Im MetLife Stadium wird normalerweise auf Kunstrasen gespielt. Für die FIFA-Weltmeisterschaft wurde der Untergrund jedoch durch Naturrasen ersetzt.
Im MetLife Stadium wird normalerweise auf Kunstrasen gespielt. Für die FIFA-Weltmeisterschaft wurde der Untergrund jedoch durch Naturrasen ersetzt. | Quelle: IMAGO / Propaganda Photo

Die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026 ist Geschichte, aber die Diskussionen unter den NFL-Spielern über den von ihnen ungeliebten Artificial Turf in vielen NFL-Stadien nehmen unter dem Hashtag #WorthTheCost weiter an Fahrt auf.

Die Nachricht, dass sieben NFL-Stadien für die WM mit Naturrasen ausgestattet wurden, hat in der Welt des professionellen American Footballs für viel Gesprächsstoff gesorgt.

Sie belebte eine seit Langem geführte Debatte über den idealen Spielfeldbelag neu und wirft die Frage auf, warum dieser Standard für ein internationales Fussballturnier umgesetzt wurde, für die eigenen NFL-Profis jedoch (zu) selten möglich ist.


Die Forderung der Spieler: #WorthTheCost als klares Statement pro Naturrasen

Diese temporären Raseninstallationen, wie sie unter anderem im MetLife Stadium in New Jersey – dem Austragungsort des WM-Finals – vorgenommen wurden, haben zahlreiche NFL-Spieler dazu veranlasst, ihre Bedenken und Wünsche öffentlich zu machen.

Nachdem das Gillette Stadium der New England Patriots den für die WM verlegten Naturrasen wieder entfernt hatte, richtete sich der ehemalige Packers-Offensive-Lineman David Bakhtiari mit einem Beitrag auf X (ehemals Twitter) direkt an die NFL:

„Tell me you don’t care about player’s safety, without telling you don’t care about player’s safety?

Auch Laremy Tunsil, Offensive Tackle der Washington Commanders, schrieb auf X:

„If stadiums can make grass work for the World Cup, they can make it work for NFL players. We’re #WorthTheCost.“

Zaire Franklin, Linebacker der Green Bay Packers, ergänzte:

„The cost of doing nothing is paid for by players’ bodies. Make grass mandatory. #WorthTheCost.“


Die Position der NFL Players Association

Die NFL Players Association (NFLPA) sieht in der Bereitschaft zum Verlegen von Naturrasen für die Weltmeisterschaft einen Beleg dafür, dass es sich bei der Wahl des Untergrunds nicht um mangelnde Machbarkeit oder fehlende Ressourcen handelt, sondern um eine bewusste Entscheidung der Teambesitzer. Die NFLPA betont, dass sowohl die Technologie als auch das Fachwissen und die finanziellen Mittel vorhanden seien, um hochwertige Naturrasenfelder zu installieren, die von den Spielern mehrheitlich bevorzugt werden.

Laut einer von der NFLPA veröffentlichten Spielerumfrage bevorzugen 92 Prozent der NFL-Spieler Naturrasen. Zudem verweist die Spielergewerkschaft auf Studien, die auf ein erhöhtes Verletzungsrisiko auf Kunstrasen hindeuten. Die erhöhte Anzahl schwerer Verletzungen bei Schlüsselspielern in der vergangenen NFL-Saison hat diese Diskussion zusätzlich befeuert.


Hintergründe der Rasenwahl: Mehr als nur Oberflächenkosmetik

Bevor man jedoch voreilige Schlüsse zieht, ist es wichtig, die komplexen Nutzungsstrukturen der modernen NFL-Stadien zu betrachten. Die Entscheidung für oder gegen Naturrasen ist oft in einem grösseren Kontext zu sehen.

Die multifunktionale Rolle von NFL-Stadien

Im Gegensatz zu vielen reinen Fussballstadien in Europa, die primär für den Spielbetrieb konzipiert sind, dienen die Arenen der NFL häufig als multifunktionale Eventzentren. Sie sind Schauplatz einer Vielzahl von Veranstaltungen, darunter grosse Konzerte, Rodeos, Monster Jams oder die WrestleMania. Das AT&T Stadium der Dallas Cowboys ist hierfür ein prominentes Beispiel: Es ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet und beherbergt bis zu 400 grössere und kleinere Veranstaltungen.

Selbst ein Team, das die Playoffs erreicht, kommt pro Saison lediglich auf rund 12 bis 13 Heimspiele (einschliesslich Preseason und möglicher Playoffs). Ein europäisches Fussballstadion hingegen – beispielsweise Old Trafford von Manchester United oder die Allianz Arena des FC Bayern München – kommt durch Liga-, Pokal- und Europapokalspiele häufig auf mehr als doppelt so viele Heimspiele und ist nur für wenige Wochen im Sommer spielfrei.

Ein empfindlicher Naturrasen wäre unter dieser intensiven und vielseitigen Belastung sowie den erforderlichen Umbauarbeiten einem erheblichen Verschleiss ausgesetzt. Dies würde nicht nur einen hohen Pflegeaufwand, sondern auch erhebliche Kosten für Wartung und regelmässigen Austausch verursachen.

Die FIFA konnte für ihre WM-Spiele Naturrasen zur Bedingung machen – eine Vorgabe, der die NFL-Stadien ohne Widerstand nachkamen. Die NFL selbst hat sich zur #WorthTheCost-Kampagne ihrer Spieler bislang nicht offiziell geäussert.


Ausblick: Wird sich der Standard verändern?

Die entscheidende Frage bleibt, ob diese internationalen Fussball-Veranstaltungen als Impuls für einen dauerhaften Wandel in der NFL dienen könnten. Werden die Teambesitzer künftig trotz der komplexen Nutzungsszenarien Wege finden, die Spielergesundheit stärker zu priorisieren und Naturrasen als Investition in die Zukunft des Sports zu betrachten?

Der FIFA Club World Cup hat gezeigt, dass ein temporärer Umbau auf Naturrasen technisch und logistisch umsetzbar ist.

Es bleibt dennoch abzuwarten, ob sich hier eine nachhaltige Entwicklung abzeichnet und ob die Forderung der Spieler nach Naturrasen in der NFL langfristig erhört wird.

Meinung von der Couch

Die Wahl des Spielfeldbelags ist letztendlich nicht ausschliesslich eine Frage der reinen Kosten für den Rasen selbst, sondern eine umfassende Abwägung von Nutzbarkeit, Haltbarkeit und vor allem Wirtschaftlichkeit im Rahmen eines dicht getakteten Event-Kalenders der NFL-Stadien.

Es ist vermutlich davon auszugehen, dass die nachvollziehbaren Wünsche der NFL-Stars nicht erfüllt werden und die ein oder andere (schwere) Verletzung von den Team-Ownern weiterhin in Kauf genommen wird.