Drake Maye verlässt nach der Super-Bowl-Niederlage gegen Seattle sichtlich gezeichnet den Rasen von Levi’s Stadium.
Drake Maye verlässt nach der Super-Bowl-Niederlage gegen Seattle sichtlich gezeichnet den Rasen von Levi’s Stadium. | Quelle: IMAGO / UPI Photo

Der Super Bowl ist kein normaler Football-Abend. Er ist ein Stresstest für Karrieren, ein Ort, an dem sich Talent und Moment gnadenlos begegnen. Für Drake Maye endete dieser Test in Santa Clara nicht mit einem Titel – sondern mit einer Lektion, die man sich nicht aussuchen kann.

Die New England Patriots verloren Super Bowl LX gegen die Seattle Seahawks mit 13:29. Und obwohl das Ergebnis das Werk vieler Faktoren war, blieb vor allem ein Bild hängen: ein 23-jähriger Quarterback, überwältigt von Tempo, Druck und Konsequenz der größten Bühne des Sports.

Ein Abend, an dem alles schneller wurde

Schon früh war klar, dass dies kein Spiel werden würde, in dem Maye wachsen konnte. Die Defense der Seahawks spielte aggressiv, variabel und kompromisslos – eine Mischung, die selbst erfahrene Quarterbacks an ihre Grenzen bringt. Für einen Spielmacher in seinem zweiten NFL-Jahr bedeutete das: kaum saubere Reads, kaum Zeit, kaum Luft.

Seattle attackierte gezielt die linke Seite der Patriots-Offensive-Line. Rookie-Tackle Will Campbell geriet massiv unter Druck, Maye wurde getroffen, verschoben, aus dem Rhythmus gebracht. Insgesamt elf Quarterback-Hits, mehrere Sacks, ständige Unruhe – Football im permanenten Krisenmodus.

Dass Maye angeschlagen spielte und vor dem Kickoff eine schmerzlindernde Spritze in die Schulter benötigte, machte die Aufgabe nicht leichter. Aber das erklärt nicht alles.

Zahlen, die täuschen

Am Ende standen 295 Passing Yards und zwei Touchdowns in der Statistik. Auf dem Papier respektabel. Im Spielverlauf jedoch irreführend.

Drei Turnover, darunter eine Pick-Six im vierten Viertel, besiegelten das Schicksal der Patriots endgültig. Als Seattle davonzog, musste Maye riskieren – und zahlte den Preis. Genau hier zeigte sich, wie schmal der Grat zwischen Aggressivität und Überforderung im Super Bowl ist.

Emotionen, die man nicht wegmoderieren kann

Nach dem Spiel saß Maye auf dem Podium, sichtbar gezeichnet. Tränen, kurze Antworten, Ehrlichkeit.
„Wenn du keine Plays machst, sitzt du hier und weinst“, sagte er.

Es war kein Zusammenbruch, sondern ein Moment der ungefilterten Realität. Und vielleicht auch ein notwendiger.

Denn die Patriots dieses Jahres waren eine Sensation: vom 4-13-Team zum Super-Bowl-Teilnehmer, angeführt von Head Coach Mike Vrabel. Niemand im Raum – Spieler, Coaches, Öffentlichkeit – machte Maye verantwortlich. Im Gegenteil: Die Unterstützung war auffällig geschlossen.

Die unausgesprochene Last des Namens Brady für Drake Maye

Was diesen Abend zusätzlich auflud, war das, was unausweichlich mitschwang: Tom Brady. Neun Super-Bowl-Auftritte, sechs Titel, ein Maßstab, der in New England nie verschwindet.

Mayes Super Bowl fühlte sich anders an als all die Brady-Nächte. Unruhiger. Fragiler. Menschlicher.

Und genau das macht den Vergleich so gefährlich – und so unfair.

Geschichte als Warnung, nicht als Urteil

Die NFL kennt diese Geschichten. Dan Marino stand einst ebenfalls früh im Super Bowl. Alle sagten: Er kommt wieder.
Er tat es nie.

Das bedeutet nicht, dass Maye dieses Schicksal teilt. Aber es erinnert daran, dass nichts garantiert ist – selbst für außergewöhnliches Talent. In einer Conference mit Mahomes, Allen, Burrow und Jackson wird jeder weitere Super-Bowl-Weg ein Kampf.

Was bleibt

Der Super Bowl kann Karrieren definieren – oder formen. Für Maye wird entscheidend sein, was er aus diesem Abend macht. Nicht, ob er gefallen ist, sondern wie er wieder aufsteht.

Ein Seahawks-Verteidiger sagte nach dem Spiel respektvoll:
Maye sei aus gutem Grund ein MVP-Kandidat gewesen. Heute habe er schlicht gegen eine großartige Defense gespielt.

Mehr Wahrheit steckt selten in einem Satz.

Der Super Bowl hat Drake Maye nicht zerstört.
Er hat ihn entlarvt, geprüft – und zurück an den Anfang gestellt.