
Die Saison ist gerade einmal zwei Spieltage alt. Die Tabellen sind noch kaum aussagekräftig. Und trotzdem gibt es bereits Mannschaften, für die Week 3 gefühlt Playoff-Charakter hat. Dazu gehören vor allem die Houston Texans und die Indianapolis Colts.
Wenn sich beide Teams am Sonntag gegenüberstehen, geht es nicht nur um einen Sieg in der AFC South. Es geht darum, einen Saisonstart zu verhindern, der historische Ausmaße bekommen könnte. Denn sowohl die Texans als auch die Colts stehen aktuell bei 0-2 und wissen: Der Verlierer verlässt den Spieltag mit einem brandgefährlichen 0-3-Rekord.
Colts vs. Texans: Ein Division-Duell mit ungewöhnlich viel Druck
Normalerweise spricht man Ende September nicht über Must-Win-Games. Doch in diesem Fall ist die Lage anders.
Die AFC South gilt auch 2026 als eine Division, in der wenige Spiele über die Platzierungen entscheiden können. Entsprechend groß wäre der Rückstand, den sich der Verlierer bereits nach drei Wochen einhandeln würde. Laut der Associated Press würde sich der Sieger möglicherweise sogar auf Augenhöhe mit der Divisionsspitze wiederfinden, während der Verlierer die Folgen eines 0-3-Starts den Rest der Saison mit sich herumtragen müsste.
Besonders bemerkenswert: Beide Teams gingen mit sehr unterschiedlichen Erwartungen in die Saison.
Die Texans galten nach mehreren erfolgreichen Jahren als ernsthafter Playoff-Kandidat. Die Colts hingegen stehen nach fünf Jahren ohne Playoff-Teilnahme unter Zugzwang und müssen endlich Ergebnisse liefern.
Die Texans: Vom Titelkandidaten zum Krisenteam?
In Houston ist die Nervosität besonders groß.
Die Mannschaft von DeMeco Ryans verlor zum Auftakt gegen die Buffalo Bills mit 31:36 und musste sich anschließend den Cincinnati Bengals mit 6:20 geschlagen geben. Bemerkenswert dabei: Beide Niederlagen kassierten die Texans im eigenen Stadion.
Vor allem die Offensive blieb zuletzt weit hinter den Erwartungen zurück. Gegen Cincinnati gelangen lediglich zwei Field Goals. Für ein Team, das eigentlich zu den besseren Offenses der AFC gehören wollte, ist das ein deutliches Warnsignal.
Ryans machte nach dem Fehlstart keinen Hehl aus seiner Enttäuschung und sprach offen darüber, dass ein 0-2-Start nicht akzeptabel sei. Gleichzeitig verwies er darauf, dass die Texans in der Vergangenheit bereits schwierige Situationen überwunden hätten.
Tatsächlich hat Houston Erfahrung mit Comebacks. Die Franchise schaffte bereits 2018 und sogar in der vergangenen Saison noch den Einzug in die Playoffs nach einem 0-3-Start. Damit sind die Texans die einzige Organisation der NFL-Geschichte, der dieses Kunststück zweimal gelang.
Doch genau darin liegt die Gefahr: Nur weil eine historische Aufholjagd einmal funktioniert hat, heißt das nicht, dass sie sich beliebig oft wiederholen lässt.
Indianapolis steht ebenfalls mit dem Rücken zur Wand
Während Houston um seinen Status als Contender kämpft, geht es in Indianapolis um die Zukunft der gesamten sportlichen Führung.
Die Colts eröffneten die Saison mit einer deutlichen 23:41-Niederlage gegen die Baltimore Ravens. In Week 2 folgte eine schmerzhafte 30:33-Overtime-Niederlage gegen die Kansas City Chiefs.
Noch alarmierender sind die Defensivzahlen.
Indianapolis hat in den ersten beiden Spielen insgesamt 74 Punkte zugelassen und jeweils mehr als 500 Yards Raumgewinn abgegeben. Solche Werte sind für ein Team mit Playoff-Ambitionen schlicht zu viel.
Hinzu kommt die allgemeine Situation innerhalb der Franchise. General Manager Chris Ballard und Head Coach Shane Steichen stehen bereits vor Saisonbeginn unter Beobachtung. Nach mehreren Jahren ohne Playoff-Teilnahme wächst die Ungeduld im Umfeld. Ein weiterer Fehlstart würde die Diskussionen noch einmal deutlich verschärfen.
Erschwerend kommt hinzu, dass Receiver Alec Pierce verletzungsbedingt ausfällt. Damit verliert Indianapolis eine wichtige Big-Play-Waffe aus dem Passspiel.
Der direkte Vergleich spricht klar für Houston
Für Colts-Fans gibt es noch einen weiteren Grund zur Sorge.
Die Texans haben die letzten fünf Duelle gegen Indianapolis gewonnen. Allein diese Serie erzeugt zusätzlichen Druck auf die Gastgeber. Vier dieser Siege waren zudem enge Partien, sodass Houston offenbar genau weiß, wie man die Colts in entscheidenden Situationen schlägt.
Auch auswärts war Houston zuletzt erfolgreich und gewann viermal in Folge in Indianapolis. Die Zahlen sprechen also eher für die Gäste.
Warum ein 0-3 Start so gefährlich ist
Natürlich wäre die Saison mit einem 0-3-Rekord nicht automatisch beendet.
Die Texans sind selbst der lebende Beweis dafür, dass ein solcher Fehlstart theoretisch noch zu den Playoffs führen kann. Dennoch bleibt die Realität brutal. Nur wenige Teams in der NFL-Geschichte konnten nach drei Niederlagen zum Auftakt überhaupt noch die Postseason erreichen.
Für Houston würde ein 0-3-Start die hochgesteckten Ziele erheblich beschädigen. Für Indianapolis könnte er eine weitere Saison voller Fragen einläuten und den Druck auf Coaching Staff und Management massiv erhöhen.
Fazit von der Couch
Es ist erst Week 3, aber für die Houston Texans und die Indianapolis Colts fühlt sich dieses Duell bereits wie ein Wendepunkt an.
Die Texans müssen beweisen, dass sie weiterhin zu den ernsthaften AFC-Anwärtern gehören. Die Colts müssen zeigen, dass sie den nächsten Schritt endlich schaffen können. Der Gewinner verschafft sich Luft. Der Verlierer blickt auf eine Tabelle mit 0-3 und steht bereits Ende September vor einer gewaltigen Aufholjagd.
Manchmal entscheidet ein Spiel nicht über eine Saison. Dieses hier könnte genauso eines sein.
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