Kirk Cousins spielte in seiner Karriere mehrfach unter dem Franchise Tag und wurde damit zu einem der bekanntesten Beispiele für dessen strategische Nutzung in der NFL.
Kirk Cousins spielte in seiner Karriere mehrfach unter dem Franchise Tag und wurde damit zu einem der bekanntesten Beispiele für dessen strategische Nutzung in der NFL. | Quelle: IMAGO / Imagn Images

Wenn ein Starspieler kurz davorsteht, Free Agent zu werden, greifen NFL-Teams häufig zu einem besonderen Instrument: dem Franchise Tag. Kaum ein Mechanismus sorgt jährlich für so viele Diskussionen – zwischen Spielern, Agenten und Front Offices.

Doch was genau ist der Franchise Tag? Wie wird er berechnet? Und warum ist er strategisch so relevant für Salary Cap und Kaderplanung?


Was ist der Franchise Tag?

Der Franchise Tag ist ein Einjahresvertrag, mit dem ein Team einen auslaufenden Unrestricted Free Agent vor dem freien Markt schützen kann.

Er ist:

  • vollständig garantiert
  • an eine feste Berechnungsformel gebunden
  • nur einmal pro Offseason pro Team einsetzbar

Das Ziel: Ein Team kann einen Leistungsträger halten, ohne ihm sofort einen langfristigen Vertrag geben zu müssen.


Wie wird der Franchise Tag berechnet?

Die Höhe des Franchise Tags ergibt sich aus einer von der Liga definierten Formel. Entscheidend ist der höhere der beiden folgenden Werte:

  1. Der Durchschnitt der Top-5-Gehälter einer Position über die letzten fünf Jahre (cap-adjustiert)
  2. 120 % des vorherigen Spielergehalts

Diese Regel verhindert, dass Teams einen Spieler über mehrere Jahre zu einem unter Marktwert liegenden Preis halten.

Da Quarterbacks, Pass Rusher oder Wide Receiver zu den teuersten Positionen gehören, sind Franchise Tags dort besonders hoch angesetzt.


Die zwei Varianten des Franchise Tags

Non-Exclusive Franchise Tag

Dies ist die häufigste Form.

  • Der Spieler darf mit anderen Teams verhandeln.
  • Unterzeichnet er ein Angebot, kann sein ursprüngliches Team dieses matchen.
  • Lehnt das ursprüngliche Team ab, erhält es zwei First-Round-Draft-Picks als Kompensation.

In der Praxis schreckt diese hohe Draft-Kompensation viele Teams davon ab, ein Angebot abzugeben.

Exclusive Franchise Tag

Hier darf der Spieler nicht mit anderen Teams verhandeln.

Die Berechnung basiert auf dem Durchschnitt der Top-5-Gehälter der aktuellen Saison, was diese Variante meist teurer macht.

Der Exclusive Tag wird seltener genutzt, kommt jedoch vor allem bei Quarterbacks oder absoluten Top-Spielern in Betracht.


Wie oft kann ein Spieler getaggt werden?

Ein Spieler kann mehrfach mit dem Franchise Tag belegt werden, allerdings steigt der Preis deutlich:

  • Zweiter Tag: mindestens 120 % des vorherigen Tag-Gehalts
  • Dritter Tag: mindestens 144 % des zweiten Tag-Gehalts

Dadurch wird das Instrument langfristig finanziell unattraktiv.


Strategische Gründe für den Franchise Tag

Teams nutzen den Franchise Tag aus verschiedenen Gründen:

1️⃣ Zeitgewinn für Vertragsverhandlungen

Der Tag verschafft dem Team zusätzliche Monate, um einen langfristigen Deal auszuhandeln.

2️⃣ Sicherung einer Schlüsselposition

Gerade bei Quarterbacks oder Elite-Pass-Rushern verhindert der Tag einen unmittelbaren Verlust.

3️⃣ Übergangslösung

Ein Team kann die Wettbewerbsfähigkeit für ein weiteres Jahr sichern, ohne langfristige Garantien einzugehen.

👉 Siehe auch: „Kirk Cousins: Kein Super Bowl, kein MVP – aber über 300 Millionen Cash und Meme-Hype“. Ein Beispiel dafür, wie sich der Franchise Tag – strategisch genutzt – auch für einen Spieler finanziell auszahlen kann.


Auswirkungen auf den Salary Cap

Der Franchise Tag zählt vollständig als Cap Hit in der jeweiligen Saison. Anders als Signing Bonuses lässt sich die Summe nicht auf mehrere Jahre verteilen.

Das bedeutet:

  • Hohe sofortige Cap-Belastung
  • Weniger kurzfristige Flexibilität
  • Keine Möglichkeit zur klassischen Bonus-Proratisierung

Deshalb kann ein Franchise Tag finanzielle Planungen erheblich beeinflussen.


Unterschied zum Transition Tag

Der Transition Tag ist eine abgeschwächte Variante.

  • Ebenfalls Einjahresvertrag
  • Günstiger berechnet (Top-10-Durchschnitt der Position)
  • Kein Anspruch auf Draft-Kompensation

Das ursprüngliche Team darf ein externes Angebot matchen, erhält aber keine Picks, falls es darauf verzichtet.


Warum der Franchise Tag umstritten ist

Aus Spielersicht bietet der Franchise Tag zwar ein garantiertes Gehalt, jedoch:

  • keine langfristige Sicherheit
  • kein Schutz vor Verletzungsrisiken
  • begrenzte Verhandlungsmacht

Deshalb streben viele getaggte Spieler weiterhin einen langfristigen Vertrag an.


Fazit: Machtinstrument mit begrenzter Lebensdauer

Der Franchise Tag ist ein strategisches Instrument zur Kontrolle über Top-Spieler in der Free Agency. Er verschafft Teams Planungssicherheit, belastet jedoch unmittelbar den Salary Cap.

Langfristig ist der Tag selten eine Dauerlösung. Seine finanzielle Eskalation zwingt Teams meist zu einer klaren Entscheidung: Verlängern oder ziehen lassen.

Wer die Mechanik des Franchise Tags versteht, erkennt schnell, dass er weniger Druckmittel als vielmehr ein Übergangsinstrument im komplexen Salary-Cap-System ist.



👉 Weitere Hintergründe zu Free Agency, Salary Cap und Vertragsstrukturen findest du in unserer Kategorie NFL Basics auf Couch Quarterback.