Bo Nix (l.) und Tez Johnson: Aus Highschool-Teamkollegen wurden Brüder.
Bo Nix (l.) und Tez Johnson: Aus Highschool-Teamkollegen wurden Brüder. | Quelle: IMAGO / Icon Sportswire | KI-gestützte Bildbearbeitung und Zusammenführung zweier Originalaufnahmen.

Bo Nix und Tez Johnson haben eine Verbindung, die weit über Touchdowns und Completions hinausgeht. Der Quarterback der Denver Broncos und der Wide Receiver der Tampa Bay Buccaneers spielten an der Highschool zusammen, doch ihre Geschichte begann abseits des Spielfelds. Die Familie Nix nahm den damaligen Freshman bei sich auf und wurde zu seiner Familie. Es ist eine der schönsten Geschichten, die die NFL derzeit zu bieten hat.

Eine Narbe, die eine Geschichte erzählt

Tez Johnson ist bekannt für Touchdowns und Backflips in der Endzone. Dass er auch eine Narbe am Unterarm trägt, wissen die wenigsten. Sie ist ein paar Zentimeter lang und stammt aus dem Jahr 2018, als Bo Nix und Tez für Pinson Valley High in Alabama spielten.

Gegen Clay-Chalkville lief die gegnerische Defense einen Corner Blitz, bei dem der Cornerback von der Kante kam. Bo wollte Tez per Bubble Screen anspielen. Der Cornerback traf Tez aber mit dem Helm am Unterarm, riss ihn von den Beinen und hinterließ eine klaffende Wunde. Tez ließ sich verarzten, kehrte zurück und fing am Ende 17 Pässe für 247 Yards und drei Touchdowns.

Dieses Durchhaltevermögen zieht sich durch seine ganze Karriere. Tez war in jedem Spiel der kleinste Mann auf dem Feld. Als Rookie brachte er bei den Buccaneers gerade einmal 152 Pfund (rund 69 Kilogramm) bei 1,78 Metern auf die Waage. Trotzdem kommt er seit der Highschool auf 47 Touchdowns in acht Jahren. In der Saison 2026 gelang ihm in Carolina sein erster Touchdown, ein 14-Yard-Pass von Baker Mayfield.

Die Narbe hat die Form eines Herzens. Warum das so gut passt, zeigt der Rest dieser Geschichte.

Eine Kindheit zwischen Straße und Hunger

Tez wuchs in Woodlawn, Alabama, auf. Sein Vater starb durch Suizid, als Tez noch ein Baby war. Seine Mutter Shamika Posey zog ihn und seine drei Geschwister allein groß. Das war ein täglicher Kampf: Tez kannte die Schüsse auf der Straße und hatte zeitweise kein eigenes Bett. Oft knurrte ihm der Magen. Nach der Schule ging er selten nach Hause, sondern an Orte, an denen er nicht sein sollte. Er räumte ein, in Diebstahl, Drogen und Straßenkämpfe verwickelt gewesen zu sein. Auf Schlägereien habe er sich eingelassen, egal wie weit sie gingen.

Auf der Suche nach Stabilität zog Shamika nach Pinson. Kurz darauf übernahm Patrick Nix das Amt des Head Coaches bei Pinson Valley. Patrick war einst Auburns Rekordhalter beim Passer Rating, sein Sohn Bo galt als Quarterback-Wunderkind. Bo hatte bereits drei Jahre lang an der Highschool in Scottsboro als Starter gespielt, schon als Achtklässler.

Der erste Eindruck: Respekt auf Distanz

Als Bo beim ersten Training in Pinson Valley auftauchte, warteten schon einige Möchtegern-Receiver auf ihn, darunter ein winziger Freshman. Patrick erinnerte sich, wie das kleine Kerlchen auf den Platz tänzelte, Routes lief und alles fing, was kam.

Zugleich war Tez damals alles andere als zugänglich. Sein Traum war eine Karriere als MMA-Kämpfer, nicht als Receiver, und er trat auf wie ein Käfigkämpfer. Bo fand ihn anfangs verschlossen, erkannte aber schnell sein Talent und sagte seinem Vater, der Kleine könne etwas ganz Besonderes werden.

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Vier Stunden, ein Kompromiss und ein Esstisch

Bevor Tez etwas Besonderes werden konnte, musste er sich zügeln. Seine Mutter hatte irgendwann genug und wollte ihn in eine Jugendstrafanstalt schicken. Beim Gespräch mit dem Schulleiter wurde Patrick dazugebeten. Nach vier Stunden stand ein Kompromiss: Die Nixes, die schon öfter Jugendliche aufgenommen hatten, sollten Tez für ein, zwei Nächte beherbergen, damit sich die Lage zu Hause beruhigen konnte.

Tez betrat das Haus der Nixes mit gemischten Gefühlen. Krista Nix hatte zwei Regeln: Sie musste wissen, wohin er geht, und er musste vor dem Schlafengehen gute Nacht sagen. Beim Abendessen gab es Cube Steak, das erste Mal, dass Tez mit einer Familie am Tisch saß. Aus zwei Nächten wurden drei, bis Sohn Caleb vermutete, Tez habe keine Zahnbürste. Krista kümmerte sich darum.

Misstrauen oder Missgunst gab es nicht. Patrick sprach später von einem absoluten Wunder. Mit der Zeit fand die Gruppe ihren Rhythmus, und eine Rückkehr in das alte Umfeld kam nicht mehr infrage. Tez blieb.

Das kleine gelbe Haus

Das „tiny yellow house“ war schon für die fünfköpfige Familie eng gewesen. Die Nixes hatten es in Eile gemietet, um rechtzeitig im Schuldistrikt zu wohnen und Bos Football-Eligibility zu sichern. Tochter Sara gab ihr Bett auf und schlief fortan in einem blauen Zelt im Flur. Tez und Caleb quatschten sich jeden Abend in den Schlaf und wurden beste Freunde. Die älteste Schwester Emma half Tez am Telefon bei Biologie, jeden Abend um 21:30 Uhr.

Und dann war da Bo. Die beiden zockten NCAA Football und Fortnite, sahen Filme und schauten „Fast and Furious“ gefühlt rund um die Uhr. Bo war vier Zentimeter größer und zwei Jahre älter, aber vor allem ein großer Bruder: Er brachte Tez bei, Erwachsene mit „yes, ma’am“ zu grüßen, sorgte dafür, dass er pünktlich aufstand, und achtete darauf, dass er ordentlich aß.

In der einzigen gemeinsamen Highschool-Saison fing Tez 106 Pässe für 1.457 Yards, und das Team gewann die 6A State Championship. Sein Traum hatte sich verschoben: weg vom Käfig, hin zum Oregon-Receiver.

Must Watch: If you don’t know, Tez Johnson and Bo Nix are BROTHERS. Bo Nix’s family brought Tez in as one of their own and raised him with an open heart. Tez is a fantastic athlete and young man; this story is extraordinary. 🙏❤️ https://t.co/386eh5czhj

— Dov Kleiman (@NFL_DovKleiman) January 2, 2025

Der Streit auf der Veranda

Leicht war es nicht immer. Nach einem schwachen Training warf Patrick, bekannt für seine harte Linie, Tez Faulheit vor. Mit dieser Einstellung werde ihn Oregon nie nehmen. So hatte noch nie ein Coach oder ein Mann mit ihm gesprochen, und Tez sah sich im Recht, beleidigt zu sein. Auf der Veranda sagte er Bo, er wolle zurück zu seiner leiblichen Familie. Bo meinte, er müsse durchhalten. Es wurde laut, und Caleb und Sara beobachteten durch die Jalousien, was passieren würde.

Tez hielt Bo vor, er wisse nicht, wie es sei, keinen Vater zu haben. Bo erwiderte, Patricks Worte seien aus Liebe gekommen. Dabei sah Tez eine Träne in Bos Auge. Für ihn war das der Moment, in dem er begriff, dass Bo in ihm keinen Jungen sah, der zufällig in seinem Haus wohnt, sondern seinen Bruder. Bo sagte später, ab diesem Tag habe Tez gewusst, dass er geliebt wurde. Das Datum, 23. April 2018, gilt als inoffizielles Adoptionsdatum.

Von Auburn und Troy zurück zu Oregon

Danach trennten sich ihre Wege: Bo ging nach Auburn, Tez nach Troy. 2022 wechselte Bo zu den Oregon Ducks. Ein Jahr später empfahl er Head Coach Dan Lanning einen Receiver im Transfer Portal. Lanning vertraute Bo, und Tez bekam die Chance, mit seinem Lieblings-Teamkollegen für sein Traumteam zu spielen. Tez beschrieb das Zusammenspiel als sechsten Sinn: Selbst wenn er nicht hinsah, kam der Ball, und er fing ihn. 2023 war er für fast 25 Prozent von Bos Completions und Passing Yards verantwortlich.

Beim NFL Draft 2024 blieb Bo zu Hause bei Familie und Freunden. Als die Broncos ihn an Position 12 wählten, saß Tez auf dem Sofa neben Bos Frau Izzy. Ein Jahr später war Bo bei Tez in dessen Draft-Wochenende dabei.

Der Draft-Tag: Warten, Laufen, Glauben

Tez’ College-Produktion und sein starker Auftritt beim Senior Bowl sprachen für eine hohe Draft-Position. Gegen ihn sprachen seine Größe und eine 40-Yard-Zeit von 4,51 Sekunden beim Combine. Dass er im Training deutlich schneller lief, ging wegen einer Oberschenkelverletzung unter. Bo setzte sich bei Head Coach Sean Payton und General Manager George Paton für ihn ein.

Die Broncos nahmen in der dritten Runde jedoch Pat Bryant, in der sechsten einen Punter. Tez, der stundenlang durchs Haus gelaufen war, wurde wütend und wollte aufgeben. Bo setzte sich zu ihm und fragte, ob der Weg nach Troy oder Oregon leicht gewesen sei. Er brauche nur ein Team, das an ihn glaubt. Tez nannte das später einen Wink von oben.

Dann riefen die Tampa Bay Buccaneers an: Tez wurde an Position 235 gezogen. GM Jason Licht spricht heute von einem großartigen Pick. Tez sei schnell wie kaum ein anderer im Kader und stecke das Team mit seiner Energie an.

Klein, aber stark

Um zum Star zu werden, muss Tez beweisen, dass Größe nicht entscheidend ist. Sein Gewicht lag in der Offseason bei bis zu 158 Pfund, doch halten konnte er es nicht, obwohl er isst wie ein Scheunendrescher: Würstchen, Eier, Sandwiches, Kekse, Hot Cheetos und Hackfleisch mit Reis stehen auf dem Tagesplan. Im Kraftraum schafft er 405 Pfund (ca. 184 Kilogramm) in der Kniebeuge, 295 Pfund (ca. 134 Kilogramm) beim Power Clean und 500 Pfund (ca. 227 Kilogramm) im Kreuzheben. Bo hält ihn pro Pfund für den stärksten Menschen, den er kennt.

Auch auf dem Feld spielt er größer, als er ist. Bo lobt sein Gespür dafür, Bälle so zu fangen, dass jeder Quarterback gut aussieht, auch bei schlecht platzierten Pässen.

Brüder fürs Leben, auch ohne Nachnamen

Bo wirft Tez noch immer Bälle zu, jedes Jahr beim „Christmas in July“ der Familie in Destin, Florida. Wettrennen gibt es auch, und die sind enger, als man glaubt, vermutlich mehr aus brüderlichem Ehrgeiz als aus reiner Schnelligkeit.

Tez sieht sich mit zwei Müttern, einem Vater, einem Stiefvater und sieben Geschwistern gesegnet. Offiziell adoptiert wurde er nicht. Die Familie entschied, dass er seinen Nachnamen als Teil seiner Geschichte behalten sollte. Auf dem Trikot steht der Name Nix nicht, dafür auf dem rechten Oberschenkel: Tez ließ sich „Nix“ und das Datum 23.4.18 tätowieren.

In der Bye Week Mitte November wollen sich beide zu Calebs Spiel bei Jacksonville State treffen. Ein gemeinsames Team in der NFL bleibt ihr Traum, und Tez will das Gott überlassen. Bo hofft, dass es klappt.

Meinung von der Couch

Ich liebe solche Geschichten, weil sie zeigen, was Football sein kann. Hinter dem Business aus Draft-Picks, Cap Space und Statistiken stehen Menschen, die füreinander einstehen. Bo Nix und Tez Johnson zeigen, dass Familie nicht immer über Blut definiert wird. Dass die Narbe von einem Spielzug mit Bo stammt und die Form eines Herzens hat, ist ein Drehbuch, das man sich kaum besser ausdenken könnte.

Und ich gebe offen zu: Wenn man Patrick Nix in dem Clip mit Tränen in den Augen sieht, bleibt auch bei mir kein Auge trocken. Da steckt so viel Herz drin, dass man als Football-Fan einfach mitfühlen muss. Ich drücke den beiden die Daumen, dass sie eines Tages im selben Team auflaufen.