
NFL Week 1 der Saison 2026 hat gehalten, was sich viele Fans erhofft hatten: ein Offensiv-Feuerwerk mit historischen Dimensionen. Bereits vor dem Sunday-Night-Duell zwischen den New York Giants und den Dallas Cowboys hatten die Teams kombiniert 702 Punkte erzielt – ein Schnitt von 50,1 Zählern pro Spiel und damit eines der punktereichsten Auftaktwochenenden der NFL-Geschichte. Nur 2012, mit 791 Punkten, lag die Liga noch höher. Zehn Teams knackten dabei die 30-Punkte-Marke – ein Wert, den seit 1986 nur zweimal mehr Teams erreicht haben.
Wer glaubte, das würde ein ruhiges Wochenende, wurde eines Besseren belehrt. Acht Partien gingen bis ins vierte Viertel mit einem Rückstand von maximal acht Punkten, sieben Teams, die 2025 die Playoffs verpasst hatten – darunter Arizona, Baltimore, Cincinnati, Detroit, Las Vegas, Minnesota und die New York Jets – feierten direkt zum Auftakt einen Sieg. Und sechs Franchises schafften es, bereits zur Halbzeit mindestens 24 Punkte auf dem Zähler zu haben, ein Bestwert für ein Week 1 in der NFL-Historie.
Chicago Bears zerlegen Carolina in Rekordmanier
Das statistische Aushängeschild des Wochenendes lieferten die Chicago Bears. Im 59:37-Sieg gegen die Carolina Panthers fielen kombiniert 96 Punkte – mehr als in jedem anderen Saisonauftakt der NFL-Geschichte. Der bisherige Rekord aus 2018 (88 Punkte zwischen Tampa Bay und New Orleans) wurde damit deutlich überboten.
Chicagos 59 Punkte reihen sich zudem in eine erlesene Liste ein: Nur die 1973er Atlanta Falcons (62 Punkte gegen die Saints) erzielten in einem Auftaktspiel mehr. Gleichauf mit den Bears liegen die 2019er Baltimore Ravens, die 1968er Dallas Cowboys und die 1963er Kansas City Chiefs. Dazu kamen sechs Rushing Touchdowns – ein Wert, den zuletzt Teams aus den 1920er-Jahren erreichten.
Im Zentrum des Chicagoer Erfolgs stand Quarterback Caleb Williams: 269 Passing Yards, zwei Touchdown-Pässe, eine Passer Rating von 124,1 – dazu 65 Yards und zwei Touchdowns mit den eigenen Beinen. Williams ist damit erst der vierte Quarterback der NFL-Geschichte, der in einem Spiel mindestens 250 Passing Yards, 50 Rushing Yards, zwei Touchdown-Pässe, zwei Rushing Touchdowns und eine Passer Rating von mindestens 120 kombinierte. In dieser Liste stehen sonst nur Josh Allen, Cam Newton und Michael Vick.
Derrick Henry nähert sich der Rushing-Touchdown-Spitze
Auch abseits von Chicago schrieb Week 1 Geschichte. Derrick Henry führte die Baltimore Ravens beim 41:23-Auswärtssieg in Indianapolis mit 144 Rushing Yards und drei Touchdowns an. Damit klettert Henry auf 125 Karriere-Rushing-Touchdowns und zieht an Hall-of-Famer Marcus Allen (123) vorbei – Rang drei der ewigen Bestenliste, hinter Emmitt Smith (164) und LaDainian Tomlinson (145).
Henry sammelte zudem sein 26. Karrierespiel mit mindestens 100 Rushing Yards und zwei Rushing Touchdowns und überholte damit Jim Brown und Tomlinson (je 25) als alleiniger Rekordhalter. Bei Spielen mit mindestens 100 Rushing Yards und drei Touchdowns steht er nun bei acht – nur Tomlinson (10) und Brown (neun) liefern in der NFL-Geschichte mehr solcher Auftritte.
Lions gewinnen Krimi, Gibbs und St. Brown liefern
Die Detroit Lions bezwangen die New Orleans Saints 31:30 in der Overtime – bereits das fünfte Mal in sechs Jahren, dass das Kickoff-Wochenende eine Verlängerung sieht. Running Back Jahmyr Gibbs steuerte 186 Scrimmage Yards und zwei Rushing Touchdowns bei und wurde damit erst der fünfte Spieler der NFL-Geschichte mit mindestens 50 Scrimmage Touchdowns in seinen ersten 50 Karrierespielen – eine Gesellschaft, in der sich unter anderem Hall-of-Famer Jim Brown befindet.
Wide Receiver Amon-Ra St. Brown trug mit zehn Catches für 67 Yards und zwei Touchdowns seinen Teil bei. Mit nunmehr zwölf Karrierespielen mit mindestens zehn Receptions reiht er sich neben Namen wie CeeDee Lamb und Julio Jones ein – lediglich Michael Thomas und Ja’Marr Chase liegen in den ersten sechs NFL-Jahren eines Spielers noch davor.
Josh Allen und Trevor Lawrence auf Rekordkurs
Auch bei den Buffalo Bills lief die Offensive rund: Josh Allen kam im 36:31-Erfolg über Houston auf 334 Passing Yards, zwei Touchdown-Pässe und eine Rating von 130,5, dazu zwei Rushing Touchdowns. Damit erreichte Allen als schnellster Quarterback der Liga-Geschichte die Marke von 300 kombinierten Passing- und Rushing-Touchdowns – schneller sogar als Aaron Rodgers.
Bei den Jacksonville Jaguars zeigte Trevor Lawrence eine nahezu perfekte Leistung: 18 von 23 Pässen, 245 Yards, vier Touchdowns, keine Interception, Passer Rating 150,6 beim 34:10 gegen Cleveland. Mit erst 26 Jahren steht Lawrence nun bei 102 Touchdown-Pässen und 23 Rushing Touchdowns – ein Club, dem sonst nur Josh Allen, Lamar Jackson und Cam Newton angehören.
Weitere Bestmarken aus NFL Week 1
Auch jenseits der großen Schlagzeilen häuften sich die Meilensteine:
- Justin Jefferson (Minnesota) knackte mit acht Receptions für 92 Yards und zwei Touchdowns die 8.500-Yards-Marke in nur 95 Karrierespielen – die drittschnellste Zeit der NFL-Geschichte.
- T.J. Watt (Pittsburgh) verbuchte zwei Sacks und einen Pick-Six beim 20:13 gegen Atlanta und steht nun bei 117 Sacks sowie zehn Interceptions – eine Kombination, die seit 1982 nur er und Hall-of-Famer Julius Peppers erreicht haben.
- Trey McBride (Arizona) kam auf neun Catches für 95 Yards und einen Touchdown beim Sieg gegen die L.A. Chargers.
- Jets-Rookie Kenyon Sadiq erzielte in seinem NFL-Debüt einen Rushing Touchdown – erst der zweite Tight End der Geschichte, dem das im ersten Karrierespiel gelang.
- Tampa-Bay-Rookie Josiah Trotter kombinierte in seinem Debüt einen Sack mit einem Pick-Six gegen Cincinnati – ein Novum seit Einführung der offiziellen Sack-Statistik 1982.
- Justin Herbert (L.A. Chargers) erreichte mit 209 Passing Yards die 25.000-Yards-Marke in nur 96 Spielen, schneller als etwa Peyton Manning oder Jared Goff.
Meinung von der Couch
Was für ein Auftakt. Wenn eine Liga an einem einzigen Wochenende so viele Rekorde pulverisiert, ist das kein Zufall mehr, sondern ein Trend. Die Defenses hinken den Offensivkonzepten spürbar hinterher, und Quarterbacks wie Caleb Williams oder Trevor Lawrence zeigen, wie weit sich das Positionsprofil in den letzten Jahren weiterentwickelt hat – Passing-Statistiken auf Elite-Niveau gepaart mit echter Laufgefahr. Besonders beeindruckend finde ich aber Derrick Henry: Mit 31 Jahren spielt er immer noch auf einem Niveau, das ihn in die Nähe der ganz großen Running-Back-Legenden bringt. Für die restliche Saison bedeutet dieses Kickoff-Wochenende vor allem eines: Wer auf spektakulären Football gehofft hat, wird 2026 auf seine Kosten kommen.
Quelle: Statistiken und Recherche der NFL Communications, veröffentlicht als „Seven from Sunday – Week 1“.