Aaron Donald am Spielfeldrand bei einem Spiel der Los Angeles Rams nach seinem bisherigen Karriereende. Aktuell halten sich die Gerüchte um ein mögliches NFL-Comeback hartnäckig.
Aaron Donald am Spielfeldrand bei einem Spiel der Los Angeles Rams nach seinem bisherigen Karriereende. Aktuell halten sich die Gerüchte um ein mögliches NFL-Comeback hartnäckig. | Quelle: IMAGO / Icon Sportswire

Vor ein paar Wochen habe ich an dieser Stelle schon einmal über die aufkeimenden Gerüchte rund um ein mögliches Aaron Donald Comeback geschrieben. Damals ausgelöst durch ein paar vielsagende Aussagen gegenüber Pat McAfee, kurz nachdem die Rams Myles Garrett verpflichtet hatten. Seitdem hat sich die Geschichte spürbar weiterentwickelt, und ich muss zugeben: Ich bin mittlerweile richtig investiert in dieses Thema. Nicht als Rams-Fan – mein Herz schlägt bekanntlich für andere Franchises –, sondern einfach als jemand, der Football liebt.

Was seit dem Garrett-Trade passiert ist

Der bisher deutlichste Hinweis kam am vergangenen Freitag: Donald wurde beim Trainingsgelände der Rams gesichtet, wo er eigenständig und ohne Team oder Coaches rund eine Stunde lang trainierte, inklusive Konditionsübungen mit Medizinbällen. Bemerkenswert daran ist vor allem, dass sich dieses Workout von früheren, eher lockeren Trainingsbesuchen seit seinem Karriereende unterschied.

Head Coach Sean McVay hatte schon zuvor wenig getan, um die Spekulationen zu bremsen. Er habe mit Donald über die Möglichkeit einer Rückkehr gesprochen, so McVay, und ergänzte sinngemäß, dass Donald es mit 35 Jahren vermutlich immer noch auf hohem Niveau könnte, sollte er es noch einmal versuchen wollen.

Auch aus dem Kreis der Konkurrenz gibt es mittlerweile Stimmen. Der langjährige Linebacker Kyle Van Noy, selbst Jahrgang 2014 wie Donald, zeigte sich im Interview mit TMZ überzeugt von einer erfolgreichen Rückkehr und brachte es auf den Punkt: „Er ist so gut, so talentiert.“ The Athletic-Reporter Ted Nguyen bezifferte die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr sogar auf 80 zu 20 – zugunsten eines Comebacks.

Und dann ist da noch Myles Garrett selbst, der offenbar aktiv mitmischt: Ein Foto eines von Donald signierten Trikots, das Garrett beim Auspacken seiner Sachen postete, wurde von vielen als kaum verhohlene Wiederbelebung der Werbekampagne gedeutet.

Kurzum: Aus einer vagen Andeutung ist inzwischen eine ernsthafte Personalie geworden, über die in der gesamten NFL gesprochen wird.

Warum ich das feiern würde, obwohl ich kein Rams-Fan bin

Als NFL-Fan habe ich natürlich meine Lieblingsteams, keine Frage. Aber ich kann mich trotzdem an Top-Leistungen erfreuen, auch wenn sie bei einem anderen Team stattfinden. Aus rein journalistischer, neutraler Sicht ist ein Ausnahmespieler wie Aaron Donald einfach immer ein Zugewinn für die gesamte Liga – und ich kann nicht anders, als das zu feiern, wenn man solche Spieler noch einmal auf dem Feld sehen kann.

Aus dem europäischen Fußball kennt man Topklubs, die sich einen Traumkader zusammenkaufen. Auch in der MLB oder NBA sind sogenannte Super-Teams immer wieder mal an der Tagesordnung. In der NFL ist das durch Kadergrößen, Salary Cap, Vertragsstrukturen und das Draft-System eigentlich gar nicht wirklich möglich – dafür ist das System zu sehr auf Ausgeglichenheit angelegt.

Was sich die Rams aber in den letzten ein bis zwei Jahren, und ganz besonders in dieser Offseason, zusammengestellt haben, hat schon Super-Team-Charakter. Und mit Aaron Donald würde eine ohnehin schon knallharte Defense diesen Aspekt noch einmal unterstreichen. Eine Front mit Donald und Garrett, ergänzt um Braden Fiske, Kobie Turner und Poona Ford, wäre für jede gegnerische Offensive Line ein Albtraum – selbst wenn Donald „nur“ in einer Rotationsrolle zurückkehren würde.

Der Druck, der damit einhergeht

Es wird spannend zu beobachten sein, wie die Rams mit diesem Star-Aufgebot zurechtkommen. Denn schon jetzt ist klar: Alles außer dem Titel wäre in Los Angeles eine Enttäuschung. Mit dieser Bürde muss man als Team erst einmal umgehen können, und genau das macht die Sache aus Zuschauerperspektive so interessant. Ein derart geballtes Star-Aufgebot bringt automatisch enorme Erwartungen mit sich – und Erwartungen dieser Größenordnung haben in der NFL schon so manches Team überfordert.

Die zweite große Frage, die mich mindestens genauso reizt: Kann ein Ausnahmespieler wie Donald nach zwei Jahren Pause tatsächlich nahtlos an seine alte Form anknüpfen? Oder gibt es Startschwierigkeiten, bis der Rhythmus und das Timing wieder da sind, die einen dominanten Defensive Tackle ausmachen? Das Workout allein sagt darüber noch nichts aus, so beeindruckend die körperliche Verfassung offenbar auch war.

Fazit von der Couch

Ich bleibe dabei: Sollte Aaron Donald tatsächlich zurückkehren, ist das unabhängig von jeder Team-Präferenz schlicht eine gute Nachricht für die NFL. Genau solche Geschichten – ein potenzieller Hall-of-Famer, der es noch einmal wissen will, gepaart mit einem Kader, der auf dem Papier historisch stark sein könnte – sind es, die diese Liga so unterhaltsam machen. Ob aus den Gerüchten am Ende ein echtes Comeback wird, bleibt abzuwarten. Und sollte Aaron Donald tatsächlich noch einmal auflaufen, werde ich ganz sicher vor dem Fernseher sitzen. Nicht als Rams-Fan – sondern als Football-Fan. Dass ein Donald-Trikot ohnehin schon in meiner Sammlung hängt, macht die Geschichte am Ende nur noch passender.