Aaron Donald feierte 2022 den Super-Bowl-Triumph mit den Rams in Los Angeles – jetzt könnte er den großen Coup wiederholen
Aaron Donald feierte 2022 den Super-Bowl-Triumph mit den Rams in Los Angeles – jetzt könnte er den großen Coup wiederholen | Quelle: IMAGO / ZUMA Press Wire

Was vor einigen Wochen noch nach einem absurden Gerücht klang, ist jetzt Realität: Aaron Donald ist zurück im Football-Geschäft – bei den Los Angeles Rams, dem einzigen Team, für das er je gespielt hat. Nach seinem Rücktritt im März 2024 zieht es den dreifachen Defensive Player of the Year noch einmal auf den Rasen, mit einem klaren Ziel vor Augen: der Super Bowl.

Am Sonntag stand Donald erstmals wieder im Trainingsanzug mit der Nummer 99 auf dem Übungsfeld der Rams. Wenige Tage zuvor hatte er sich auf einen Einjahresvertrag über 20 Millionen Dollar geeinigt, der durch Playoff-Boni auf bis zu 30 Millionen Dollar anwachsen kann. Über den Deal berichteten zuerst ESPNs Adam Schefter und Ian Rapoport von NFL Network.

🚨 🚨 🚨

He’s back: Rams star Aaron Donald is coming out of retirement and returning to the Rams on a one-year, $20M deal that with incentives could be worth up to $30M, per @rapsheet and me.

After two seasons away, Donald now will join forces with Myles Garrett, giving the… pic.twitter.com/LO2SoKHFwG

— Adam Schefter (@AdamSchefter) August 30, 2026

Ein langer Entscheidungsprozess

Ganz freiwillig und spontan fiel die Entscheidung nicht. Donald selbst sprach von einem langen Prozess, der bereits 13 bis 14 Wochen vor der offiziellen Bekanntgabe begonnen habe. Über Monate habe er beinahe täglich mit Head Coach Sean McVay telefoniert oder sich mit ihm ausgetauscht.

Donald machte deutlich, dass die Rückkehr für ihn keine halben Sachen bedeuten könne. Wer sich einmal entscheide, zurückzukommen, sei komplett dabei – ein Zwischenweg komme für ihn nicht infrage. Erst als er das Gefühl gehabt habe, zu 100 Prozent für den Football bereit zu sein, sei der Entschluss gefallen. Zwar sei er über weite Strecken hin- und hergerissen gewesen, doch seit etwa zwei Wochen habe für ihn festgestanden, dass er zurückkehren wolle.

Auch privat spielte die Entscheidung eine große Rolle: Donald genoss zuletzt sein Leben als Medienpersönlichkeit und Familienvater. Doch der Ehrgeiz und die Entwicklungen rund um sein früheres Team ließen ihn offenbar nicht los.

Comebacks aus dem Ruhestand sind in der NFL selten, aber nicht beispiellos – einen Überblick über weitere spektakuläre Fälle gibt es hier: 10 spannende NFL Comebacks – Zurück aus dem Ruhestand.

Der Auslöser: Der radikale Umbau der Rams-Defense

Was Donald am Ende überzeugte, war der ambitionierte Umbau des Rams-Kaders in der Offseason. Zunächst verkündete Quarterback Matthew Stafford, für eine 18. NFL-Saison weiterzumachen – frisch nach seiner ersten MVP-Auszeichnung. Kurz darauf folgte der Trade für Cornerback Trent McDuffie sowie die Verpflichtung von Jaylen Watson.

Den entscheidenden Impuls lieferte jedoch ein anderer Transfer: Die Rams tauschten mit den Cleveland Browns den amtierenden Defensive Player of the Year Myles Garrett ein – ein Spieler, der zuletzt mit 23 Sacks einen NFL-Rekord aufgestellt hatte.

Donald beschrieb, wie sehr ihn dieser Move beeindruckt habe. Schon zuvor habe er die Defensive Line mit Spielern wie Jared Verse für stark gehalten, doch mit einem Ausnahmetalent wie Garrett zusätzlich in der Reihe habe er sich vorgestellt, wie viel Spaß das machen könnte. Auch die Verstärkungen im Secondary hätten ihm gezeigt, dass dieses Team – mit oder ohne ihn – komplett sei.

Um wieder auf ein wettkampftaugliches Niveau zu kommen, reaktivierte Donald sein altes Trainingsprogramm. Er holte sich seinen Sprinttrainer aus Highschool-Zeiten zurück nach Los Angeles und dokumentierte jede Bewegung – von jedem Antritt bis zur Hüftrotation. Teamkollege Desjuan Johnson, der gemeinsam mit Donald trainierte, bestätigte den Eindruck: Donald wirke sogar noch schneller und hungriger als zuvor.

pic.twitter.com/fIAFPIm61f

— Los Angeles Rams (@RamsNFL) August 30, 2026

Rückkehr mit Segen der Familie – und Blick auf den Super Bowl

Auch der bevorstehende Super Bowl LXI im SoFi Stadium spielte für Donald eine Rolle. Genau dort hatte er nach der Saison 2021 mit einem entscheidenden Pressure gegen Joe Burrow den Titelgewinn der Rams besiegelt. Die Aussicht, den Super Bowl erneut vor heimischem Publikum auszutragen, habe ihn zusätzlich gereizt.

Head Coach McVay betonte, dass niemand von Donald ein Comeback verlangt habe. Er habe über zehn Jahre hinweg alles in dieses Spiel und seine Mitspieler investiert – wer so viel gebe, dürfe auch für sich in Anspruch nehmen, nach zehn Jahren zufrieden und komplett zu sein. Umso bemerkenswerter sei es, dass Donald sich dennoch für die Rückkehr entschieden habe, mit dem Segen seiner Frau im Rücken.

Donald selbst ließ keinen Zweifel daran, dass er sich körperlich weiterhin in der Lage sieht, auf höchstem Niveau zu spielen. Er sei nach wie vor er selbst – sonst wäre er gar nicht erst zurückgekehrt. Es gehe jetzt vor allem darum, den Rost abzuschütteln, wieder ins 11-gegen-11-Spiel hineinzufinden und sein Gespür für bestimmte Situationen zurückzugewinnen.

Einsatz in Australien noch offen für Aaron Donald

Wann genau Donald sein Comeback tatsächlich geben wird, ist weiterhin unklar. Am Sonntag absolvierte er zunächst nur individuelle Übungen. McVay erklärte, das Team werde die Entscheidung Tag für Tag treffen und dabei genau abwägen, ob ein Einsatz bereits zum Saisonauftakt sinnvoll sei.

Diese Frage hat durchaus Brisanz: Die Rams eröffnen die Saison in Week 1 auswärts gegen die San Francisco 49ers – und zwar nicht irgendwo, sondern in Melbourne, Australien. Ob Donald diese weite Reise für sein erstes Spiel seit fast zwei Jahren antritt, wird sich erst in den kommenden Tagen entscheiden.

Fest steht: Donald reiht sich mit seiner Rückkehr in exklusive Gesellschaft ein. Laut ESPN Research wird er nach seinem ersten Einsatz neben Deion Sanders der einzige Spieler der NFL-Geschichte sein, der fünfmal ins First-Team All-Pro gewählt wurde, eine Pause von mindestens 750 Tagen einlegte und anschließend in die Liga zurückkehrte.

Mit 111 Career Sacks liegt Donald zudem auf Platz zwei der erfolgreichsten reinen Defensive Tackles seit Einführung der offiziellen Sack-Statistik 1982 – nur John Randle (137,5) liegt noch vor ihm. Innerhalb der Rams-Franchise hält er ohnehin den Rekord.

Schon vor Donalds Rückkehr galten die Rams laut DraftKings als Favorit auf den Super-Bowl-Titel. Mit ihm in der Line-up sind sie das einzige Team der Liga, das gleich zwei Spieler mit mehrfachen Defensive-Player-of-the-Year-Auszeichnungen aufbietet.

Wie beide Teams die ungewöhnliche Reise nach Australien überhaupt logistisch angehen, haben wir uns bereits genauer angeschaut: Kurztrip vs. Akklimatisierung: Wie Rams und 49ers die Australien-Reise strategisch angehen.

Kaderplatz für die Rückkehr

Donalds Comeback fiel dabei genau in die Woche, in der die Rams ohnehin ihren Kader auf die vorgeschriebenen 53 Spieler reduzieren mussten. Dass ausgerechnet an diesem Wochenende Platz für einen zusätzlichen Defensive Tackle geschaffen werden musste, zeigt, wie kurzfristig sich die Rückkehr am Ende doch noch konkretisiert hat.

Meinung von der Couch

Für mich ist das eine der spannendsten Personalien der gesamten Offseason. Aaron Donald hätte sich locker als einer der größten Defensive Tackles aller Zeiten zur Ruhe setzen können, ohne dass ihm das irgendjemand übel genommen hätte. Dass er es trotzdem noch einmal wissen will, zeigt, wie sehr ihn der Umbau dieses Rams-Kaders gepackt hat – und ehrlich gesagt verstehe ich ihn total. Eine Defensive Line mit ihm und Myles Garrett gleichzeitig ist eine Ansage, die es in dieser Form noch nie gegeben hat.

Ich muss zugeben: Auch wenn ich kein Rams-Fan bin, freue ich mich riesig über dieses Comeback. In meiner Trikot-Sammlung hängt natürlich ein Jersey mit der 99 von Donald, und das werde ich mit Stolz tragen, sobald er wieder das Feld betritt.

Klar, die große Frage bleibt, wie viel Aaron Donald nach fast zwei Jahren Pause tatsächlich noch auf dem Feld liefern kann. Aber selbst wenn er nicht direkt in Melbourne einsteigt: Allein die Aussicht, dass er sich im Laufe der Saison langsam wieder einfindet, macht die Rams für mich noch einmal ein ganzes Stück gefährlicher. Wer aktuell nicht auf dem Radar hatte, dass Los Angeles einer der ernsthaftesten Anwärter auf Super Bowl LXI ist, sollte das spätestens jetzt nachholen.