Die NFL International Games wachsen weiter: In Rio de Janeiro spielten die Ravens und Cowboys vor Fans aus aller Welt. |
Die NFL International Games wachsen weiter: In Rio de Janeiro spielten die Ravens und Cowboys vor Fans aus aller Welt. | Quelle: IMAGO / ZUMA Press Wire

Die NFL will weiter wachsen, und zwar weit über die Grenzen der USA hinaus. Beim Owners’ Meeting machte Peter O’Reilly, Vice President of Club Business, International and League Events, deutlich, dass die NFL International Games auch in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle spielen sollen. Die Liga erwäge für die nächste Saison bereits bis zu zehn Spiele außerhalb der USA. Entscheidend sei dabei, dass es die richtigen zehn Partien sind.

Für alle, die den Football-Kalender gern um Reiseziele erweitern, ist das eine spannende Nachricht. Gleichzeitig zeigen die Aussagen von O’Reilly, dass die NFL beim Thema Expansion nicht einfach nur Spiele sammelt, sondern strategisch plant.

Zehn Spiele im Blick: Das Limit im CBA

Aktuell stehen neun internationale Regular-Season-Spiele im Kalender. Das aktuelle Collective Bargaining Agreement (CBA) erlaubt der Liga maximal zehn solcher Partien pro Saison. Genau diese Obergrenze wolle die NFL im kommenden Jahr nun ausreizen.

O’Reilly sprach in diesem Zusammenhang von einem begrenzten Kontingent. Weil die Zahl der Spiele gedeckelt ist, müsse jede einzelne Partie möglichst viel Wirkung entfalten. Es geht also weniger um Masse als um Klasse: Standort, Teams und Rahmen sollen zusammenpassen, damit jedes Spiel im Ausland einen echten Mehrwert für Liga und Fans bringt.

Neue Städte, neue Länder: Japan als Option

Besonders aufhorchen lässt die Ankündigung, dass die NFL neue Standorte prüft. Als konkrete Möglichkeit nannte O’Reilly Japan. Ein Spiel dort wäre ein weiterer großer Schritt der Liga auf dem asiatischen Markt und würde das internationale Portfolio um eine völlig neue Football-Region erweitern.

The NFL’s international games initiative is only expected to grow, with Japan as a possibility 🏈 NFL EVP Peter O’Reilly said the league is considering going up to 10 games next year. Via @TheAthletic | https://t.co/pxjErrd9tL https://t.co/d1wePfuLzg

— Sports Business Journal (@SBJ) October 21, 2026

Neue Länder sind aber nicht die einzige Option. Die Liga könne auch weitere Städte in Ländern erschließen, in denen sie bereits aktiv ist. Zwei Beispiele zeigen, wie das aussehen kann:

  • Brasilien: 2024 fand das erste NFL-Spiel des Landes in São Paulo statt, 2025 kehrte die Liga dorthin zurück. 2026 zog sie weiter nach Rio de Janeiro, wo die Baltimore Ravens auf die Dallas Cowboys trafen.
  • Deutschland: Hierzulande hat die NFL gleich drei Spielorte etabliert, nämlich München, Frankfurt und Berlin. Jede Stadt bringt ihre eigene Atmosphäre mit und erreicht ein anderes Publikum.

Das Prinzip ist in beiden Fällen dasselbe: Ein bekannter Markt wird mit zusätzlichen Locations weiter ausgebaut, statt jedes Mal bei null anzufangen.

Melbourne als Blaupause: Langfristig statt Einmal-Event

Zufrieden zeigte sich die Liga mit dem ersten Spiel in Australien. Die San Francisco 49ers und die Los Angeles Rams eröffneten in Melbourne die Saison mit einer Partie in Week 1. Laut O’Reilly habe sich dabei gezeigt, wie wichtig die Verbindung zu den Fans vor Ort sei. Die 49ers hätten in der Spielwoche sehr gute Arbeit geleistet und die Fan-Basis in Australien erfolgreich angesprochen.

Wichtig ist die Botschaft dahinter: Australien sei kein Markt für ein einmaliges Gastspiel. Die NFL wolle langfristig dort präsent sein. Das passt zur generellen Philosophie der International Series. Die Liga setzt auf wiederkehrende Präsenz, damit Fan-Kultur wachsen kann, statt auf einmalige Events.

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Welche Märkte kommen als Nächstes? Eine Einordnung

Warum gerade Japan so konkret im Raum steht, wird klar, wenn man einen Blick auf das Global Markets Program der NFL wirft. Dort sind zahlreiche Länder gelistet, in denen die Liga gezielt Fan-Arbeit betreibt. Folgende Länder sind dabei, haben aber noch kein internationales Regular-Season-Spiel ausgetragen: Argentinien, Österreich, China, Kolumbien, Ghana, Griechenland, Italien, Japan, Neuseeland, Nigeria, Südkorea, die Schweiz und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Wie realistisch ein Spiel in den jeweiligen Ländern ist, lässt sich aus meiner Sicht gut einschätzen:

Südamerika: Argentinien und Kolumbien sehe ich zunächst weit hinten. Mit Brasilien ist der Kontinent bereits vertreten, und die Liga baut dort erst einmal weiter auf.

Afrika: Die Partnerschaft mit Nigeria ist vor allem den vielen Talenten geschuldet, die von dort in die NFL kommen. Sollte irgendwann ein Spiel in Afrika stattfinden, sehe ich eher Südafrika als Standort. Bis es so weit ist, dürfte allerdings noch viel Zeit vergehen.

Neuseeland: Hier wird es nicht schnell gehen. Denkbar wäre höchstens ein Wechsel mit Australien, aber die NFL ist dort ja erst gerade angekommen.

Asien: Mit China, Südkorea und Japan stehen gleich drei Länder zur Wahl, und Japan liegt für mich klar vorn. Der Baseball-Boom und Superstar Shohei Ohtani sorgen für eine enge Verbindung zu den USA. Das macht Japan zum natürlichen Vorreiter in der Region.

Vereinigte Arabische Emirate: Die VAE hatte ich eigentlich weit vorn gesehen. Angesichts der aktuellen Weltlage wird es dort aber eher schwierig.

Europa: Österreich und die Schweiz sehe ich nicht kommen. Beide gehören zum DACH-Raum, in dem Deutschland bereits fest etabliert ist. Auch Griechenland steht für mich erst einmal nicht auf dem Zettel. Italien hingegen kann ich mir sehr gut vorstellen. Dort leistet unter anderem Nausicaa Dell’Orto große Arbeit, besonders für das Flag-Football-Programm.

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Ticketpreise: Ein sensibles Thema

Nicht alles lief rund. In London wurde in dieser Saison über unverkaufte Sitzplätze berichtet, und die Ticketpreise rückten dadurch stärker in den Fokus. Die NFL beobachte die Preisgestaltung bei den internationalen Spielen deshalb genau. Laut O’Reilly wolle man die Tickets für Fans in den jeweiligen Märkten so zugänglich wie möglich machen.

Das ist ein nachvollziehbares Ziel. Ein internationales Spiel lebt von der Atmosphäre im Stadion. Wenn Tickets zu teuer sind und Plätze leer bleiben, leidet das Gesamtbild. Gerade in Märkten, die noch aufgebaut werden, ist ein voller, lauter und begeisterter Stadionbesuch das beste Marketing für den Sport.

Ein Team im Ausland? Kein Tagesthema

Natürlich stellt sich bei so viel Expansion die Frage, ob irgendwann ein NFL-Team außerhalb der USA beheimatet sein könnte. O’Reilly dämpfte hier die Erwartungen: Damit beschäftige sich die Liga im Tagesgeschäft nicht intensiv. Es gehe vielmehr darum, Samen zu pflanzen für das, was eines Tages möglich sein könnte.

Eine konkrete Franchise im Ausland steht also nicht auf der Agenda. Die International Games dienen aber als Fundament, auf dem später größere Ideen aufbauen könnten.

Paris: Sicherheit im Fokus

Ein weiteres Thema war das bevorstehende Spiel in Paris zwischen den New Orleans Saints und den Pittsburgh Steelers in Week 7. Wegen der Unruhen in der Stadt wurde die Sicherheitslage zuletzt intensiv diskutiert. Die NFL zeigte sich laut O’Reilly dennoch zuversichtlich, dass das Spiel sicher stattfinden kann.

Das Sicherheitsteam der Liga sei bereits vor Ort und arbeite eng mit den Stadionverantwortlichen zusammen. Die Sicherheitspräsenz bei NFL-Events sei ohnehin stets hoch und werde für Paris noch einmal verstärkt. Man bleibe, wie immer, äußerst wachsam, blicke den Plänen bis zum Spieltag aber zuversichtlich entgegen.

Meinung von der Couch

Ich finde es richtig, dass die NFL beim Thema International Games nicht blind Spiele aneinanderreiht, sondern ausdrücklich von den “richtigen” Partien spricht. Mit einem Limit von zehn Spielen ist der Platz knapp, und jede Entscheidung für einen Standort ist zugleich eine Entscheidung gegen einen anderen. Dass die Liga ihre Märkte langfristig bearbeiten will, gefällt mir. Das Beispiel Australien macht Mut, dass es nicht bei Football-Tourismus bleibt, sondern echte Fan-Communitys entstehen können.

Japan wäre für mich der spannendste nächste Schritt, und Italien mein Geheimfavorit in Europa. Ob es schon 2027 so weit ist, bleibt offen, aber die Richtung ist klar: Die NFL denkt global.

Bei den Ticketpreisen sollte die Liga allerdings konsequent bleiben. Leere Plätze in London sind ein Warnsignal, das man nicht ignorieren darf. Wer will, dass Football weltweit wächst, muss Fans auch den Zugang ermöglichen, nicht nur zahlungskräftigen Gästen.

Quelle: Recherche von Saad Yousuf, veröffentlicht bei The Athletic.