
Es gibt nur 32 Starting Quarterback Jobs in der NFL – und jeder einzelne zählt zu den begehrtesten Positionen im Profisport. Während bei den meisten Teams längst feststeht, wer in Woche 1 unter Center stehen wird, ist der Kampf um den Starterposten bei einigen Franchises noch völlig offen.
Mit dem Start der Training Camps rücken deshalb vier Quarterback-Duelle besonders in den Fokus. Wer überzeugt die Coaches? Wer nutzt seine Chance? Und wer muss sich zunächst mit der Rolle als Backup zufriedengeben?
Wir werfen einen Blick auf die spannendsten Quarterback-Wettbewerbe der NFL und wagen eine Prognose, wer die Saison als Starter eröffnen wird.
Atlanta Falcons: Michael Penix Jr. oder Tua Tagovailoa?
Kaum ein Quarterback-Duell ist derzeit so spannend wie das der Atlanta Falcons. Mit Michael Penix Jr. und Tua Tagovailoa stehen sich zwei ehemalige First-Round-Picks gegenüber, deren Karrieren bislang sehr unterschiedlich verliefen.
Penix galt 2024 als Zukunftshoffnung der Falcons, doch nach einer Verletzung des Kreuzbandes – bereits dem dritten Kreuzbandriss seiner Laufbahn – steht der 26-Jährige erneut vor einer schwierigen Rückkehr. Hinzu kommt, dass die Verantwortlichen, die ihn damals an Position acht drafteten, inzwischen nicht mehr in Atlanta tätig sind. Das neue Regime um General Manager Ian Cunningham und Head Coach Kevin Stefanski bewertet Penix unabhängig von der damaligen Draftentscheidung.
Tagovailoa bringt dagegen deutlich mehr NFL-Erfahrung mit. Der ehemalige Dolphins-Quarterback führte die Liga bereits bei Passing Yards und Completion Percentage an, musste in Miami jedoch immer wieder Rückschläge durch Verletzungen hinnehmen. Nach seiner Entlassung trotz eines hoch dotierten Vertrags wechselte er zum Veteranenminimum nach Atlanta und erhielt im Frühjahr viele Wiederholungen im Training, während Penix noch an seinem Comeback arbeitete.
Für die Falcons ist die Ausgangslage klar: Der Kader ist teuer und soll sofort um Siege spielen. Deshalb dürfte zunächst der Quarterback starten, der dem Team aktuell die besten Erfolgsaussichten bietet – unabhängig davon, wer langfristig die Zukunft der Franchise sein könnte.
Unsere Prognose
Starter in Woche 1: Tua Tagovailoa
Penix muss nach seiner Verletzung zunächst verlorene Zeit aufholen. Tagovailoa kennt den Druck als Starter, verfügt über deutlich mehr Erfahrung und passt mit seiner Präzision gut in Kevin Stefanskis Offense. Sollte Atlanta erfolgreich in die Saison starten, gibt es kaum einen Grund, frühzeitig auf Penix zu wechseln. Trotzdem dürfte der ehemalige Erstrundenpick im Laufe der Saison seine Chance erhalten, insbesondere wenn die Falcons Antworten auf seine langfristige Zukunft benötigen.
+++ Update +++
Der Konkurrenzkampf in Atlanta hat eine neue Wendung genommen: Tua Tagovailoa fällt mit einer Rückenverletzung („tight back“) vorerst aus, während Michael Penix Jr. weiterhin nach seinem Kreuzbandriss nicht für das Mannschaftstraining freigegeben ist. Die Falcons reagierten umgehend und verpflichteten den langjährigen NFL-Backup Cooper Rush, um die durch Verletzungen ausgedünnte Quarterback-Gruppe zu verstärken.
Minnesota Vikings: J.J. McCarthy oder Kyler Murray?
Die Minnesota Vikings stehen vor einer richtungsweisenden Entscheidung auf der wichtigsten Position im Football. Setzt Head Coach Kevin O’Connell weiter auf den erst vor zwei Jahren investierten Erstrundenpick J.J. McCarthy, oder übernimmt mit Kyler Murray ein erfahrener NFL-Quarterback das Kommando?
McCarthy galt nach seiner Auswahl an Position zehn im NFL Draft 2024 als langfristige Lösung der Vikings. Doch der Start seiner Karriere verlief alles andere als nach Plan. Nachdem ihn bereits in seiner Rookie-Saison eine schwere Knieverletzung ausgebremst hatte, erhielt er 2025 schließlich die Chance als Starter – konnte die hohen Erwartungen jedoch nicht erfüllen.
In zehn Starts brachte McCarthy lediglich elf Touchdowns bei zwölf Interceptions zustande, kassierte 27 Sacks und verlor zusätzlich sechsmal den Ball durch Fumbles. Selbst Superstar Justin Jefferson erlebte mit nur zwei Touchdown-Catches die statistisch schwächste Saison seiner Karriere und wirkte auf dem Feld phasenweise sichtbar frustriert.
Die Vikings reagierten im Frühjahr und holten mit Kyler Murray einen ehemaligen First-Overall-Pick nach Minnesota. Nachdem ihn die Arizona Cardinals trotz eines noch hoch dotierten Vertrags entließen, konnten die Vikings Murray für vergleichsweise kleines Geld verpflichten. Sein Vertrag ist allerdings bewusst nur als kurzfristige Lösung angelegt – selbst wenn er überzeugt, kann Minnesota ihn nach der Saison nicht per Franchise Tag halten.
Damit verfolgen die Vikings zwei Ziele gleichzeitig: Kurzfristig soll Murray die Chancen auf eine erfolgreiche Saison erhöhen, langfristig möchte die Franchise aber herausfinden, ob McCarthy doch noch das Potenzial zum Franchise-Quarterback besitzt.
Unsere Prognose
Starter in Woche 1: Kyler Murray
Für McCarthy wäre ein Sieg im Konkurrenzkampf die Ideallösung. Schließlich investierten die Vikings einen Top-10-Pick in den jungen Quarterback und würden nichts lieber sehen, als wenn er sich doch noch als Gesicht der Franchise etabliert.
Nach seiner enttäuschenden Saison 2025 spricht aktuell jedoch mehr für Kyler Murray. Der 28-Jährige bringt deutlich mehr NFL-Erfahrung mit, hat bereits bewiesen, dass er auf höchstem Niveau Spiele entscheiden kann, und dürfte dem Team momentan die besseren Chancen auf einen erfolgreichen Saisonstart geben. Nicht zuletzt dürfte auch Justin Jefferson wenig Interesse daran haben, eine zweite enttäuschende Saison in Folge mit einem unerfahrenen Quarterback zu erleben.
Trotzdem ist dieses Duell noch längst nicht entschieden. Sollte McCarthy im Training Camp einen deutlichen Entwicklungssprung zeigen, könnte sich das Blatt noch wenden. Aktuell sehen wir Murray jedoch leicht vorne – auch wenn die Vikings langfristig weiterhin hoffen dürften, dass McCarthy doch noch die Antwort auf ihre Quarterback-Frage wird.
Cleveland Browns: Shedeur Sanders oder Deshaun Watson?
Auch in Cleveland steht der Quarterback im Mittelpunkt – und wie so oft bei den Browns geht es dabei um weit mehr als nur die sportliche Leistung. Mit Shedeur Sanders und Deshaun Watson treffen zwei Spieler aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten: hier das viel diskutierte Talent mit Zukunftspotenzial, dort der einstige Franchise-Quarterback, dessen Zeit in Cleveland bislang vor allem von Verletzungen und Kontroversen geprägt war.
Sanders sorgte bereits vor seiner ersten NFL-Saison für Schlagzeilen. Obwohl viele Experten ihn als Erstrundenpick gehandelt hatten, rutschte der Sohn von Deion Sanders bis in die fünfte Runde des Drafts 2025. Nach einer Saison als Backup erhielt er zum Ende der Spielzeit seine Chance und startete die letzten sieben Partien. Die Bilanz von drei Siegen und vier Niederlagen sowie sieben Touchdowns bei zehn Interceptions war zwar ausbaufähig, dennoch zeigte Sanders immer wieder, warum viele Scouts ihn deutlich höher eingeschätzt hatten.
Auf der anderen Seite steht Deshaun Watson. Seit seinem Wechsel nach Cleveland im Jahr 2022 verlief seine Zeit bei den Browns enttäuschend. Nach seiner langen Sperre aufgrund zahlreicher Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens verhinderten immer wieder Verletzungen einen Neustart. In den vergangenen fünf Spielzeiten absolvierte Watson lediglich 19 Partien und verpasste die komplette Saison 2025 nach einem erneuten Achillessehnenriss. Nun geht der 30-Jährige gesund in das letzte Jahr seines vollständig garantierten Vertrags.
Mit Todd Monken steht zudem ein neuer Head Coach an der Seitenlinie. Anders als sein Vorgänger Kevin Stefanski ist Monken nicht an die Verpflichtung Watsons gebunden und kann die Entscheidung unabhängig treffen. Gleichzeitig verfügen die Browns im kommenden Draft über zwei Erstrundenpicks und dürften großes Interesse daran haben herauszufinden, ob Sanders tatsächlich ihre langfristige Lösung auf der Quarterback-Position sein kann.
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Starter in Woche 1: Deshaun Watson
So überraschend es für viele Fans auch klingen mag: Aktuell spricht einiges dafür, dass Watson die Saison als Starter eröffnet. Sollte er im Training Camp an seine starken Auftritte aus dem Frühjahr anknüpfen, dürfte Todd Monken zunächst auf den erfahrenen Quarterback setzen, um möglichst viele Spiele zu gewinnen.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Die Browns investierten 2022 drei Erstrundenpicks und statteten Watson anschließend mit einem vollständig garantierten Vertrag über 230 Millionen Dollar aus – ein Deal, der inzwischen von vielen als einer der schlechtesten Trades der NFL-Geschichte bezeichnet wird. Bevor Cleveland dieses Kapitel endgültig schließt, dürfte die Franchise alles daran setzen, doch noch einen sportlichen Gegenwert aus dieser Investition zu erhalten.
Langfristig sehen wir die Situation allerdings anders. Sanders dürfte im Laufe der Saison seine Chance erhalten – spätestens dann, wenn die Browns nicht um die Playoffs mitspielen oder Watson erneut nicht überzeugen kann. Cleveland muss vor dem quarterbackstarken Draft 2027 wissen, ob der ehemalige Fünftrundenpick das Potenzial zum Franchise-Quarterback besitzt. Genau deshalb dürfte seine Zeit als Starter früher oder später kommen.
Ich finde diese Version stärker, weil sie den Gedanken transportiert, ohne umgangssprachlich zu wirken. Gleichzeitig unterstreicht sie, warum Watson trotz seiner Vorgeschichte überhaupt noch als Week-1-Starter infrage kommt.
Las Vegas Raiders: Kirk Cousins oder Fernando Mendoza?
Die Las Vegas Raiders verfolgen auf der Quarterback-Position einen klaren Plan – zumindest nach außen. Mit Fernando Mendoza sicherten sie sich den First-Overall-Pick des NFL Drafts 2026 und damit ihren vermeintlichen Franchise-Quarterback der Zukunft. Trotzdem soll zunächst ein anderer das Team aufs Feld führen.
Dafür verpflichteten die Raiders Kirk Cousins, der nach seiner Entlassung bei den Atlanta Falcons einen Einjahresvertrag in Las Vegas unterschrieb. Der 15-jährige NFL-Veteran wusste bereits bei seiner Unterschrift, dass die Raiders im Draft einen Quarterback auswählen würden. Ähnlich wie einst in Atlanta, als Michael Penix Jr. kurz nach seiner Verpflichtung gedraftet wurde, soll Cousins nun Mentor und Übergangslösung zugleich sein.
Mendoza bringt dagegen beste Voraussetzungen mit. Der ehemalige College-Star führte Indiana zu einer perfekten Saison, gewann die nationale Meisterschaft und wurde mit der Heisman Trophy ausgezeichnet. Für die Raiders besteht kaum ein Zweifel daran, dass er langfristig das Gesicht der Franchise werden soll.
Genau deshalb wollen die Verantwortlichen nichts überstürzen. Mit dem neuen Head Coach Klint Kubiak befindet sich das Team im Umbruch, der Kader weist auf mehreren Positionen noch Schwächen auf. Die Raiders möchten vermeiden, ihren Top-Pick zu früh unter Druck zu setzen und ihn stattdessen behutsam an das NFL-Niveau heranführen.
Interessant ist dabei auch die Rolle von Aidan O’Connell. Der Quarterback kennt das System bereits und könnte im Falle einer Verletzung von Cousins sogar den Vorzug vor Mendoza erhalten. Das unterstreicht, wie vorsichtig die Raiders mit ihrem jungen Hoffnungsträger umgehen wollen.
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Starter in Woche 1: Kirk Cousins
Auch wenn Fernando Mendoza das Gesicht der Zukunft ist, spricht derzeit alles für Kirk Cousins als Starter zum Saisonauftakt. Die Raiders haben ihn nicht verpflichtet, um ihn nach wenigen Wochen wieder auf die Bank zu setzen, sondern um ihrem Rookie die nötige Zeit zur Entwicklung zu geben.
Natürlich könnte Mendoza mit einem überragenden Training Camp alle Pläne über den Haufen werfen. Nach allem, was aus Las Vegas zu hören ist, wäre das allerdings eher die Ausnahme als die Regel. Die Verantwortlichen scheinen fest entschlossen zu sein, ihren First-Overall-Pick nicht zu verheizen, sondern ihn erst dann ins kalte Wasser zu werfen, wenn Mannschaft und Umfeld ihm die bestmöglichen Voraussetzungen bieten.
Für uns ist deshalb klar: Kirk Cousins wird die Raiders als Starting Quarterback in Woche 1 aufs Feld führen. Mendoza dürfte jedoch nur eine Frage der Zeit sein – spätestens wenn die Saison nicht wie erhofft verläuft oder die Franchise den Blick endgültig auf die Zukunft richtet.
Meinung von der Couch
Quarterback-Duelle gehören zu jeder NFL-Preseason dazu – doch in diesem Jahr könnten sie für gleich mehrere Franchises richtungsweisend sein. Während die Falcons, Browns, Raiders und Vikings jeweils unterschiedliche Ausgangslagen haben, eint sie ein Ziel: Sie wollen mit der richtigen Entscheidung auf der wichtigsten Position den Grundstein für eine erfolgreiche Saison legen.
Auffällig ist dabei, dass in allen vier Fällen Erfahrung gegen Zukunft antritt. Mit Tua Tagovailoa, Deshaun Watson, Kirk Cousins und Kyler Murray stehen vier gestandene NFL-Quarterbacks im Konkurrenzkampf mit jungen Talenten, in die ihre Teams teilweise hohe Draftpicks investiert haben. Die Verantwortlichen müssen dabei den schwierigen Spagat meistern, kurzfristig Spiele gewinnen zu wollen und gleichzeitig die Zukunft der Franchise nicht aus den Augen zu verlieren.
Unsere Prognosen sehen zwar die erfahrenen Quarterbacks zum Saisonstart leicht im Vorteil, doch wir würden uns nicht wundern, wenn spätestens zur Saisonmitte mehrere dieser Teams einen Wechsel vollziehen. Denn am Ende entscheidet nicht der Draftstatus oder das Gehalt – sondern einzig die Leistung auf dem Platz.
Eines ist daher sicher: Der Kampf um die letzten offenen Starting-Quarterback-Jobs dürfte zu den spannendsten Geschichten der gesamten Preseason gehören. Weitere spannende News aus der NFL findet ihr hier.