
Noch vor wenigen Jahren galt die Vorstellung als nahezu absurd: Patrick Mahomes, Josh Allen oder Joe Burrow im Trikot eines anderen Teams? Unvorstellbar.
Doch die vergangenen Monate haben gezeigt, dass selbst die größten NFL-Stars nicht mehr völlig unantastbar sind. Blockbuster-Trades um Micah Parsons, Myles Garrett, Sauce Gardner oder Quinnen Williams haben eindrucksvoll bewiesen, dass Teams inzwischen bereit sind, für absolute Topspieler enorme Mengen an Draftkapital zu investieren.
Genau deshalb hat sich ESPN-Experte Bill Barnwell bereits zum zweiten Mal einer spannenden Frage gewidmet: Welchen Gegenwert hätten die besten Spieler der NFL heute auf dem Trade-Markt?
Natürlich handelt es sich dabei um ein Gedankenexperiment. Es geht nicht darum, welche Stars ihre Teams tatsächlich verlassen könnten. Vielmehr versucht Barnwell einzuschätzen, wie viele Erstrundenpicks ein Spieler theoretisch wert wäre, wenn sich ein Team doch zu einem Trade entschließen würde. Dabei fließen nicht nur die individuelle Klasse eines Spielers ein, sondern auch Faktoren wie Alter, Vertrag, Position und die aktuelle Marktlage in der NFL.
Wenig überraschend kommt Barnwell zu dem Schluss, dass jedes der 32 NFL-Teams mindestens einen Spieler im Kader hat, der einen Erstrundenpick einbringen würde – schließlich sollte allein ein vielversprechender Erstrundenpick der vergangenen Jahre mindestens diesen Gegenwert besitzen. Wirklich spannend wird es aber erst an der Spitze des Rankings. Deshalb werfen wir einen Blick auf jene Superstars, für die NFL-Teams im Gegenzug gleich mehrere First-Round-Picks verlangen könnten.
Sieben Erstrundenpicks für die Elite der Quarterbacks
Dass Quarterbacks in der NFL den höchsten Gegenwert erzielen, dürfte niemanden überraschen. Franchise-Spielmacher sind das wertvollste Gut der Liga und können den Unterschied zwischen einem Playoff-Team und einem Super-Bowl-Anwärter ausmachen. Entsprechend überrascht es auch nicht, dass Bill Barnwell gleich zwei Quarterbacks in seine höchste Kategorie einordnet: Patrick Mahomes von den Kansas City Chiefs und Josh Allen von den Buffalo Bills. Beide wären in einem fiktiven Trade sieben Erstrundenpicks wert.
Patrick Mahomes – Kansas City Chiefs
Patrick Mahomes hat in seiner Karriere bereits nahezu alles erreicht, was ein Quarterback erreichen kann. Mehrere Super-Bowl-Siege, zahlreiche Rekorde und sein Ruf als einer der besten Playoff-Spieler der NFL machen den Chiefs-Star für viele zum wertvollsten Spieler seiner Generation.
Zwar bremste ihn 2025 ein Kreuzbandriss aus und mit seinem 31. Geburtstag im November gehört Mahomes nicht mehr zu den jüngsten Franchise-Quarterbacks der Liga. Dennoch geht Barnwell davon aus, dass kaum ein Team zögern würde, ein historisches Angebot auf den Tisch zu legen. Selbst nach seiner schweren Verletzung dürfte Mahomes noch viele Jahre auf absolutem Spitzenniveau spielen und damit das Gesicht einer Franchise sein.
Josh Allen – Buffalo Bills
Für Bill Barnwell steht Josh Allen aktuell sogar noch einen Tick höher im Kurs. Der Bills-Quarterback spielt seit Jahren auf absolutem Spitzenniveau und hat sich trotz fehlender Elite-Receiver zu einem der komplettesten Spielmacher der NFL entwickelt. Mit seinem starken Arm, seiner Athletik und seiner Gefährlichkeit als Läufer vereint Allen Fähigkeiten, die es in dieser Kombination kaum ein zweites Mal gibt.

Hinzu kommt seine beeindruckende Konstanz. Seit 2018 hat Allen kein einziges Spiel verletzungsbedingt verpasst und liefert Jahr für Jahr Leistungen auf MVP-Niveau ab. Erst vor einem Jahr unterschrieb der Bills-Quarterback einen neuen Vertrag, weshalb ein Trade praktisch ausgeschlossen ist.
Sollte Allen dennoch jemals auf dem Trade-Markt landen, wäre er laut Barnwell der wertvollste Spieler der gesamten NFL. Ob dafür am Ende sieben, acht oder sogar zehn Erstrundenpicks notwendig wären, lässt sich kaum seriös beantworten. Fest steht jedoch: Kein anderer Spieler würde auf dem Trade-Markt einen höheren Gegenwert erzielen.
Sechs Erstrundenpicks: Drake Maye jagt die Elite
Mit Drake Maye folgt auf der nächsten Stufe bereits der erste Spieler, der vielen Fans überraschen dürfte. Der Quarterback der New England Patriots wäre laut Bill Barnwell sechs Erstrundenpicks wert und liegt damit nur knapp hinter Patrick Mahomes und Josh Allen.
Drake Maye spielte 2025 eine herausragende zweite NFL-Saison und verpasste die Wahl zum MVP nur knapp. Für Barnwell ist das der Beleg, dass die Patriots ihren lang ersehnten Franchise-Quarterback gefunden haben. Mit gerade einmal 23 Jahren bringt Maye zudem einen enormen Altersvorteil gegenüber den etablierten Superstars der Liga mit.
Neben seinen sportlichen Qualitäten spielt auch die Vertragssituation eine entscheidende Rolle. Maye befindet sich noch auf seinem Rookie-Vertrag und kann frühestens in einem Jahr eine Vertragsverlängerung unterschreiben. Dadurch genießen die Patriots noch mehrere Jahre finanzielle Flexibilität, bevor ihr Quarterback aller Voraussicht nach zum bestbezahlten Spieler der NFL aufsteigen wird.

Barnwell geht sogar so weit zu sagen, dass Maye aufgrund seines jungen Alters theoretisch noch wertvoller sein könnte als Josh Allen. Einziger kleiner Dämpfer bleibt für ihn die bislang überschaubare Erfahrung in den Playoffs. Dort konnte Maye bislang nicht ganz an seine überragenden Leistungen aus der Regular Season anknüpfen.
Dennoch steht für Barnwell fest: Drake Maye gehört schon heute zu den wertvollsten Spielern der gesamten NFL – und könnte in den kommenden Jahren sogar noch weiter an Wert gewinnen.
👉 Siehe auch: Warum Drake Maye seine Beinahe-MVP-Saison toppen kann
Vier Erstrundenpicks – Herbert sogar mit Aufschlag
Nach Drake Maye folgt die nächste Stufe mit drei weiteren Franchise-Quarterbacks. Joe Burrow, Caleb Williams und Justin Herbert wären laut Bill Barnwell jeweils vier Erstrundenpicks wert. Bei Herbert geht Barnwell sogar noch einen Schritt weiter: Er versieht ihn mit dem Zusatz „More“ – was bedeutet, dass neben den vier First-Round-Picks wohl noch weiteres Draftkapital, etwa in Form von Zweit- oder Drittrundenpicks, notwendig wäre.
Justin Herbert – Los Angeles Chargers
Justin Herbert gilt seit Jahren als einer der talentiertesten Passgeber der NFL. Zwar wartet der Chargers-Quarterback noch immer auf seine erste MVP-Saison, doch sein außergewöhnlicher Wurfarm und seine spielerischen Fähigkeiten machen ihn für nahezu jedes Team zu einem Wunschspieler.

Mit 28 Jahren ist Herbert zudem etwas jünger als Patrick Mahomes und Josh Allen. Sorgen bereiten lediglich seine Verletzungshistorie, auch wenn er immer wieder bewiesen hat, dass er selbst angeschlagen auf höchstem Niveau spielen kann. Genau dieser kleine Altersvorteil sorgt laut Barnwell dafür, dass Herbert im Trade-Ranking knapp vor Joe Burrow landet und sogar zusätzliches Draftkapital neben vier Erstrundenpicks kosten würde.
Joe Burrow – Cincinnati Bengals
Joe Burrow gehört ohne Frage zu den besten Quarterbacks der NFL. Sollte der Bengals-Star jemals auf dem Trade-Markt landen, wäre ein historisches Angebot nahezu garantiert.
Barnwell verweist dabei auf den Trade von Deshaun Watson im Jahr 2022, für den die Cleveland Browns drei Erstrundenpicks sowie weitere Draftpicks nach Houston schickten. Trotz dieses gewaltigen Pakets hält Barnwell Burrow für noch wertvoller. Anders als Watson bringt Burrow keine vergleichbaren Nebengeräusche oder Unsicherheiten mit. Allerdings spielen sein Alter – Burrow wird im Dezember 30 Jahre alt – sowie mehrere Verletzungen in den vergangenen Jahren bei der Bewertung eine Rolle.
Sein Fazit: Vier Erstrundenpicks sowie zusätzliches Draftkapital aus den späteren Runden wären ein realistischer Gegenwert für einen der besten Quarterbacks der Liga.
Caleb Williams – Chicago Bears
Mit Caleb Williams schafft es auch der jüngste Quarterback dieser Kategorie in Barnwells Vier-Picks-Tier. Der Bears-Spielmacher zeigte 2025 zwar noch nicht durchgehend konstante Leistungen, machte in seiner zweiten NFL-Saison aber deutliche Fortschritte und untermauerte sein enormes Potenzial.
Besonders wertvoll macht Williams sein Alter. Mit erst 24 Jahren und noch mehreren Jahren auf seinem Rookie-Vertrag verbindet er großes Entwicklungspotenzial mit finanzieller Flexibilität. Genau deshalb sieht Barnwell den ehemaligen USC-Star bereits deutlich über einem einzelnen Erstrundenpick und traut ihm langfristig den Sprung in die absolute Elite der NFL zu.
Drei Erstrundenpicks für jede Menge Potenzial
Mit der nächsten Kategorie verlassen wir langsam die absolute Elite der NFL. Dennoch wären auch Jayden Daniels, Jordan Love und Fernando Mendoza für die meisten General Manager nahezu unbezahlbar. Während Daniels trotz einer durchwachsenen Saison bereits bewiesen hat, dass er eine Franchise tragen kann, besitzt Mendoza als frisch gedrafteter Quarterback vor allem enormes Entwicklungspotenzial. Entsprechend sieht Bill Barnwell beide bei drei Erstrundenpicks, Daniels sogar mit zusätzlichem Draftkapital.
Jayden Daniels – Washington Commanders
Nach seiner beeindruckenden Rookie-Saison konnte Jayden Daniels 2025 nicht ganz an seine Leistungen anknüpfen. Mehrere Verletzungen bremsten den Commanders-Quarterback aus und verhinderten, dass er seine Entwicklung wie erhofft fortsetzen konnte.

Dennoch genießt Daniels ligaweit weiterhin hohes Ansehen. Bereits 2024 führte er Washington eindrucksvoll zurück in die Erfolgsspur und zeigte, warum viele Experten ihn für einen der aufregendsten jungen Quarterbacks der NFL halten. Gleichzeitig wurden durch seine Verletzungen aber auch die Sorgen bestätigt, die einige Scouts bereits vor dem Draft wegen seines vergleichsweise schmalen Körperbaus geäußert hatten.
Trotz dieser Fragezeichen wäre Daniels laut Barnwell drei Erstrundenpicks sowie weiteres Draftkapital wert – ein klares Zeichen dafür, wie hoch die Liga sein Potenzial weiterhin einschätzt.
Jordan Love – Green Bay Packers
Jordan Love gehört zu den am meisten unterschätzten Quarterbacks der Liga. Zwar endeten die vergangenen Spielzeiten der Packers jeweils früher als erhofft, doch individuell spielte Love laut Barnwell auf konstant hohem Niveau.
Nach einem holprigen Start als Starter entwickelte sich der Packers-Quarterback zu einem der effizientesten Spielmacher der NFL und führte die Liga über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren sogar im Total QBR an. Zwar leistet sich Love immer wieder spektakuläre Interceptions, insgesamt liegt seine Interception-Quote jedoch sogar unter dem Ligadurchschnitt. Hinzu kommt, dass ihm bislang ein echter Nummer-eins-Receiver fehlte.
Für Barnwell steht deshalb fest: Jordan Love ist längst ein Franchise-Quarterback – und entsprechend drei Erstrundenpicks wert.
Fernando Mendoza – Las Vegas Raiders
Noch spannender ist die Bewertung von Fernando Mendoza. Vor Beginn der College-Saison 2025 galt der spätere First Overall Pick vielerorts noch nicht einmal als sicherer Erstrundenkandidat. Nach seinem Wechsel zu Indiana spielte sich der Quarterback jedoch in kürzester Zeit in den Mittelpunkt des College Football.
Mit durchschnittlich mehr als neun Yards pro Passversuch führte Mendoza die Hoosiers überraschend zur National Championship und machte einen ähnlichen Entwicklungssprung wie einst Joe Burrow vor seinem Aufstieg zum First Overall Pick.
Für Barnwell ist jedoch nicht nur Mendozas Talent entscheidend. Als Rookie steht er seinem neuen Team noch viele Jahre zu vergleichsweise geringen Kosten zur Verfügung. Genau diese Kombination aus Potenzial, Alter und finanzieller Flexibilität macht den Raiders-Quarterback bereits heute drei Erstrundenpicks wert. Barnwell ist sogar überzeugt, dass Las Vegas den First Overall Pick niemals für lediglich zwei späte Erstrundenpicks abgegeben hätte.
👉 Siehe auch: Fernando Mendoza: Aufstieg eines Ausnahme‑Quarterbacks
Zwei Erstrundenpicks (und mehr): Hier wird es bunt
Ab dieser Stufe verlässt Bill Barnwell die Welt der reinen Quarterbacks. Zwar finden sich mit Lamar Jackson, Trevor Lawrence, Cam Ward und C.J. Stroud weiterhin einige der wertvollsten Spielmacher der NFL in diesem Tier, doch erstmals dominieren auch zahlreiche Stars anderer Positionen das Ranking.
Dass Lamar Jackson hier nur in der Kategorie von zwei Erstrundenpicks auftaucht, dürfte dabei durchaus für Diskussionen sorgen. Der zweifache MVP gehört für viele Fans und Experten nach wie vor zu den besten Quarterbacks der Liga. Persönlich hätte ich ihn deshalb sogar noch eine Stufe höher eingeordnet.
Auch offensiv tummeln sich einige der größten Namen der NFL. Bei den Wide Receivern schaffen es Justin Jefferson, Ja’Marr Chase und Jaxon Smith-Njigba in diese Kategorie, während mit Tristan Wirfs, Joe Alt und Penei Sewell gleich drei Offensive Tackles vertreten sind, die ihre Position über Jahre hinweg prägen könnten.

Auf der defensiven Seite wird schnell deutlich, wie wertvoll dominante Pass Rusher inzwischen geworden sind. Myles Garrett, Micah Parsons, Will Anderson Jr. und Abdul Carter stehen stellvertretend für die Elite – oder für Spieler, denen viele Experten genau diesen Status in den kommenden Jahren zutrauen.
Im Defensive Backfield gehören Patrick Surtain II, Sauce Gardner, Christian Gonzalez und Kyle Hamilton zu den wenigen Verteidigern außerhalb der Pass-Rush-Positionen, denen Barnwell einen derart hohen Marktwert zuschreibt. Auffällig ist außerdem, dass mit Jalen Carter lediglich ein einziger Defensive Lineman den Sprung in dieses Tier geschafft hat.
Spätestens diese Kategorie zeigt eindrucksvoll, wie schwer es selbst absolute Weltklassespieler abseits der Quarterback-Position haben, in Regionen von drei oder gar vier Erstrundenpicks vorzustoßen. Quarterbacks bleiben auf dem Trade-Markt schlicht die wertvollste Währung der NFL.
Wer ist mindestens einen Erstrundenpick wert?
Natürlich endet Barnwells Ranking hier noch lange nicht. Insgesamt stuft er für jedes der 32 NFL-Teams die wertvollsten Spieler ein und zeigt, welche Profis im Falle eines – rein hypothetischen – Trades mindestens einen Erstrundenpick wert wären.
Wer also wissen möchte, welche Spieler diese Grenze ebenfalls erreichen oder welche wertvollsten Trade-Assets das eigene Lieblingsteam besitzt, sollte unbedingt einen Blick in Barnwells Originalartikel „2026 NFL Trade Tiers: Players Worth Round 1 Picks by Team“ werfen. Auf alle weiteren Namen würde an dieser Stelle allerdings den Rahmen sprengen.
Meinung von der Couch
Natürlich bleibt ein solches Ranking immer subjektiv. Genau das macht die Übung aber auch so spannend. Während sich über Patrick Mahomes oder Josh Allen an der Spitze wohl kaum streiten lässt, dürften vor allem die Einordnungen von Lamar Jackson, Drake Maye oder auch Fernando Mendoza für reichlich Diskussionen sorgen.
Für mich zeigt das Ranking vor allem, wie groß der Abstand zwischen Quarterbacks und allen anderen Positionen inzwischen geworden ist. Selbst absolute Ausnahmespieler wie Ja’Marr Chase, Myles Garrett oder Patrick Surtain II erreichen „nur“ die Kategorie von zwei Erstrundenpicks, während mehrere Quarterbacks noch einmal deutlich darüber liegen. Das unterstreicht einmal mehr, dass es in der NFL keine wertvollere Position gibt als den Franchise-Quarterback.
Realistisch werden wir einen Trade über sechs oder gar sieben Erstrundenpicks wohl niemals erleben. Zum einen begrenzen die NFL-Regeln, wie weit Teams Draftpicks in die Zukunft traden dürfen, zum anderen würde ein solches Paket eine Franchise über Jahre hinweg ihrer wichtigsten Ressourcen berauben. Gerade deshalb ist Barnwells Ranking kein realistisches Trade-Szenario, sondern vielmehr ein spannendes Gedankenexperiment darüber, welchen Wert die größten NFL-Stars tatsächlich besitzen. Und genau das macht diese Liste so lesenswert.