Jalen Hurts im Eagles-Trikot: Der Quarterback fällt wegen Thrombose und Lungenembolie für den Rest der Saison aus |
Jalen Hurts im Eagles-Trikot: Der Quarterback fällt wegen Thrombose und Lungenembolie für den Rest der Saison aus | Quelle: IMAGO / ZUMA Press Wire

Jalen Hurts wird in dieser Saison nicht mehr für die Philadelphia Eagles spielen. Bei dem Quarterback wurden nach weiteren Untersuchungen eine tiefe Venenthrombose und eine beidseitige Lungenembolie diagnostiziert. Zunächst war man von einem oberflächlichen Blutgerinnsel in der Wade ausgegangen. Mit diesem Befund stand Hurts noch beim London Game auf dem Feld. Berichte über eine schlaflose Nacht vor dem Spiel haben eine Debatte über den Umgang der Eagles mit der Gesundheit ihres Stars ausgelöst.

Vom Tritt gegen die Wade zur Thrombose: die Chronologie

Alles beginnt am 4. Oktober im Spiel gegen die Los Angeles Rams, das die Eagles mit 20:24 verlieren. Ein Gegenspieler trifft Hurts mit dem Stollenschuh an der Wade. Der Quarterback meldet sich erst am 8. Oktober nach dem Practice im Trainingsraum und bittet um Behandlung. Am Freitag trainiert er voll und taucht erstmals im Injury Report auf.

Nach dem Flug nach London und dem Walkthrough am Samstag lassen die Eagles einen Ultraschall machen, nach eigener Darstellung „aus Vorsicht“. Er zeigt ein oberflächliches Blutgerinnsel. Die Mediziner der Eagles und Ärzte vor Ort kommen zu dem Schluss, dass Aktivität und Mobilität wichtig seien und Hurts sicher spielen könne. Empfohlen wird ein Kontroll-Ultraschall innerhalb von 72 Stunden nach Spiel und Rückflug.

Am 11. Oktober spielt Hurts gegen die Jacksonville Jaguars laut Team „ohne Einschränkung“. Er tritt erst kurz vor dem Münzwurf aus dem Tunnel, wirft 40 Pässe, und die Eagles verlieren knapp mit 17:19. Zurück in Philadelphia folgen Behandlungen am Montag und Dienstag und ein volles Practice am Mittwoch. Am Mittwochabend zeigt die Kontrolle dann eine Bewegung im Gerinnsel. Die Eagles setzen Hurts auf die Injured Reserve-Liste und melden ihn für das Spiel gegen die Carolina Panthers ab. Seinem Backup Tanner McKee überbringt er die Nachricht persönlich auf dem Weg zum Walkthrough.

Jalen Hurts will be out for the season after doctors discovered multiple blood clots in his lungs. https://t.co/PYfJpO16FS

— Adam Schefter (@AdamSchefter) October 19, 2026

Die Diagnose: tiefe Venenthrombose und beidseitige Lungenembolie

Am 19. Oktober veröffentlichen die Eagles gemeinsam mit Hurts’ Agentin Nicole Lynn ein ausführliches Statement. Demnach diagnostizierten Spezialisten in London zunächst eine oberflächliche Venenthrombose in der linken Wade. Nach weiteren Tests lautet die aktuelle Diagnose tiefe Venenthrombose (Deep Vein Thrombosis, kurz DVT) sowie beidseitige Lungenembolie. Ein Gerinnsel aus der Wade hat sich also bis in die Lunge ausgebreitet.

Der Unterschied ist erheblich. Eine oberflächliche Thrombose betrifft Venen nahe der Haut, eine tiefe Venenthrombose sitzt in den großen Beinvenen. Von dort können sich Teile lösen, mit dem Blutstrom in die Lunge wandern und dort Gefäße verstopfen. Die Lungenembolie gilt als gefürchtetste Komplikation einer tiefen Bein- oder Beckenvenenthrombose. Sowohl Thrombosen als auch Embolien können tödlich enden, wenn sie unentdeckt bleiben oder nicht rechtzeitig behandelt werden. Beidseitig heißt hier, dass beide Lungenflügel betroffen sind.

Prognose und Saisonaus

Beruhigend klingt zunächst der Ton des Statements. Hurts sei klinisch stabil und habe keine nennenswerten funktionellen Einschränkungen. Die Behandlung bestehe ausschließlich aus Blutverdünnern. Für diese Zeit darf er an keinerlei Kontaktaktivitäten teilnehmen, Football eingeschlossen. Die Prognose sei „sehr gut“, man erwarte eine vollständige Genesung und keine Langzeitfolgen.

Eine Rückkehr aufs Feld ist erst möglich, wenn Hurts die Blutverdünner absetzen kann. Bis dahin bleibt er im Team aktiv und macht Konditionstraining. Für 2026 ist das Kapitel damit beendet: Das Saisonaus ist bestätigt, Hurts wird in dieser Spielzeit nicht mehr auflaufen.

Die Nacht vor London: Zwei Darstellungen

Für die größte Aufregung sorgt ein Bericht über die Stunden vor dem Spiel. Hurts sei bis etwa vier Uhr morgens im Krankenhaus gewesen und habe nicht geschlafen, weil ihm gesagt wurde, Schlaf sei ein Risiko. Trotzdem hätten ihn die Teamärzte für das Spiel freigegeben. Rechnerisch käme das auf rund 36 Stunden ohne Schlaf beim Kickoff.

Hurts’ Agentin stellte später klar, ihr Klient habe nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus vor dem Kickoff geschlafen. Es stehen sich also zwei Darstellungen gegenüber. Die Eagles äußern sich zu diesem Punkt in ihrem Statement nicht. Bis zu weiteren Details ist Vorsicht angebracht.

https://t.co/aInIuUYiQJ

— Nicole Lynn (@AgentNicoleLynn) October 19, 2026

Die Kritik: „Eine Bestrafung muss her“

Die Debatte hat längst die Medien erreicht. Der frühere Super-Bowl-Champion James Jones forderte in der Sendung „Pregame, A Speakeasy Show“ Konsequenzen für die Verantwortlichen. Man vertraue Teams das Leben junger Männer an, und genau dafür gebe es Ärzte und Trainer im Stadion. Wer Hurts freigegeben habe, habe ihn in Gefahr gebracht. Falls ein Spieler zur Kreislaufförderung 36 Stunden wach bleiben solle, gehöre er nach Jones’ Ansicht nicht aufs Feld, und das müsse auch ein Arzt wissen.

Zu bedenken ist: Die Eagles betonen, sie hätten sich mit Fachleuten beraten und mit der Liga in Kontakt gestanden. Ob und welche Konsequenzen folgen, ist offen.

Sportlich: Die Eagles taumeln

Auf dem Feld zeigt sich bereits, wie schwer der Ausfall wiegt. Gegen die Panthers startete Tanner McKee und kam auf 26 von 45 Pässen für 215 Yards und einen Touchdown. Die Eagles verloren mit 14:25 und stehen bei 2-4. Es ist die erste Serie von vier Niederlagen in Folge seit 2020. Das Team verpflichtete zudem den Quarterback Joe Milton aus dem Practice Squad der Cowboys.

Hurts war seit seinem Aufstieg zum Stammspieler 2021 nie länger als zwei Spiele pro Saison ausgefallen. Er führte die Eagles zu fünf Playoff-Teilnahmen in Folge, drei Titeln in der NFC East und zwei Super-Bowl-Auftritten. 2025 folgte der Super-Bowl-Sieg mit einem 40:22 gegen die Chiefs, als MVP des Spiels. Seine Saisonbilanz bisher: 933 Passing Yards, acht Touchdowns und drei Interceptions. Seit seiner fünfjährigen Vertragsverlängerung über 255 Millionen Dollar läuft sein Kontrakt bis 2028.

Meinung von der Couch

Das ist eine Verletzungsgeschichte, bei der man vom Sport schnell ins Grundsätzliche kommt. Erst ein „kleines“ Blutgerinnsel, dann tiefe Thrombose und Lungenembolie. Das klingt nicht nach einer Story für die nächste Matchup-Analyse, sondern nach einer, bei der man erst einmal tief durchatmet.

Ich möchte keine voreiligen Urteile fällen. Die Eagles verweisen auf Ärzte vor Ort, und medizinisch gilt Bewegung bei oberflächlichen Thrombosen oft als sinnvoll. Trotzdem: Wenn ein Quarterback mit einem bekannten Gerinnsel in ein Spiel geht, muss die Kommunikation sauber sein. Der Widerspruch zwischen dem Schlaf-Bericht und dem Dementi zeigt, wie dünn die Faktenlage an dieser Stelle noch ist. Die Liga und das Team sollten das offen aufarbeiten, ohne sich hinter Statements zu verstecken.

Vor allem wünsche ich Jalen Hurts, dass er gesund zurückkommt. Dass die Prognose gut ist, ist die wichtigste Nachricht. Football kann warten.