George Pickens spielt die Saison 2026 auf dem Franchise Tag
George Pickens spielt die Saison 2026 auf dem Franchise Tag | Quelle: IMAGO / Icon Sportswire

Die Frist für langfristige Vertragsverlängerungen bei Franchise-getaggten Spielern lief am Mittwoch um 16 Uhr Ostküstenzeit ab. Wie erwartet gab es bis dahin keine Einigung zwischen den Dallas Cowboys und Wide Receiver George Pickens. Er wird die Saison 2026 nun komplett auf dem Franchise Tag bestreiten, bevor er 2027 uneingeschränkter Free Agent wird. Bemerkenswert dabei: Pickens ist damit der einzige Spieler der gesamten Liga, der diese Saison unter diesen Bedingungen spielt.

Die anderen drei Fälle liefen anders

Neben Pickens waren in dieser Offseason noch drei weitere Spieler getaggt worden: Running Back Breece Hall bei den New York Jets, Tight End Kyle Pitts bei den Atlanta Falcons per Franchise Tag, sowie Quarterback Daniel Jones bei den Indianapolis Colts per Transition Tag. Alle drei fanden am Ende doch noch eine Lösung. Jones unterschrieb bereits im März eine Zwei-Jahres-Verlängerung bei den Colts, Hall folgte im Mai, Pitts schließlich im späten Juni mit einer Drei-Jahres-Verlängerung. Nur bei Pickens und den Cowboys kam es zu keiner Einigung.

Was George Pickens 2025 abgeliefert hat

Der Grund für den Tag lag nicht an mangelnder Leistung. Pickens spielte in seinem ersten Jahr in Dallas eine All-Pro-Saison: 73 Receptions, teamführende 1.429 Yards und neun Touchdowns. Dass die Cowboys ihn überhaupt halten wollten, stand also nie infrage – die Frage war von Anfang an, zu welchen Konditionen und in welchem Zeitrahmen.

Eine bewusste Entscheidung, keine gescheiterten Verhandlungen

Anders als es zunächst den Anschein hatte, ließen die Cowboys früh keinen Zweifel daran, was ihre Marschroute war. Im April machten sie explizit klar, dass sich die Gespräche über eine langfristige Verlängerung nicht bis in die Offseason oder gar ins Trainingscamp ziehen würden. Cowboys-Vizepräsident Stephen Jones ordnete das damals selbst historisch ein und stellte klar, dass ein Spieler unter dem Tag für die Franchise kein Novum sei. Es war mit anderen Worten keine gescheiterte Verhandlung, sondern eine bewusste Entscheidung, gar nicht erst in ernsthafte Gespräche über einen langfristigen Deal einzutreten.

Pickens selbst unterschrieb seinen Tag wenige Tage nach Jones‘ Aussagen und verzichtete zunächst auf das freiwillige Minicamp, nach eigener Aussage auf Anraten seines Beraters David Mulugheta. Beim verpflichtenden Minicamp Mitte Juni war er dann aber vor Ort und stellte klar, keinen Holdout vor Trainingscampstart am 29. Juli in Oxnard zu planen. Öffentlich hält er sich mit Kritik zurück und betont stattdessen, dass ihm der gemeinsame Erfolg mit dem Team wichtiger sei als die Vertragsfrage.

Das bekannte Muster in Dallas

Genau diese Konstellation – Verzögerung von Vertragsverhandlungen bis tief in die Offseason oder darüber hinaus – ist in Dallas kein Einzelfall. Bei Quarterback Dak Prescott, Wide Receiver CeeDee Lamb und zuletzt Linebacker Micah Parsons zogen sich vergleichbare Verhandlungen jeweils über Jahre. Bei Prescott und Lamb endete das Zögern am Ende mit deutlich höheren Gehältern als bei einer früheren Einigung. Bei Parsons eskalierte die Situation sogar so weit, dass das Verhältnis zwischen Spieler und Franchise als zerrüttet galt und es am Ende zum Trade kam, statt zu einer Verlängerung in Dallas.

Der Blick nach vorn

Für 2027 könnten die Cowboys Pickens theoretisch ein zweites Mal taggen, allerdings zu einem hohen Preis. Bei einem zweiten aufeinanderfolgenden Tag greift die Regel, dass entweder der reguläre Tag-Betrag der Position oder 120 Prozent des Vorjahresgehalts gezahlt werden müssen, je nachdem, was höher ausfällt. Da Pickens 2026 mit 27,3 Millionen Dollar unter dem Tag spielt, läge sein Tag-Betrag 2027 bei etwa 33 Millionen Dollar – vollständig garantiert und in voller Höhe auf den Cap des Jahres 2027 anrechenbar.

Das würde ihn beim durchschnittlichen Jahresgehalt auf Rang sechs unter allen Receivern der Liga hieven, gleichauf mit DK Metcalf von den Steelers und nur eine Million Dollar hinter CeeDee Lamb. Ein zweiter Tag gilt deshalb als unwahrscheinliches Szenario. Wahrscheinlicher ist, dass Pickens 2027 tatsächlich in die Free Agency geht und dort einen neuen Vertrag unterschreibt, ob nun in Dallas oder anderswo.

Meinung von der Couch

Für sich genommen ist die Entscheidung, Pickens ohne langfristige Verlängerung auf dem Tag spielen zu lassen, nachvollziehbar – ein Jahr Bedenkzeit nach einer starken, aber eben auch erst einjährigen Stichprobe in Dallas ist kein unvernünftiger Ansatz. Im Kontext der Cowboys-Historie der vergangenen Jahre wirkt der Fall aber weniger wie eine Einzelentscheidung und mehr wie ein wiederkehrendes Muster. Prescott, Lamb und Parsons haben alle gezeigt, wohin das Hinauszögern führen kann: entweder zu deutlich teureren Verträgen ein Jahr später, oder, im schlimmsten Fall, zum Bruch und Abgang des Spielers.

Dass Stephen Jones selbst öffentlich einräumt, ein Spieler auf dem Tag sei „kein Novum“ für die Organisation, liest sich fast wie ein Eingeständnis, dass dieses Vorgehen längst System hat. Ob Pickens‘ Fall am Ende wie bei Prescott und Lamb in einem teureren Deal in Dallas endet oder wie bei Parsons in einem Zerwürfnis, wird sich frühestens im Verlauf der kommenden Saison zeigen. Gelernt scheint man aus den vorherigen Fällen in Dallas jedenfalls nicht zu haben.