Tyler Shough #6 steht im Mittelpunkt der Hoffnungen der New Orleans Saints und könnte 2026 über Erfolg oder Misserfolg der Franchise entscheiden.
Tyler Shough #6 steht im Mittelpunkt der Hoffnungen der New Orleans Saints und könnte 2026 über Erfolg oder Misserfolg der Franchise entscheiden. | Quelle: IMAGO / Icon Sportswire

Die New Orleans Saints gehören vor der NFL-Saison 2026 zu den wohl schwersten Teams, die sich einschätzen lassen. Nach einer enttäuschenden 6-11-Spielzeit blickt die Franchise mit neuem Optimismus nach vorne. Der Grund dafür trägt vor allem einen Namen: Tyler Shough.

Der Quarterback überzeugte in seiner Rookie-Saison trotz schwieriger Umstände und weckte die Hoffnung, endlich die langfristige Lösung auf der wichtigsten Position gefunden zu haben. Doch genau darin liegt auch das größte Risiko. Entwickelt sich Shough weiter, könnten die Saints überraschend um den Titel in der NFC South mitspielen. Bleibt dieser Entwicklungsschritt jedoch aus, droht eine weitere Saison voller Fragezeichen.

Wir werfen einen Blick auf das Best- und Worst-Case-Szenario der Saints für die kommende Saison.

Warum Tyler Shough über die Zukunft der Saints entscheidet

Kaum ein Spieler wird die Saison der Saints so stark beeinflussen wie Tyler Shough.

Der mittlerweile fast 27-jährige Quarterback zeigte bereits in seinen ersten neun NFL-Starts, warum viele Fans in ihm den künftigen Franchise Quarterback sehen. Trotz einer Offensive, die 2025 nur wenig Unterstützung bot, überzeugte Shough mit starken Leistungen und brachte neue Hoffnung nach New Orleans.

Nun startet er erstmals als unumstrittener Starting Quarterback in eine komplette Offseason. Genau diese Kontinuität könnte den nächsten Entwicklungsschritt ermöglichen. Gelingt ihm dieser, besitzen die Saints durchaus das Potenzial, mit dem besten Quarterback der NFC South in das Rennen um den Divisionstitel einzugreifen.

Allerdings bringt das zweite NFL-Jahr auch neue Herausforderungen mit sich. Defenses haben inzwischen ausreichend Filmstudium betrieben und werden sich deutlich gezielter auf Shough vorbereiten. Hinzu kommt ein enorm gestiegener Erwartungsdruck. Statt als Überraschungsspieler von der Bank wird er nun als Gesicht der Franchise in die Saison gehen.

Gerade deshalb dürfte seine Entwicklung maßgeblich darüber entscheiden, in welche Richtung sich die Saison der Saints entwickelt.

Die Offensive besitzt enormes Potenzial

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Offense haben sich im Vergleich zur Vorsaison deutlich verbessert.

Besonders die Offensive Line wurde verstärkt. Mit Guard David Edwards kam zusätzliche Erfahrung hinzu, während Center Erik McCoy nach seiner Verletzung zurückkehrt. Gemeinsam mit den jungen Tackles Taliese Fuaga und Kelvin Banks Jr. könnte daraus eine der stabileren Offensive Lines der Liga entstehen – ein wichtiger Faktor, um Shough besser zu schützen.

Auch im Laufspiel verfügen die Saints über deutlich mehr Qualität. Mit Travis Etienne Jr. verpflichtete New Orleans einen Running Back, der in Jacksonville mehrfach die Marke von 1.000 Rushing Yards knackte. Zusammen mit Alvin Kamara könnte sich erneut ein vielseitiges Running-Back-Duo entwickeln, das der Offensive die nötige Balance verleiht.

Noch größer erscheint allerdings das Potenzial im Passspiel.

Chris Olave spielte 2025 die beste Saison seiner bisherigen Karriere und entwickelte bereits eine starke Verbindung zu Shough. Im NFL Draft sicherten sich die Saints zudem mit Jordan Tyson einen der talentiertesten Receiver seines Jahrgangs. Sollte Tyson den Sprung in die NFL schnell schaffen, könnte New Orleans erstmals seit rund zehn Jahren wieder über zwei Receiver verfügen, die jeweils mehr als 1.000 Receiving Yards erzielen.

Dass dieses Szenario durchaus realistisch erscheint, liegt auch an Head Coach Kellen Moore. Der Offensivstratege stellte bereits bei mehreren Teams unter Beweis, dass er seine Systeme flexibel an unterschiedliche Quarterbacks anpassen kann und regelmäßig produktive Offenses entwickelt.

Sollten alle Bausteine ineinandergreifen, besitzen die Saints das Potenzial, zu den offensiv stärkeren Teams der NFL zu gehören.

Im zweiten Jahr unter Head Coach Kellen Moore hoffen die New Orleans Saints auf den nächsten Entwicklungsschritt.
Im zweiten Jahr unter Head Coach Kellen Moore hoffen die New Orleans Saints auf den nächsten Entwicklungsschritt. | Quelle: IMAGO / Icon Sportswire

Auch die Defense macht Hoffnung

Während die Offensive für Schlagzeilen sorgen könnte, entwickelte sich auch die Defense im Verlauf der vergangenen Saison kontinuierlich weiter.

Vor allem die jungen Defensive Backs Jonas Sanker und Quincy Riley hinterließen als Rookies einen starken Eindruck. Gemeinsam mit Kool-Aid McKinstry soll das Trio künftig eine tragende Rolle in der Secondary übernehmen. Gerade McKinstry steht dabei vor einer richtungsweisenden Saison, nachdem seine ersten beiden NFL-Jahre von Licht und Schatten geprägt waren.

Im Linebacker-Corps gilt es dagegen, den schmerzhaften Abgang von Demario Davis aufzufangen. Mit Kaden Ellis kehrt zwar ein zuverlässiger Starter nach New Orleans zurück, doch langfristig hoffen die Saints vor allem auf den Entwicklungssprung von Danny Stutsman. Gelingt ihm dieser, könnte der personelle Umbruch deutlich schneller gelingen als erwartet.

Besonders spannend bleibt jedoch der Pass Rush.

Chase Young fand 2025 immer besser zu seiner alten Stärke zurück und erzielte erstmals zweistellig Sacks in einer Saison. Baut der ehemalige Nummer-zwei-Pick darauf auf, könnte er endgültig zu dem dominanten Edge Rusher werden, den viele Experten bereits beim NFL Draft erwartet hatten.

Unter der Leitung von Defensive Coordinator Brandon Staley scheint die Defensive insgesamt auf einem guten Weg zu sein. Eine Platzierung unter den besten zehn bis fünfzehn Defenses der Liga erscheint durchaus realistisch.

Diese Risiken könnten die Saison kippen

So viel Potenzial der Kader auch besitzt, die Risiken sind nicht zu übersehen.

Das größte Fragezeichen bleibt Tyler Shough selbst. In der NFL ist der sogenannte „Sophomore Slump“ längst kein unbekanntes Phänomen. Junge Quarterbacks erleben nach starken Rookie-Jahren nicht selten einen Rückschritt, sobald sich gegnerische Defenses besser auf sie einstellen können.

Sollte Shough diesen Entwicklungsschritt nicht gehen oder sogar stagnieren, würde sich die Quarterback-Frage schneller zurückmelden, als den Saints lieb sein dürfte.

Hinzu kommen einige gesundheitliche Unsicherheiten.

Jordan Tyson verpasste bereits im College mehrere Spiele aufgrund verschiedener Verletzungen. Auch Chris Olave und Erik McCoy mussten in den vergangenen Jahren immer wieder pausieren. Fällt einer dieser Schlüsselspieler über einen längeren Zeitraum aus, würde das die Qualität der Offensive erheblich beeinträchtigen.

Defensiv erscheint das Risiko zwar geringer, dennoch hängt auch hier vieles von den jungen Spielern ab. Sollten Sanker, Riley, McKinstry oder Stutsman ihre Entwicklung nicht fortsetzen, müsste New Orleans spätestens 2027 erneut größere Baustellen in Angriff nehmen.

Der Spielplan könnte früh die Richtung vorgeben

Auch der Spielplan spricht dafür, dass die Saints bereits früh zeigen müssen, wohin die Reise geht.

Zum Auftakt warten direkt zwei schwere Auswärtsspiele gegen die Detroit Lions und Baltimore Ravens. Anschließend steht zudem das internationale Spiel in Paris auf dem Programm. Später folgt eine anspruchsvolle Phase mit Auswärtsspielen in Chicago und Cincinnati sowie einem Heimspiel gegen die Green Bay Packers.

Ein erfolgreicher Saisonstart könnte der jungen Mannschaft enormes Selbstvertrauen verleihen. Gerät New Orleans dagegen früh unter Druck, dürfte sich zeigen, wie gefestigt das neue Trainer-Quarterback-Duo tatsächlich bereits ist.

Meinung von der Couch

Die Saints gehören für mich zu den spannendsten Teams der gesamten NFL-Saison 2026. Kaum eine Franchise besitzt eine größere Spannweite zwischen einer möglichen Überraschungssaison und einer erneuten Enttäuschung.

Am Ende läuft jedoch fast alles auf Tyler Shough hinaus. Entwickelt er sich tatsächlich zum Franchise Quarterback, verfügt New Orleans über genügend Talent, um die NFC South zu gewinnen und erstmals seit Jahren wieder ernsthaft um die Playoffs mitzuspielen. Bleibt dieser Entwicklungssprung jedoch aus, könnten die Saints schon in einem Jahr erneut auf der Suche nach Antworten auf der wichtigsten Position des Sports sein.

Genau diese Mischung aus Hoffnung und Unsicherheit macht New Orleans zu einem der faszinierendsten Teams der kommenden Saison.


Quelle: Canal Street Chronicles