Die NFL fordert vor dem Supreme Court strengere Regeln für Prediction Markets wie Kalshi und Polymarket, um die Integrität des Sports zu schützen und mögliche Spielmanipulationen zu verhindern.
Die NFL fordert vor dem Supreme Court strengere Regeln für Prediction Markets wie Kalshi und Polymarket, um die Integrität des Sports zu schützen und mögliche Spielmanipulationen zu verhindern. | Quelle: KI-generierte Illustration / OpenAI (ChatGPT)

Die NFL macht Ernst: Die Liga will, dass Prediction Markets künftig wie klassisches Glücksspiel von den einzelnen Bundesstaaten reguliert werden dürfen. Dafür hat sie beim Supreme Court einen sogenannten Amicus Brief eingereicht und sich damit hinter die Regulierungsbehörden von New Jersey gestellt. Der Bundesstaat will den Rechtsstreit mit dem Anbieter Kalshi vor das höchste Gericht der USA bringen.

Für die NFL steht dabei viel auf dem Spiel: Es geht um die Integrität des Spiels und um den Schutz der Fans. Eine Liga, die sich bei Sportwetten bislang vorsichtig und kontrolliert geöffnet hat, sieht auf einem neuen Markt plötzlich kaum Leitplanken.

Worum es im Kern geht

Prediction Markets sind Handelsplattformen, auf denen Nutzer auf den Ausgang von Ereignissen setzen können, auch auf NFL-Spiele. Rechtlich laufen sie allerdings nicht als Sportwetten. Beaufsichtigt werden sie auf Bundesebene von der Commodity Futures Trading Commission (CFTC), ähnlich wie der Aktienmarkt. Anbieter wie Kalshi oder Polymarket unterliegen deshalb nicht den bundesstaatlichen Glücksspielgesetzen, an die sich klassische Sportsbooks halten müssen.

Rund 20 Bundesstaaten argumentieren vor Gericht, dass für Prediction Markets dieselben Regeln gelten sollten. Ein Beispiel zeigt den Unterschied: Bei den meisten Sportsbooks liegt das Mindestalter bei 21 Jahren, bei Prediction Markets landesweit bei 18 Jahren.

Dass die Liga sich gerade jetzt so deutlich positioniert, hat auch einen wirtschaftlichen Hintergrund. Laut dem Tracking-Portal Ticker Tracker entfielen an einem der jüngsten Sonntage 65,8 Prozent des gesamten Sportvolumens bei Kalshi auf die NFL. Die Liga ist also der mit Abstand wichtigste Treiber dieses Marktes, ohne selbst mitzuverdienen oder mitzureden.

Diese Wetten bereiten der NFL Sorgen

Im Brief benennt die Liga konkret, wo sie die größten Risiken sieht. Besonders heikel seien Wetten auf Ereignisse, die leicht manipulierbar sind. Dazu zählen Märkte, die sich auf einen einzelnen Athleten beziehen, etwa ein Field Goal eines bestimmten Kickers. Ebenso kritisch sieht die NFL Ereignisse, die sich im Voraus kennen lassen, etwa das erste Play einer Partie.

Zusätzlich fordert die Liga ein Verbot von Märkten rund um die Officials sowie von Wetten auf Ereignisse, die sie als „grundsätzlich anstößig“ einstuft, etwa Verletzungen von Spielern.

Das ist kein Widerspruch zu den Partnerschaften der NFL mit klassischen Sportsbooks. Auch dort gibt es zwar Prop Bets auf NFL-Spiele, bestimmte Varianten sind aber aus Integritätsgründen tabu. So sind etwa Wetten darauf, ob der erste Pass eines Quarterbacks incomplete bleibt, nicht erlaubt. Genau diese Schutzmechanismen vermisst die Liga bei den Prediction Markets.

Außerdem will die NFL, dass die Plattformen mit ihr bei der Pflege von Listen gesperrter Wetter zusammenarbeiten. Dem Brief zufolge sieht die Liga die CFTC hier in der Pflicht: Die Behörde tue nicht genug, um die Branche zu regulieren, und sowohl die Plattformen als auch die CFTC hätten sich „gesunden Menschenverstand“-Maßnahmen der NFL widersetzt. Ein Insider aus der Liga ergänzte anonym, den Prediction Markets fehlten bislang die regulatorischen Vorgaben, die zum Schutz der Spielintegrität und der Verbraucher nötig seien.

Kalshi und CFTC halten dagegen

Die Gegenseite lässt den Vorwurf nicht auf sich sitzen. Ein Sprecher von Kalshi erklärte, das Unternehmen habe immer wieder proaktiv und konstruktiv das Gespräch mit der NFL gesucht, um gemeinsam an der Marktintegrität zu arbeiten, aber keine Antwort erhalten. Entgegen den Aussagen der Liga überwache die CFTC sehr wohl aktiv sportbezogene Märkte, die inzwischen an nahezu jeder US-Rohstoffbörse gelistet seien. Außerdem würden viele der angeblichen Bedenken der NFL im laufenden Rulemaking-Prozess der CFTC ohnehin adressiert.

Auch die CFTC selbst widerspricht. Brooke Nethercott, Direktorin für Public Affairs, sagte, die Behörde stehe „seit Tag eins“ im Austausch mit der NFL. Bedauerlich sei, dass die Liga ein Memorandum of Understanding (MOU) mit der CFTC abgelehnt habe. Eine solche Vereinbarung hätte der NFL erlaubt, sich besser auszutauschen, zu kooperieren und Informationen weiterzugeben, um die Integrität und Widerstandsfähigkeit der Prediction Markets zu fördern.

Die NFL bleibt auf Distanz

Interessant ist der Vergleich mit anderen Ligen. Mehrere MLB-Teams und auch die NHL haben Partnerschaften mit Kalshi geschlossen. Die NFL hat dagegen bewusst Abstand gehalten. Roger Goodell erklärte in einem Interview mit CNBC im vergangenen Monat, die Liga wolle zunächst mehr Regulierung sehen, bevor sie sich auf eine Kooperation mit einem Prediction Market einlasse.

Breite Unterstützung für New Jersey

Die NFL steht mit ihrem Vorstoß nicht allein. 39 Bundesstaaten haben einen eigenen Amicus Brief zugunsten von New Jerseys Position eingereicht. Zusätzlich haben sich mehrere Stammesnationen und Organisationen der amerikanischen Ureinwohner mit einem eigenen Schriftsatz an das Gericht gewandt und ebenfalls darum gebeten, den Fall anzunehmen. Wie die Bundesstaaten dürfen auch sie Sportwetten selbst regulieren. Deshalb wollen sie, dass Prediction Markets ihren Glücksspielgesetzen unterliegen.

Der Brief ist nicht der erste Vorstoß der Liga in Sachen Regulierung. Bereits zuvor hatten die NFL, NBA, NHL, MLB und MLS gemeinsam mit ihren Spielergewerkschaften ein Schreiben an die Aufsichtsbehörden der Bundesstaaten gerichtet. Darin forderten sie lebenslange Sperren für Wetter, die Athleten und Mitarbeiter bedrohen oder belästigen. Das Problem: Selbst wenn die Bundesstaaten diese Regeln umsetzen, würden sie nach aktueller Rechtslage nicht für Prediction Markets gelten.

Meinung von der Couch

Ich verstehe, dass die NFL hier die Reißleine zieht. Wer Football liebt, will, dass auf dem Feld entschieden wird, was auf dem Feld passiert, und nicht irgendwo zwischen Handelsplattform und Hinterzimmer. Wetten auf Verletzungen oder das erste Play einer Partie wirken auf mich tatsächlich wie ein Einfallstor für Manipulation und Missbrauch. Dass ausgerechnet die NFL den größten Teil des Kalshi-Sportvolumens liefert, macht die Lage nicht einfacher.

Gleichzeitig bleibt ein Beigeschmack: Die Liga arbeitet längst mit klassischen Sportsbooks zusammen und verdient daran. Dass sie jetzt auf strengere Regeln pocht, ist nachvollziehbar, aber nicht ganz uneigennützig. Spannend wird, ob der Supreme Court den Fall überhaupt annimmt. Falls ja, könnte die Entscheidung weit über die NFL hinaus bestimmen, wie Sport und Prediction Markets in den USA künftig zusammenleben.


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