Henry Ruggs während des NFL Drafts 2020. Der ehemalige Erstrundenpick der Las Vegas Raiders wartet aktuell auf die Entscheidung über eine mögliche vorzeitige Haftentlassung.
Henry Ruggs während des NFL Drafts 2020. Der ehemalige Erstrundenpick der Las Vegas Raiders wartet aktuell auf die Entscheidung über eine mögliche vorzeitige Haftentlassung. | Quelle: IMAGO / Icon Sportswire

Fast fünf Jahre nach dem tödlichen Verkehrsunfall, der seine NFL-Karriere abrupt beendete, könnte sich das Leben von Henry Ruggs erneut grundlegend verändern.

Der ehemalige Wide Receiver der Las Vegas Raiders wartet derzeit auf die Entscheidung eines Bewährungsausschusses im US-Bundesstaat Nevada. Sollte diese positiv ausfallen, könnte Ruggs bereits Anfang August das Gefängnis verlassen.

Warum sitzt Henry Ruggs im Gefängnis?

Der Fall gehört zu den tragischsten Geschichten der jüngeren NFL-Vergangenheit.

Im November 2021 verursachte Ruggs unter Alkoholeinfluss einen schweren Verkehrsunfall in Las Vegas. Laut Ermittlungen war der damalige Raiders-Spieler mit bis zu 251 km/h unterwegs und hatte mehr als doppelt so viel Alkohol im Blut wie erlaubt.

Seine Corvette prallte auf das Fahrzeug der 23-jährigen Tina Tintor. Tintor und ihr Hund kamen bei dem Unfall ums Leben.

Ruggs bekannte sich 2023 schuldig. Anschließend wurde er wegen fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr und Fahrens unter Alkoholeinfluss mit Todesfolge zu einer Haftstrafe von drei bis zehn Jahren verurteilt.

Entscheidung über Bewährung noch im Juni

Die frühestmögliche Entlassung von Ruggs wäre der 5. August 2026.

Eine Entscheidung des Bewährungsausschusses wird bereits in den kommenden Tagen erwartet.

Während einer Anhörung erklärte Ruggs, dass er täglich an Tina Tintor denke und um die Möglichkeit bitte, sein Leben wieder in die richtige Richtung zu lenken.

Öffentliche Aussagen der Familie Tintor gab es rund um die Anhörung nicht. Bereits bei der Urteilsverkündung hatte die Familie jedoch deutlich gemacht, wie tief der Verlust bis heute wiegt.

Gibt es eine Chance auf ein NFL-Comeback?

Unabhängig von der Bewährungsentscheidung wird in den USA bereits über eine mögliche Rückkehr in die NFL diskutiert.

Ruggs selbst hatte zuletzt mehrfach erklärt, dass er nach seiner Haftentlassung wieder Football spielen möchte.

Unterstützung erhielt er dabei unter anderem von Josh Jacobs. Der ehemalige Raiders-Teamkollege berichtete bereits im vergangenen Jahr, dass Ruggs im Gefängnis trainiere und er mit mehreren NFL-Teams über dessen Situation gesprochen habe. Laut Jacobs sollen zumindest einige Organisationen bereit sein, ihm eine zweite Chance zu geben.

Rein sportlich wäre Ruggs mit 27 Jahren noch in einem Alter, in dem eine Rückkehr grundsätzlich möglich erscheint.

Vor seiner Verhaftung galt der ehemalige Erstrundenpick als einer der explosivsten Deep Threats der Liga. In sieben Spielen der Saison 2021 hatte er bereits 469 Receiving Yards erzielt, bevor die Raiders ihn unmittelbar nach dem Unfall entließen.

Selbst bei einer Rückkehr droht eine NFL-Sperre

Sollte Ruggs tatsächlich ein Team finden, wäre der Weg zurück auf das Spielfeld dennoch kompliziert.

Die NFL könnte ihn auf Grundlage der Personal Conduct Policy suspendieren. Wie lang eine mögliche Sperre ausfallen würde, ist derzeit völlig offen.

Einen direkt vergleichbaren Fall gibt es kaum.

Als häufigster Vergleich wird Donte Stallworth genannt, der 2009 nach einer Verurteilung wegen DUI Manslaughter für eine komplette Saison gesperrt wurde. Allerdings wurde die heutige Version der Personal Conduct Policy erst Jahre später eingeführt, weshalb sich daraus kaum konkrete Rückschlüsse ziehen lassen.

Fazit von der Couch

Die bevorstehende Bewährungsentscheidung ist zunächst einmal keine Football-Geschichte, sondern vor allem eine menschliche.

Im Mittelpunkt steht weiterhin der Tod von Tina Tintor, deren Familie mit den Folgen des Unfalls leben muss.

Sportlich bleibt die Situation dennoch bemerkenswert. Sollte Ruggs tatsächlich im August entlassen werden, dürfte die Diskussion über ein NFL-Comeback schnell an Fahrt aufnehmen. Mit 27 Jahren wäre er noch jung genug für eine Rückkehr, gleichzeitig dürfte kaum ein Spieler der Liga mit einem vergleichbaren Hintergrund auf den Markt kommen.

Ob ein Team bereit ist, dieses Risiko einzugehen, bleibt abzuwarten. Die größere Hürde könnte am Ende ohnehin die NFL selbst sein.