
Kyle Juszczyk hat es mit einer Jubelpose zu tun bekommen, die er nach eigener Aussage seit seiner Studienzeit an der Harvard University zelebriert – und ausgerechnet die hat ihm jetzt eine saftige Geldstrafe eingebracht. Der Fullback der San Francisco 49ers wurde von der NFL mit 14.926 US-Dollar belegt, weil die Liga seine Touchdown-Feier als Nachahmung eines Bierkonsums wertete. Das Kuriose daran: Juszczyk trägt seit Jahren den Spitznamen „Juice“ – und genau darauf, so seine Erklärung, bezieht sich die Geste. Was zunächst wie eine Randnotiz aus der wöchentlichen Fine-Liste klingt, hat sich binnen weniger Stunden zu einer der unterhaltsamsten Geschichten der jungen NFL-Saison entwickelt.
Die Szene: Ein Sechs-Yard-Catch mit Folgen
Beim 35:13-Sieg der 49ers gegen die Miami Dolphins in Week 2 fing Juszczyk im dritten Quarter einen Sechs-Yard-Touchdownpass von Quarterback Brock Purdy. Nach der obligatorischen Umarmung mit seinen Teamkollegen Mike Evans und Deebo Samuel drehte sich Juszczyk zu den Fans in der Endzone, führte seine rechte Hand mit abgespreiztem Daumen zum Mund, kippte den Kopf in den Nacken und tat so, als würde er ein Getränk in einem Zug leeren. Genau diese Bewegung zelebriert er praktisch nach jedem Touchdown und First Down – seit seinem Rookie-Jahr bei den Baltimore Ravens im Jahr 2013.
Die Liga sah darin jedoch keine harmlose Marotte, sondern einen Regelverstoß.
Die Begründung der NFL: „Offensive Demonstration“
Am Donnerstag flatterte Juszczyk das offizielle Fine-Schreiben ins Postfach. Die NFL berief sich dabei auf Rule 12, Section 3, Article 1 des Regelwerks und wertete die Geste als „engaging in offensive demonstrations“. Wörtlich hieß es in dem Brief, seine Nachahmung des Bierkonsums stelle eine anstößige Demonstration dar und könne vernünftigerweise als geschmacklos ausgelegt werden.
Für Juszczyk kam das völlig überraschend – schließlich zelebriert er die Geste seit über einem Jahrzehnt, ohne dass die Liga jemals eingeschritten wäre. Erfahren habe er von der Strafe übrigens nicht direkt von der NFL, sondern von seinem Head Coach Kyle Shanahan, der ihn früh am Morgen beim Frühstück darauf ansprach. Juszczyk habe zunächst gedacht, sein Coach mache nur Scherze mit ihm, bis klar wurde, dass die Sache ernst gemeint war.
Juszczyks Verteidigung: „Ich trinke doch gar kein Bier“
Vor die Reporter in Santa Clara getreten, ließ sich Juszczyk die Gelegenheit nicht nehmen, seine Sicht der Dinge ausführlich darzulegen. Er wisse nicht, wie er es noch deutlicher sagen solle: Er habe in seiner Feier kein Bier getrunken. Sein Spitzname sei schließlich „Juice“, er trage den Begriff sogar auf seinen Schulterpolstern, und im Stadion würden die Fans bei jedem seiner Catches „Juice“ rufen. Seine Feier bestehe seit Jahren darin, symbolisch Saft zu trinken – nicht Bier.
Can’t make this stuff up… https://t.co/GPuZ81wYD5
— Kyle Juszczyk (@JuiceCheck44) September 24, 2026
Besonders pikant: Wie ein Podcast-Auftritt in den „Candlestick Chronicles“ aus früheren Jahren zeigt, hat Juszczyk die Geste dort bereits einmal selbst erklärt – als eine Art „den Saft auslaufen lassen“. Dass die Liga jetzt ausgerechnet bei einem Spieler mit dem Namen „Juice“ eine Bier-Anspielung erkennt, sorgte prompt für hämische Kommentare in den sozialen Medien.
Noch pointierter wurde es, als Juszczyk selbst öffentlich klarstellte, dass er praktisch gar keinen Alkohol trinke – vielleicht fünfmal im Jahr, meist in der Offseason, und dann meistens nur, weil ihn sein Teamkollege George Kittle dazu überrede. Auf X reagierte er auf die Berichterstattung mit einem knappen, augenzwinkernden Kommentar in der Art von „das kann man sich nicht ausdenken“.
Rückendeckung von der ganzen Kabine
Die Reaktionen in der 49ers-Kabine fielen entsprechend amüsiert aus. George Kittle scherzte, das Team habe quasi abgestimmt, Juszczyks Spitznamen von „Juice“ auf „Beer“ umzutaufen – schließlich könne man ja bestätigen, dass er kaum trinke, aber offenbar trotzdem ein Problem mit dem Namen habe.
🚨 George Kittle on Kyle Juszczyk getting fined almost $15k by the NFL for his TD celebration:
— Polymarket Sports (@PolymarketSport) September 24, 2026
"I think we're going to sign a petition, Juice's new nickname is 'Beer' now." pic.twitter.com/YpaasSyp67
Auch Quarterback Brock Purdy zeigte sich ratlos über die Entscheidung der Liga. Er habe die Feier seit gut fünf Jahren gesehen, ohne dass es je zu einer Strafe gekommen sei. Shanahan habe die Mannschaft zwar wiederholt vor riskanten Feiern gewarnt – etwa vor dem Erklettern der Torpfosten, wie es zuletzt Stefon Diggs von den Washington Commanders vorgemacht hatte –, doch Juszczyks Trink-Geste sei dabei nie ein Thema gewesen.
He can’t be stopped!! This is before practice! Are you kidding me @JuiceCheck44 🧃 pic.twitter.com/AOgHnOFDuo
— George Kittle (@gkittle46) September 24, 2026
Selbst außerhalb der Organisation bekam Juszczyk Zuspruch: Ex-Star J.J. Watt stellte sich öffentlich auf seine Seite. Und auch privat nahm man die Sache mit Humor: Juszczyks Frau meldete sich mit einem augenzwinkernden Clip zu Wort und machte sich über die Aufregung um die vermeintliche Bierfeier lustig.
Kein Einzelfall: Die Liga geht diese Woche gegen mehrere „Bier-Gesten“ vor
Juszczyk ist in dieser Woche nicht der einzige Spieler, der wegen einer ähnlichen Feier zur Kasse gebeten wurde. Matt Goncalves, Guard der Indianapolis Colts, wurde für eine vergleichbare Bierkonsum-Pantomime nach einem Touchdown von Teamkollege Tyler Warren mit 8.847 US-Dollar belangt. Auch bei den Cincinnati Bengals steht eine Strafe im Raum: Ja’Marr Chase und Tee Higgins haben in dieser Saison eine neue Feier eingeführt, die als Hommage an den „People’s Elbow“ von Wrestling-Legende Dwayne „The Rock“ Johnson gedacht ist – auch das dürfte der Liga ein Dorn im Auge sein.
Die Ironie an der ganzen Geschichte: Die NFL selbst unterhält einen Sponsoringvertrag mit Anheuser-Busch InBev, der jährlich rund 250 Millionen US-Dollar wert sein soll. Dass ausgerechnet eine imitierte Bier-Geste als „geschmacklos“ gebrandmarkt wird, während Bud Light omnipräsent in den Stadien wirbt, wurde entsprechend goutiert.
Für Juszczyk ist es bereits die zweite Strafe der Saison: Bereits in Week 1, beim Sieg der 49ers gegen die Los Angeles Rams im Rahmen des Australia Games in Melbourne, war er wegen eines Helmet-Kontakts beim Blocken mit 20.033 US-Dollar belangt worden.
Wie geht es jetzt weiter?
Juszczyk hat gegen die Strafe bereits Einspruch eingelegt. Der Berufungstermin ist für den kommenden Dienstag per Zoom angesetzt. Ob die Liga von ihrer Einschätzung abrückt, bleibt abzuwarten – Präzedenzfälle aus der Vergangenheit, etwa bei ähnlichen Bier-Feiern von Marcus Peters oder Eric Fisher, deuten allerdings darauf hin, dass die NFL bei diesem Thema traditionell wenig Humor zeigt.
Meinung von der Couch
Ehrlich gesagt: Diese Strafe ist einer der absurdesten Fälle aus der ohnehin nicht gerade für Fingerspitzengefühl bekannten NFL-Fine-Abteilung. Ein Spieler, der seit über zehn Jahren dieselbe Geste zelebriert, dessen Spitzname seit seiner College-Zeit „Juice“ lautet und der laut eigener Aussage kaum Alkohol anrührt, wird plötzlich für eine imaginäre Bierdusche zur Kasse gebeten – während die Liga gleichzeitig Millionen von einem Bierkonzern kassiert. Da passt es fast zu gut ins Bild, dass ausgerechnet in derselben Woche gleich mehrere Spieler wegen ähnlicher Gesten drankommen.
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier jemand im Liga-Büro eine neue Marschroute vorgegeben hat und nun mit der Gießkanne durchgeht. Sportlich hat es der Fine für Juszczyk zum Glück nicht getroffen – seine Teamkollegen sorgen mit Humor dafür, dass die Geschichte am Ende vor allem eines bleibt: eine gute Anekdote. Und ehrlich, „Juice“ wird diese Feier mit Sicherheit nicht sein Lassen.
Quelle: Recherche von Adam Schefter, veröffentlicht bei ESPN, sowie Armando Salguero, veröffentlicht bei OutKick (Fox News).