochen Bagent als sechs Wochen Williams auf Halbgas.

Bei Daniels tut mir vor allem der Junge leid. Es ist eine Verletzung ohne eigenes Verschulden, und trotzdem schleppt er inzwischen den Ruf mit sich, ständig auszufallen. Meine Sorge: Wer nach der Rückkehr immer wieder auf denselben Arm fällt, spielt irgendwann verkrampft. Ich hoffe, dass die Commanders diesmal auf die Ärzte hören und nicht auf den Wettkampfgeist ihres Quarterbacks. Für Daniels ist das Gelenk wichtiger als Week 3.