Lorenz Metz auf dem Weg zum Trainingsplatz: Der Offensive Lineman der Patriots träumt vom Heimspiel in München.
Lorenz Metz auf dem Weg zum Trainingsplatz: Der Offensive Lineman der Patriots träumt vom Heimspiel in München. | Quelle: IMAGO / ZUMA Press Wire

Lorenz Metz kommt aus Altötting, steht bei den New England Patriots im Practice Squad der Offensive Line und könnte im November ein Heimspiel erleben: das NFL Munich Game. In einer Medienrunde der Patriots durften wir ihm gemeinsam mit Kolleg:innen anderer Medien Fragen stellen. Es ging um den Traum von der Heimat, den Alltag zwischen Hoffen und Warten, den Zug nach Boston und ein Weihnachtsgeschenk von Baker Mayfield, das man nicht jeden Tag bekommt.

Das Gespräch fand am 13.10.2026 statt, direkt nach dem Spiel gegen die Raiders in NFL Week 5 und vor der Partie gegen den Division-Rivalen New York Jets in Week 6. Die Antworten sind für die Lesbarkeit leicht geglättet, inhaltlich aber unverändert.


Munich Game: Noch Zukunftsmusik im Team

Sind schon Leute auf dich zugekommen, die München-Tipps haben wollen, oder habt ihr nur die Jets im Kopf?

Bei uns ist es eher so, dass wir von Spiel zu Spiel gehen. Die Raiders sind jetzt vorbei, jetzt geht es mit den Jets weiter, und an München denken wir momentan noch nicht.

Auch aus dem Management hat noch niemand nach dem besten Wirtshaus gefragt?

Wir als Offensive Line gehen natürlich jeden Donnerstag vor dem Spiel zusammen essen. Ich schaue schon, wo wir in München hingehen könnten. Aber im Management fragt noch niemand, wo man essen gehen kann, was man mit der Familie unternehmen soll, was man sich anschauen muss, Marienplatz oder was weiß ich. Das Mindset ist im Moment ganz bei den Jets.

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Heimspiel in Bayern: „Ein Bucketlist-Item“

Wie sehr freust du dich auf das Spiel? München ist nicht ganz deine Heimat, aber immerhin Bayern.

Natürlich freut man sich. Wenn ich meine Heimat beschreibe, sage ich, ich bin aus München, weil das die nächste große Stadt ist. Ich komme aus Altötting, Neuötting, München ist circa 45 Minuten entfernt. Das ist wie bei den Patriots: Die meisten denken, wir sind aus Boston, dabei sind wir in Foxborough, und das ist auch circa 45 Minuten entfernt. In München zu spielen, ist eine Riesenehre. Ein Deutschland-Spiel wäre für mich schon ein Bucketlist-Item gewesen, und jetzt auch noch in München zu sein, ist unglaublich.


Tickets: Marktpreis, kein Rabatt

Musstest du schon Karten besorgen, oder habt ihr ein Kontingent für Familie und Freunde?

Als die Karten rausgekommen sind, war ich auch in der Warteschlange. Ich glaube, ich war bei 70.000 oder so. Die Frage nach Karten von Familie und Freunden ist auf jeden Fall da. Unser Team-Kontingent bekommen wir, glaube ich, erst eine Woche vorher. Wir fokussieren uns ja immer auf das nächste Spiel. Wenn es dann kommt, habe ich schon meine Liste und weiß ungefähr, wie viele Tickets ich brauche. Bei Auswärtsspielen kann man normalerweise, glaube ich, bis zu zehn Karten pro Spieler haben. Man kann auch nach mehr fragen, vor allem weil die meisten ihre Familie wahrscheinlich nicht mitnehmen. Dann sind für mich wahrscheinlich ein paar mehr übrig, die ich an Freunde und Familie weitergeben kann.

Müsst ihr die Karten bezahlen?

Den Preis weiß ich nicht, aber es ist normaler Marktwert. Was die Karten im Verkauf kosten, muss ich auch zahlen. Es gibt keine Vergünstigung, weil München für die Patriots ein Auswärtsspiel ist und für die Lions ein Heimspiel. Die Lions bekommen, glaube ich, zwei Karten complimentary, die müssen dann nur circa 40 Prozent der Karten zahlen.


FC Bayern und die „blauen Löwen“

Du hast München als Homecoming bezeichnet. Bist du selbst Fußballfan, vielleicht sogar Bayern-Fan?

Ich bin mit einer Familie aufgewachsen, die nicht so sportlich war. Aber ich hatte Freunde, die komplette Bayern-Fans waren. Und wenn es ein Team gibt, für das ich bin, dann natürlich der FC Bayern und nicht der BVB.

Dann liegt es dir ja nahe, die „blauen Löwen“, die an dem Tag ins Stadion kommen, mit einer Niederlage nach Hause zu schicken?

Ja, das liegt mir ziemlich am Herzen. Daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Das sind ja die blauen Löwen.

Der Seitenhieb ist doppeldeutig: Als Gegner kommen die Detroit Lions nach München. Bei den „Löwen“ in der Stadt denkt man dagegen zuerst an den TSV 1860 München, den Lokalrivalen des FC Bayern aus alten Tagen. Metz fragte kurz nach den Löwen, mehr als ein Randthema war das aber nicht.


Practice Squad: Jeden Tag bereit wie ein Starter

Du bist im Practice Squad und hoffst auf deine Chance. Weißt du, wie der Stand ist? Bist du eine Verletzung vom Active Roster entfernt?

Das weiß man selbst nicht. Die Entscheidungen treffen die General Manager und der Head Coach. Bei mir ist es momentan Tag für Tag. Ich gebe mein Bestes, versuche, die Leute vorzubereiten, und wenn ich hochrutsche, bin ich bereit. Ich bereite mich jede Woche vor wie ein Starter und kenne die Plays. Der Rest liegt in den Händen der General Manager und des Head Coaches.

Wie geht man mental damit um, dass sich die Situation jeden Tag ändern kann?

Es ist natürlich nicht schön zu wissen, dass man jederzeit ersetzt werden kann. Aber ich gebe jeden Tag mein Bestes, mehr kann man eh nicht machen. Ich kann nur der beste Teammate sein, mein Bestes auf dem Feld geben und darauf achten, dass ich pünktlich da bin, wo ich sein soll. Der Rest liegt nicht in meinen Händen. Man sollte froh sein, jeden Tag noch einmal ein Tag in der NFL sein zu dürfen.

Man sagt gern „Day to Day“, aber du hast sicher auch Hoffnung, irgendwann am Gameday im Roster zu stehen.

Natürlich hat man Hoffnung. In den Preseason-Spielen zu spielen, macht total Bock, das ist noch einmal etwas anderes als Training. Ich darf jeden Tag gegen unsere erste Defense trainieren, da sieht man, wo man steht und wie man sich gegen die Besten messen kann. Manchmal denkt man dann, ja, da gehöre ich eigentlich schon dazu. Die Hoffnung ist auf jeden Fall da. Aktiv zu spielen und ein Starter zu sein, wäre ein großes Bucketlist-Item für mich. In Deutschland in Uniform aufzulaufen, wäre natürlich der größte Traum.


Die deutschen NFL-Profis: Es gibt eine WhatsApp-Gruppe

Gab es Kontakt zu Lenny Krieg, der letztes Jahr beim Deutschland-Spiel in deiner Rolle war, und zu Jakob Johnson? Habt ihr deutschen Profis eine WhatsApp-Gruppe?

Ja, eine NFL-WhatsApp-Gruppe gibt es schon, mit den anderen deutschen Spielern in der NFL, zum Beispiel einem, der jetzt bei den Buccaneers ist. Wir tauschen uns da ein bisschen aus und helfen uns gegenseitig.


Zwischen zwei Welten: Der Deutsche im Zug nach Boston

Du bist seit fast zehn Jahren in den USA, hattest College und mehrere NFL-Stationen. Wie sehr hast du dich an den amerikanischen Lifestyle gewöhnt?

Meine Frau ist Amerikanerin, und zu Hause habe ich immer noch die deutschen Werte. Man vermisst die Heimat natürlich schon ein bisschen, aber ich glaube, ich habe mich schön in den USA eingelebt. Ein Beispiel: Mit dem Zug nach Boston zu fahren, das ist der Deutsche in mir, der sagt, das geht normalerweise eh schneller, das kenne ich von daheim. Viele hier nehmen den Zug eher nicht und fahren mit dem Auto nach Boston hinein. Bei unserem Offensive-Line-Dinner am Donnerstag in Downtown Boston bin ich mit dem Zug gefahren. Alle anderen haben anderthalb Stunden gebraucht, ich 30 bis 40 Minuten.

Als ich von meiner eigener Studienzeit in den USA vom „crazy German“ erzählte, der alles zu Fuß lief, erinnerte sich Metz an Moritz Böhringer, der meist mit dem „Radl“ zum Training gefahren sei.

Du lebst seit fast zehn Jahren in den USA, deine Frau ist Amerikanerin. Siehst du dein weiteres Leben auch nach der NFL-Karriere dort?

Wir haben schon ein bisschen darüber diskutiert, und die Frage ist immer noch da, wo wir uns niederlassen werden. Deutschland ist auf jeden Fall auch noch im Blick. Wir werden sehen, wo es uns hinzieht.


Die Patriots aktuell: Drake Maye, Will Campbell und „Next Man Up“

Die ersten drei, vier Wochen waren holprig, Drake Maye hat ein paar schlechte Entscheidungen getroffen, zuletzt sah er wieder besser aus. War es ein Super-Bowl-Hangover, spielten Offseason-Themen hinein oder waren es einfach schlechte Tage? Kann man sich auf das München-Spiel mit euch in Bestform freuen?

Es dauert, mit seinen Teammates eine Chemistry zu finden. Man muss sich ein bisschen einspielen. Die ersten Spiele sind nicht in unserem Sinne gelaufen, aber ich glaube, wir haben trotzdem gut gespielt. Manche Entscheidungen waren nicht so gut, aber ich denke, er hat jetzt seine Confidence gefunden. Da haben wir keine Probleme. Jetzt spielen wir gegen die Jets, dann geht es weiter mit den Bears, und dann freuen wir uns auf München.

Mit Will Campbell habt ihr eine Verletzung hinnehmen müssen. Sind die Jungs aus der zweiten Reihe bereit, oder wird es ein schmerzhafter Verlust?

Jeder bereitet sich vor wie ein Starter, auch das Practice Squad. Für Caleb [Lomu] ist es natürlich ein Schock, im zweiten Quarter hineingeworfen zu werden. Aber wenn er mit AVT [Alijah Vera-Tucker] eine Verbindung aufbaut und eine Woche trainiert, greift die Next-Man-Up-Mentalität. Der Will lässt sich jeden Tag weiter behandeln und wird sich weiter erholen. Ich weiß nicht, was da der Status ist. Aber ich glaube, da gibt es gar kein Problem.

Zum Hintergrund: Will Campbell erlitt laut ESPN einen MCL Sprain im Knie und wird voraussichtlich einige Spiele verpassen. Rookie Caleb Lomu sprang für ihn ein.


Baker Mayfields Geschenk: Eine Matratze mit Heizung

Ich habe oft gesehen, dass Quarterbacks ihre Offensive Line reich beschenken. Aaron Rodgers hat mal jedem in seiner Line ein Golfkart geschenkt. Was war dein Highlight?

Einen Golfkart habe ich nicht. Letztes Jahr war ich noch bei den Buccaneers, da war Baker Mayfield dabei. Es ist verschieden: Die Starter, also die Start-5 oder Start-8, bekommen meistens ein anderes Geschenk, und dann gibt es noch eines für alle Offensive Linemen. Letztes Jahr war schon ein echtes Highlight: Baker Mayfield hat uns ein Eight Sleep geschenkt. Jeder Offensive Lineman hatte so eine Maschine zu Hause. Ich schlafe immer noch drauf, ein Hammergerät.

Was ist das?

Eine kühlende Matratze mit Wasserkühlung, sie kühlt und wärmt. Ich kann mir einen Alarm auf sechs, sieben Uhr morgens stellen, dann heizt sie ein bisschen auf, damit meine Gelenke geschmeidig sind, wenn ich aus dem Bett steige. Er hatte selbst eine. Manche haben überlegt, sich auch eine zu holen, da hat er gesagt: Wartet erst mal. Und dann hat jeder zu Weihnachten eine bekommen.

Lorenz Metz im Training mit Tristan Wirfs: Vor den Patriots war der Bayer bei den Tampa Bay Buccaneers.
Lorenz Metz im Training mit Tristan Wirfs: Vor den Patriots war der Bayer bei den Tampa Bay Buccaneers. | Quelle: IMAGO / ZUMA Press Wire

Von Tampa nach New England und Victory Monday

Der Wechsel von Tampa nach New England: Wetter-technisch sehr drastisch?

In Tampa war es immer warm, auch an Weihnachten. Ich habe immer gesagt, ich vermisse die Jahreszeiten, den Schnee, die Kälte. Als ich Mitte Januar bei den Patriots aufgenommen wurde, war es beim Aussteigen schön kühl, aber nicht zu kalt, perfekt. Zwei, drei Wochen später kam dieser Schneesturm, da habe ich das Warme schon wieder vermisst. Jetzt ist es nass, bewölkt und kühl, fast ein bisschen deutsches Wetter. Ich freue mich auf Schnee, ein bisschen daheim sitzen und eine heiße Schokolade trinken.

Wie sehr habt ihr den Erfolg im neuen Stadion der Bills gefeiert?

Der Victory Monday war auf jeden Fall ein echtes Highlight. Jeder im Gebäude war froh. Jetzt müssen wir einfach weitermachen, und jetzt kommen die Jets.


Lorenz Metz: Bereit, wenn die Chance kommt

Ob Lorenz Metz im November tatsächlich in der Allianz Arena aufläuft, entscheidet sich nicht im Gespräch, sondern auf dem Trainingsplatz und im Roster der Patriots. Wer so geerdet bleibt, ist aber bestens vorbereitet, wenn seine Chance kommt. Wir drücken ihm die Daumen, dass aus seinem Heimspiel in Bayern mehr wird als ein Besuch an der Seitenlinie.