Travis Hunter zeigt als Two-Way Player der Jaguars, warum ihm ein historischer Moment gelang: Interception und Touchdown in einem Spiel.
Travis Hunter zeigt als Two-Way Player der Jaguars, warum ihm ein historischer Moment gelang: Interception und Touchdown in einem Spiel. | Quelle: IMAGO / Action Plus

Es gibt Niederlagen, nach denen man trotzdem über einen einzelnen Spieler spricht. Travis Hunter hat mit den Jacksonville Jaguars beim 31:34 gegen die Houston Texans im Wembley Stadium verloren. Gleichzeitig hat er etwas geschafft, das in der NFL seit mehr als 20 Jahren niemand mehr gelungen ist: Er fing einen Touchdown-Pass und holte sich in derselben Partie eine Interception. Das hatte zuletzt Brian Dawkins 2002 für die Philadelphia Eagles geschafft.

Ein Eintrag in den Geschichtsbüchern

Hunter ist damit erst der vierte Spieler seit dem AFL/NFL-Merger 1970, der in einem Spiel sowohl einen Receiving Touchdown als auch eine Interception verbucht. Seit Dawkins vor 24 Jahren war das keinem mehr gelungen.

Der Two-Way Player der Jaguars kam auf vier Catches für 59 Yards und einen Touchdown. Defensiv fing er einen Pass von C.J. Stroud in der Endzone ab und beendete damit einen Drive der Texans. Hunter selbst gab sich nach dem Spiel bescheiden: Solche Dinge mache er schon, seit er ein Kind sei, und sein Hauptfokus liege ohnehin darauf, Spiele zu gewinnen.

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Die entscheidenden Minuten im vierten Viertel

Dass Jacksonville überhaupt noch eine Chance auf den Sieg hatte, lag zu großen Teilen an Hunter. Mit 11:26 Minuten auf der Uhr fing er einen 7-Yard-Touchdown und verkürzte auf 28:31. Zuvor hatte er auf demselben Drive bereits einen Catch-and-Run über 26 Yards gezeigt.

Direkt danach schlug er in der Defense zu. Strouds Pass in der Endzone war eigentlich für Xavier Hutchinson gedacht, doch Hunter fing ihn ab. Der Turnover war die Grundlage für das 60-Yard Field Goal von Cam Little, das 1:55 Minuten vor Schluss zum Ausgleich führte. Am Ende reichte es für die Jaguars trotzdem nicht: Die Texans gewannen 34:31, Jacksonville steht nun bei 4-2, Houston bei 2-4.

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Hunter in Coverage: Die Zahlen sprechen für sich

Nicht nur der Touchdown und die Interception sind bemerkenswert. Laut ESPN Research ließ Hunter in 34 Coverage Snaps nur zwei Catches für insgesamt 5 Yards zu. Dabei verteidigte er in 16 Snaps gegen Nico Collins, einen der gefährlichsten Receiver der Liga.

Ein Wermutstropfen bleibt: Gegen Collins wurde Hunter in der Endzone mit einer fragwürdigen Pass Interference belegt. Die Texans bekamen den Ball dadurch an der 1-Yard-Linie kurz vor der Halbzeit. Es war eine Entscheidung, über die man streiten kann. Der positiven Gesamtbilanz tut sie aber keinen Abbruch.

Bemerkenswert ist zudem: In seinen bisherigen 13 Karrierespielen hatte Hunter noch nie auf beiden Seiten des Balls so deutlich Einfluss auf ein Spiel genommen wie jetzt in London.

Liam Coen will Hunter öfter einsetzen

Head Coach Liam Coen lobte seinen Star nach dem Spiel ausdrücklich. Hunter habe auf beiden Seiten des Balls kritische Plays gemacht und die Jaguars in eine Position gebracht, das Spiel zu gewinnen. Man müsse ihn weiter einbinden, so Coen, und darauf achten, dass das zum Rhythmus und Fluss des Spiels passe.

Im Moment spielt Hunter auf der Offense noch relativ wenig. Seine neun Offensive Snaps waren zwar ein Saisonhöchstwert, aber im Verhältnis zu seinem Talent immer noch überschaubar. Nach Coens Aussagen könnte sich das nach der Bye Week deutlich ändern. Hunter selbst hofft darauf. In der spielfreien Woche will er den Plan mit dem Coach durchgehen und sich bereit halten, falls sein Name auf der Offense gerufen wird.

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Ein Blick zurück: Hunter als WR1 gegen die Rams

Wie sehr Hunter in der Offense glänzen kann, hat er schon in der vergangenen Saison gezeigt. Vor dem Spiel gegen die Los Angeles Rams am 19. Oktober machten ihn die Jaguars zum Nummer-1-Receiver. Ein Grund waren die Probleme von Brian Thomas Jr., der unter fünf Drops sowie Handgelenk- und Schulterverletzungen litt. Hunter fing damals acht Pässe für 104 Yards und einen Touchdown, die Jaguars verloren dennoch deutlich mit 7:35. Es war ebenfalls ein Spiel im Wembley Stadium.

Die Kehrseite: Brian Thomas Jr. droht der Rollenverlust

Ein größerer Einsatz von Hunter in der Offense hat einen Preis, denn der Platz in der Rotation ist begrenzt. Am stärksten betroffen wäre voraussichtlich Brian Thomas Jr. Der Receiver leistete sich in den ersten fünf Wochen zwei Drops und kam in London im ersten Viertel auf einen weiteren. Dazu ließ er kurz vor der Halbzeit einen fangbaren Ball liegen, der Jacksonville in Reichweite eines langen Field Goals gebracht hätte.

Die Konsequenz folgte prompt: Thomas wurde zur Halbzeit auf die Bank gesetzt und stand in der zweiten Hälfte keinen einzigen Snap mehr auf dem Feld, nachdem er im ersten Durchgang noch 15 Snaps gespielt hatte. Auf die Frage, ob es schwerfalle, Thomas weiter zu vertrauen, antwortete Coen ausweichend: Das werde von Woche zu Woche entschieden, die Spieler müssten Plays machen.

Thomas selbst äußerte sich nach der Partie nicht. Quarterback Trevor Lawrence stellte sich jedoch hinter seinen Receiver im dritten Jahr. Man müsse weiterarbeiten und Thomas Chancen verschaffen, den Ball zu bekommen, und man werde ihn auch brauchen, erklärte Lawrence. Wie sich das mit einem stärker eingebundenen Hunter vereinbaren lässt, bleibt die große Frage der kommenden Wochen.

Meinung von der Couch

Ich muss gestehen: Solche Spiele sind der Grund, warum ich Football liebe. Eine Niederlage, ein knappes Ergebnis und trotzdem sitze ich da und denke nur: Wie gut ist dieser Junge eigentlich? Ein TD Catch und eine Interception in einem Spiel, das hat seit Brian Dawkins keiner mehr geschafft. Das ist keine Fußnote, das ist ein Statement.

Natürlich weiß ich, dass die Jaguars unterm Strich verloren haben und dass Coen nicht aus Spaß von einem „Rhythmus“ des Spiels spricht. Hunter auf zwei Seiten einzusetzen, kostet Kraft und Planung. Trotzdem fände ich es fahrlässig, einen Spieler mit diesem Impact nur in Dosen zu verabreichen. Neun Offensive Snaps als Saisonhöchstwert wirken auf mich fast wie ein Witz, wenn man sieht, was daraus entstehen kann.

Gleichzeitig tut mir Brian Thomas Jr. ein Stück weit leid. Ein Spieler, der mit Verletzungen und Drops kämpft, wird zur Halbzeit auf die Bank gesetzt, und der Konkurrent glänzt auf der anderen Seite des Platzes. Das ist hart, aber so funktioniert die NFL. Ich bin gespannt, wie Coen diesen Balanceakt nach der Bye Week löst. Eines glaube ich jetzt schon: Wer Travis Hunter einmal in Wembley gesehen hat, wird ihn nicht mehr aus der Offense wegdenken können.