J.J. McCarthy an der Seitenlinie der Vikings. Sein Weg führt jetzt zu den Giants.
J.J. McCarthy an der Seitenlinie der Vikings. Sein Weg führt jetzt zu den Giants. | Quelle: IMAGO / Icon Sportswire

J.J. McCarthy Trade: Die New York Giants holen den Quarterback der Minnesota Vikings und geben dafür einen Fifth-Round Pick 2027 ab. Für einen Spieler, der 2024 an Position 10 gedraftet wurde, ist das ein bemerkenswert niedriger Preis. Für die Giants ist es die Reaktion auf die Verletzung von Jaxson Dart. Für die Vikings ist es das Ende einer Quarterback-Geschichte, die vor zwei Jahren mit großen Hoffnungen begann und ungewöhnlich schnell endete.

Warum die Giants überhaupt einen Quarterback brauchten

Die Ausgangslage in New York ist klar: Dart fällt nach einer Operation an Meniskus und MCL im linken Knie mindestens für den Rest der Regular Season aus. Jameis Winston ist seitdem der Starter. Die Zahlen sind bisher ernüchternd: Seit seiner Einwechslung kommt Winston auf nur 51 Prozent Completion Rate, 229 Yards, keinen Touchdown und eine Interception. Auch beim 12:7-Sieg gegen die Tennessee Titans gelang den Giants kein Touchdown, es blieb bei vier Field Goals. Trotzdem steht New York nun bei einer 2-1-Bilanz.

Die Kaderplanung hinter dem Trade ist logisch. Hinter Winston stand zuletzt nur Jake Haener in der Quarterback-Tiefe. Head Coach John Harbaugh hatte schon nach Darts Verletzung angekündigt, den Quarterback-Room verstärken zu wollen. Haener soll dem Vernehmen nach zunächst entlassen und nach dem Durchlaufen der Waivers in den Practice Squad zurückgeholt werden.

Die Giants sind mit dem Problem nicht allein: Quarterback-Verletzungen zwingen gerade mehrere Teams, ihre Tiefe auf der wichtigsten Position neu zu bewerten. Wer wissen will, welche Alternativen die Liga für Teams in dieser Lage bereithält, findet die Übersicht hier:

👉 Sechs Starter verletzt: Die Backup-Quarterback-Optionen der NFL im Check

Winston bleibt der Starter

Wer jetzt auf ein schnelles Debüt von McCarthy hofft, wird enttäuscht. Harbaugh stellte auch nach dem Trade klar, dass Winston in Week 4 gegen die Arizona Cardinals starten werde. Winston, mit dem die Giants Anfang des Monats eine Vertragsverlängerung über zwei Jahre vereinbart hatten, sei der Starter, so weit Harbaugh in die Zukunft blicken könne. Ganz zugemacht hat der Coach die Tür allerdings nicht: Er schloss weitere Quarterback-Verpflichtungen nicht aus und ließ verlauten, alle Optionen lägen auf dem Tisch.

Für McCarthy bedeutet das Zeit zur Eingewöhnung. Er kann das neue System in Ruhe lernen und wird zunächst als QB2 oder QB3 geführt. Harbaugh zeigte sich überzeugt, dass der Deal die Giants insgesamt stärker mache, und sprach von großer Vorfreude auf den Neuzugang.

Coach Harbaugh confirms we have acquired QB J.J. McCarthy from the Vikings, pending a physical. pic.twitter.com/EDVAcze0IC

— New York Giants (@Giants) September 28, 2026

Die Harbaugh-Connection

Eine Randnotiz mit Charme: McCarthy spielte am College an der University of Michigan unter Jim Harbaugh, dem Bruder des Giants-Coaches. Nun wird er in der NFL von John Harbaugh trainiert. Unter den möglichen Kandidaten galt McCarthy dank seiner Herkunft als 1st-Round Pick ohnehin als der mit dem größten Upside, auch wenn unklar war, ob die Giants eher einen erfahrenen Veteran oder ein jüngeres, unfertiges Talent bevorzugen würden.

Wie McCarthys Zeit in Minnesota zerbrach

Die Vikings waren 2024 mit hohen Erwartungen für McCarthy auf Pick 10 nach oben getradet. Sie sahen in ihm mehr Potenzial als in Bo Nix, den die Denver Broncos zwei Picks später nahmen. Danach häuften sich die Rückschläge:

  • Verletzungen: Ein Meniskusriss im Herbst 2024, ein Knöchelproblem zu Beginn der Saison 2025 und später eine Concussion sorgten dafür, dass McCarthy nie in einen Rhythmus kam.
  • Sportliche Bilanz: 2025 startete er zehn Spiele. Unter 40 Quarterbacks mit mindestens fünf Starts belegte er bei der Total QBR Rang 36 (Wert: 36), bei der Completion Percentage Rang 39 (58 Prozent) und beim TD/INT-Verhältnis ebenfalls Rang 39 (0,9). Bei den Off-Target-Würfen landete er mit 19 Prozent auf Rang 38.
  • Die Konkurrenz: Im Frühjahr verpflichteten die Vikings Kyler Murray. Carson Wentz sicherte sich in der Vorbereitung die Backup-Rolle.

Nach mehreren schwachen Auftritten in der Preseason rutschte McCarthy auf die dritte Position. Sein letzter Auftritt im Vikings-Trikot war das Preseason-Spiel gegen die Baltimore Ravens: Erst verpasste er zwei offene Receiver in der Endzone, dann erlitt er unter Druck eine leichte Knöchelverstauchung. Kevin O’Connell beendete seinen Arbeitstag vorzeitig.

Ein Fall für die Bust-Statistik

Die Zahlen des Elias Sports Bureau sind bitter. McCarthy gehört zu den vier Vikings-Erstrundenpicks, die höchstens zehn Spiele für das Team bestritten haben, gemeinsam mit Lewis Cine, Dimitrius Underwood und Leo Hayden. Unter allen Teams ist er einer von nur vier Quarterbacks der vergangenen 25 Jahre, die für ihren Draft-Club höchstens zehn Spiele starteten. Zu dieser Liste zählen auch Paxton Lynch, Trey Lance und Johnny Manziel.

Hinter den Kulissen soll die Geduld der Vikings-Verantwortlichen aufgebraucht gewesen sein. Laut Teamquellen belastete McCarthys Unerfahrenheit das Coaching-Staff, außerdem verhinderten die Verletzungen, dass sich sein rohes Talent voll ausschöpfen ließ. Auch die Vertragslage spielte hinein: Minnesota schuldete ihm garantiert 2,7 Millionen Dollar für 2026 und 3,7 Millionen für 2027.

Das sagen die Beteiligten

Nolan Teasley, General Manager der Vikings, betonte, man müsse Entscheidungen im Interesse der Organisation treffen, auch wenn sie nicht leichtfielen. Er glaube weiterhin an McCarthys Fähigkeiten, und der Rückkehrwert sei nun ein Asset für die Zukunft. Head Coach Kevin O’Connell sprach von einem emotionalen Tag. Er schätze McCarthy als Spieler und als Mensch sehr, und die Beziehung bedeute ihm viel.

Die Vikings stehen unterdessen bei 3-0, getragen von Murray und Wentz. Der Druck bleibt dennoch hoch: O’Connell wartet in seiner fünften Saison weiter auf einen Playoff-Sieg, und auch Justin Jefferson (27) hat postseason noch nicht gewonnen. Kurzfristige Ziele haben damit die Geduld mit McCarthys Entwicklung verdrängt.

Meinung von der Couch

Ich finde den Trade für die Giants clever, aber ich würde ihn nicht überbewerten. Ein Fifth-Round Pick ist ein kleines Risiko, und McCarthy ist erst 23. Bei den Giants bekommt er, was ihm in Minnesota gefehlt hat: Zeit und die Chance, sich hinter einem gesetzten Starter zu sortieren. Dass die Harbaugh-Verbindung eine Rolle spielt, halte ich für gut nachvollziehbar.

Gleichzeitig sind die Zahlen aus 2025 kein Zufall. Wenn McCarthy in New York nicht schnell an seiner Mechanik und der Präzision arbeitet, bleibt er ein Fragezeichen. Und Winstons schwache Zahlen zeigen, dass New York auf der Position noch nicht sicher aufgestellt ist. Ich rechne damit, dass wir McCarthy zumindest im Blick behalten sollten, falls die Offense weiter stockt.