Drake Maye im Patriots-Trainingscamp – hier soll der nächste Schritt zur MVP-Saison beginnen.
Drake Maye im Patriots-Trainingscamp – hier soll der nächste Schritt zur MVP-Saison beginnen. | Quelle: IMAGO / Icon Sportswire

Nach einer beinahe historischen Saison richtet sich der Blick in Foxborough bereits auf das nächste Kapitel. Kann Drake Maye seine MVP-würdige Spielzeit sogar noch toppen? Die Voraussetzungen dafür waren selten so gut.

Es geht schnell unter nach dem enttäuschenden Super-Bowl-Auftritt, aber die New England Patriots hatten in der vergangenen Saison die beste Offense der gesamten NFL. Liga-Bestwerte bei Expected Points Added pro Spielzug, bei EPA pro Dropback, bei der Passing Success Rate und beim Anteil explosiver Spielzüge, dazu Rang zwei bei Punkten pro Spiel und Yards pro Spielzug – die Zahlen sprechen für sich.

Der wichtigste Grund für diesen Sprung hatte einen Namen: Drake Maye. In seinem zweiten NFL-Jahr wurde er Zweiter der MVP-Wahl, und es lässt sich durchaus vertreten, dass er sie eigentlich hätte gewinnen müssen. Er führte die Liga in Completion Percentage, Yards pro Passversuch und Passer Rating an – und das mit einem Supporting Cast, der bestenfalls durchschnittlich war.

Genau das ist der Grund, warum der Blick auf die kommende Saison mit so viel Vorfreude verbunden ist. Die Logik dahinter ist simpel: Wenn Maye das schon mit einem mittelmäßigen Umfeld geschafft hat, was ist dann in dieser Saison möglich, wo Offensive Line, Laufspiel und Receiver-Corps auf dem Papier allesamt deutlich stärker aufgestellt sind? Kaum ein Spieler steht vor einem Trainingscamp so sehr im Fokus wie der Quarterback. Für Drake Maye gilt das in diesem Jahr ganz besonders.


👉 Du möchtest dein Football-Wissen erweitern? Dann wirf einen Blick in unser Football-Lexikon „American Football von A wie Audible bis Z wie Zone Defense“.


Der Weg bis hierhin

Mayes Weg zu den Patriots ist bekannt. Als eines der besten College-Talente des Landes entschied er sich gegen Alabama und blieb für sein Studium in seiner Heimat North Carolina. Vor dem Draft 2024 war lange offen, ob er oder Jayden Daniels hinter Caleb Williams als Nummer zwei gezogen werden würde. Die Patriots, die an Position drei picken sollten, wären mit beiden zufrieden gewesen. Am Ende fiel Maye zu ihnen.

Sein Rookie-Jahr fiel in eine denkbar schwierige Phase der Franchise, mit ausgedünntem Kader und einem überforderten Trainerstab. Trotzdem war früh erkennbar, dass die Grundlagen für einen Top-Quarterback vorhanden waren – es fehlte schlicht an konsequenter Entwicklung. Genau die kam mit der vergangenen Saison, als Mike Vrabel als Head Coach übernahm und Josh McDaniels die Offense leitete. Nach diesem Trainer-Upgrade bekommt Maye nun zusätzlich noch spürbar mehr Talent um sich herum.

Die Offseason von Drake Maye im Rückblick

Eine im Playoff erlittene Schulterverletzung an seinem Wurfarm machte glücklicherweise keine Operation nötig. Öffentlich hat sich Maye trotz des Erfolgsjahres eher zurückgehalten. Bei den freiwilligen Team-Einheiten war er durchgehend anwesend und zeigte dabei starke Ansätze, aber auch einige untypische Aussetzer – wobei ein paar Frühjahrspraxiseinheiten ohnehin wenig Aussagekraft für die eigentliche Saison haben.

Aufschlussreicher war, woran der Trainerstab mit ihm gearbeitet hat: Ziel war, dass Maye die Offense noch eigenständiger kontrolliert. Dafür ließ man ihn im Training zeitweise ganz ohne vorgegebenen Spielzug agieren, damit er allein anhand der gegnerischen Formation entscheiden musste, welches Play zum Einsatz kommt.

Der X-Faktor: Kontinuität

Bemerkenswert ist ein Detail, das leicht übersehen wird: Erstmals seit der High School spielt Maye zwei Jahre in Folge im selben Scheme mit demselben Koordinator. In seinem Rookie-Jahr arbeitete er noch mit Alex Van Pelt, davor an der University of North Carolina in zwei Startjahren mit zwei unterschiedlichen Coordinators. Diese neu gewonnene Kontinuität mit McDaniels dürfte sich gerade zu Saisonbeginn als Vorteil erweisen, selbst wenn ihr Effekt im Saisonverlauf an Bedeutung verlieren mag.

Gründe für Optimismus

Es fällt schwer, an Maye einen Aspekt des Quarterback-Spiels zu finden, bei dem es keinen Grund zum Optimismus gibt. Er ist ein präziser Passer, wirft einen starken Deep Ball, ist als Scrambler gefährlich, und Coaches loben regelmäßig seine Reife und sein Verständnis komplexer Schemes – bemerkenswert für einen erst 23-Jährigen. Dazu kommt ein Roster, das mit den Verpflichtungen von A.J. Brown und Romeo Doubs auf dem Papier deutlich stärker geworden ist. Kurz gesagt: Die Voraussetzungen dafür, dass Maye seine starke Vorsaison bestätigt oder sogar noch übertrifft, waren selten besser.

Gründe zur Vorsicht

Objektiv betrachtet gehört auch dazu: Ein Rückschritt wäre nichts Ungewöhnliches. Nach einem Jahr, in dem Maye überzeugt hat und nun mit besserem Umfeld ins gleiche System zurückkehrt, fällt es schwer, sich das vorzustellen – aber selbst die größten Quarterbacks mussten nach außergewöhnlichen Spielzeiten schon Rückschläge hinnehmen. Zwei MVP-würdige Jahre in Folge sind historisch eher die Ausnahme als die Regel.

Der zweite Punkt betrifft seine Gesundheit. Mayes Effektivität als Scrambler war 2025 einer der Schlüssel zu seinem Erfolg, gleichzeitig muss er lernen, Kontakt gezielter zu vermeiden, etwa durch bessere Slides oder das konsequentere Verlassen des Spielfelds. Die Schulterverletzung aus den Playoffs sollte für die neue Saison kein Thema mehr sein, unterstreicht aber, wie wichtig es ist, unnötige Treffer zu vermeiden.

Worauf im Trainingscamp zu achten ist

Im vergangenen Jahr baute Maye zügig Chemie mit einer neuen Receiver-Gruppe rund um Stefon Diggs auf. Jetzt braucht es das Gleiche mit Brown und Doubs. Besonders die Verbindung zu Brown wird spannend zu beobachten sein, da dieser als vergleichsweise später Zugang bislang nur wenige gemeinsame Trainingseinheiten mit dem Team absolviert hat. Die Patriots haben einen erheblichen Teil ihrer Hoffnungen für 2026 auf eine dominante Verbindung zwischen Maye und Brown gesetzt. Wie schnell sich diese Chemie einstellt, sobald das Trainingscamp in gut einer Woche beginnt, dürfte einer der spannendsten Nebenschauplätze der gesamten Liga werden.

Meinung von der Couch

Bei aller gebotenen Vorsicht vor Regression – als Patriots-Fan fällt es mir schwer, in diesem Fall nicht optimistisch zu sein. Maye hat im vergangenen Jahr mit einem durchschnittlichen Umfeld gezeigt, wozu er fähig ist. Jetzt bekommt er mit Brown, Doubs, einer verbesserten Offensive Line und einem eingespielten System praktisch alles, was in der Debatte um seine MVP-Chancen bislang als Gegenargument diente. Sollte er seine Leistungen aus der Vorsaison bestätigen und gemeinsam mit dem verbesserten Kader den nächsten Schritt machen, dürfte er erneut zu den aussichtsreichsten Kandidaten im MVP-Rennen gehören. Der Ball liegt jetzt bei ihm.

Und wir von Couch Quarterback freuen uns schon jetzt darauf, ihn live zu erleben: Am 15. November treffen die Patriots in der Allianz Arena in München auf die Detroit Lions. Für uns ist das eine der spannendsten Partien der Saison – und die perfekte Gelegenheit, Drake Maye erstmals vor Ort zu sehen.