Für Jerry Jones wäre sogar ein hoher Draftpick entbehrlich, wenn Dallas dadurch einen spielentscheidenden Defensivstar verpflichten könnte.
Für Jerry Jones wäre sogar ein hoher Draftpick entbehrlich, wenn Dallas dadurch einen spielentscheidenden Defensivstar verpflichten könnte. | Quelle: IMAGO / Icon Sportswire

Die Dallas Cowboys gehen mit großen Ambitionen in die NFL-Saison 2026. Obwohl die Franchise seit mittlerweile 30 Jahren auf eine Rückkehr in den Super Bowl wartet und zuletzt zwei Spielzeiten in Folge die Playoffs verpasste, zeigt sich Besitzer und General Manager Jerry Jones so optimistisch wie lange nicht mehr.

Für den 82-Jährigen gehört Dallas zum Kreis der Titelkandidaten. Mehr noch: Sollte sich die passende Gelegenheit ergeben, wäre Jones sogar bereit, zukünftige Draftpicks zu opfern, um den Kader noch einmal entscheidend zu verstärken.

Jerry Jones glaubt an den großen Wurf

Zum Auftakt des Training Camps ließ Jerry Jones keinen Zweifel daran, welche Erwartungen er an die kommende Saison hat.

Für ihn ist ein Super-Bowl-Einzug keineswegs unrealistisch. Als Beispiel nannte er die Seattle Seahawks und die New England Patriots, die beide noch ein Jahr zuvor die Playoffs verpasst hatten, ehe sie in der vergangenen Saison den Super Bowl LX erreichten.

„Wenn du ein ernsthafter Titelkandidat bist, hast du auch eine echte Chance, im Super Bowl zu stehen“, erklärte Jones.

Dass viele Experten die Cowboys aktuell nicht zu den größten Favoriten zählen, scheint ihn dabei eher zusätzlich zu motivieren.

„Ich mag es, dass viele uns nicht als Super-Bowl-Kandidaten sehen. Ich mag das. Und ich mag, was wir hier zusammengestellt haben, um allen zu zeigen, dass wir es schaffen können.“

Cowboys schließen Mega-Trade nicht aus

Noch interessanter waren allerdings Jones‘ Aussagen zur Kaderplanung.

Der Cowboys-Besitzer bestätigte, erst einen Tag zuvor intensive Gespräche mit einem anderen NFL-Teambesitzer über einen möglichen Trade geführt zu haben.

Details wollte er nicht verraten, machte aber deutlich, dass Dallas bereit sei, auch in die Zukunft zu investieren, wenn dadurch ein Spieler verpflichtet werden könne, der dem Team sofort weiterhilft.

„Ein hoher Draftpick ist für mich in diesem Jahr entbehrlich, wenn wir dadurch jemanden bekommen, der uns jetzt sofort besser macht.“

Vor allem auf der defensiven Seite des Balls sieht Jones noch Potenzial. Besonders ein Pass Rusher oder ein Linebacker mit großer Spielmacherqualität könnte den Cowboys den letzten Schritt Richtung Titelkandidat ermöglichen.

Maxx Crosby bleibt ein spannendes Thema

Im Zusammenhang mit möglichen Verstärkungen kam auch Maxx Crosby erneut zur Sprache.

Dallas gehörte im Frühjahr zu den Teams, die großes Interesse am Star-Pass-Rusher der Las Vegas Raiders hatten. Ein bereits ausgehandelter Trade der Raiders zu den Baltimore Ravens scheiterte letztlich an einem nicht bestandenen Medizincheck, wodurch Crosby in Las Vegas blieb.

Jones stellte nun klar, dass die Cowboys die Gespräche damals keineswegs beendet hätten.

Gleichzeitig betonte er, dass Crosby selbstverständlich Spieler der Raiders sei und weitere Spekulationen derzeit keinen Sinn ergäben.

Dennoch zeigen seine Aussagen deutlich, dass Dallas weiterhin aufmerksam den Markt beobachtet und bereit wäre, bei einem Unterschiedsspieler zuzuschlagen.

Eine ruhigere Offseason als gedacht

Nach außen wirkte die Offseason der Cowboys vergleichsweise unspektakulär.

Jerry Jones sieht das jedoch anders.

Dallas habe zahlreiche Veränderungen vorgenommen – sowohl im Trainerstab als auch im Kader. Besonders zufrieden zeigte sich Jones mit der Verpflichtung von George Pickens, der bereits in seiner ersten Saison in Dallas überzeugte.

Der Wide Receiver sei ein wichtiger Bestandteil der offensiven Planungen und könne gemeinsam mit den übrigen Playmakern dafür sorgen, dass die Cowboys wieder zu den gefährlichsten Offenses der NFL gehören.

Auch die Tatsache, dass es in diesem Sommer kaum öffentliche Vertragsstreitigkeiten gegeben habe, wertete Jones als positives Signal.

Jetzt zählt nur noch der Erfolg

Jerry Jones machte gleichzeitig deutlich, dass ihm bewusst ist, wie wichtig die kommende Saison werden könnte.

Der Kader werde sich durch steigende Gehälter und den Salary Cap in den kommenden Jahren zwangsläufig verändern. Deshalb müsse Dallas die aktuelle Chance nutzen.

Genau deshalb scheint Jones bereit zu sein, sogar zukünftige Draftpicks zu investieren, wenn dadurch die Erfolgschancen in der Gegenwart steigen.

Die Botschaft des Cowboys-Besitzers ist eindeutig: Jetzt soll der Angriff auf den Super Bowl gelingen.

Meinung von der Couch

Jerry Jones wäre nicht Jerry Jones, wenn er vor einer neuen Saison keine großen Ziele ausgeben würde. Seit Jahren spricht der Cowboys-Besitzer davon, dass Dallas wieder um den Super Bowl spielen soll. Neu ist diesmal allerdings, dass er offenbar bereit ist, dafür auch zukünftige Draftpicks zu opfern.

Das zeigt, wie groß das Vertrauen innerhalb der Organisation in den aktuellen Kader ist. Gleichzeitig erhöht Jones damit aber auch den Druck auf Mannschaft und Trainerteam. Nach zwei verpassten Playoff-Teilnahmen und inzwischen drei Jahrzehnten ohne Super-Bowl-Auftritt werden Ausreden in Dallas langsam knapp.

Sollte tatsächlich noch ein hochkarätiger Defensivspieler den Weg nach Texas finden, könnten die Cowboys in der NFC tatsächlich ein ernstzunehmender Faktor werden. Bis dahin bleiben die großen Worte von Jerry Jones vor allem eines: ein Ausdruck des unerschütterlichen Optimismus, der die Franchise seit Jahrzehnten begleitet.