Kyle Juszczyk mit Gatorade-Flasche am Spielfeldrand: Für seine „Juice"-Geste wurde er freigesprochen.
Kyle Juszczyk mit Gatorade-Flasche am Spielfeldrand: Für seine „Juice“-Geste wurde er freigesprochen. | Quelle: IMAGO / Icon Sportswire

Kyle Juszczyk hat den Saft-Streit mit der NFL gewonnen. Die Strafe über 14.926 US-Dollar, mit der die Liga die Touchdown-Feier des 49ers-Fullbacks als Bier-Pantomime geahndet hatte, wurde nach einem Berufungsverfahren komplett aufgehoben. Damit bestätigt sich, was Juszczyk von Anfang an gesagt hatte: Die Geste galt nie einem Bier, sondern seinem Spitznamen „Juice“.

👉 Alle Hintergründe zur ursprünglichen Strafe und zu Juszczyks Reaktion findet ihr in unserem Artikel: Kyle Juszczyk: NFL-Strafe Für Bier-Jubel „Juice“

Das Berufungsverfahren: Die Strafe ist vom Tisch

Wie mehrere Liga-Quellen berichten, wurde die Geldstrafe im Rahmen eines Berufungsverfahrens gekippt. Dieses leitete ein gemeinsam von NFL und Spielergewerkschaft NFLPA bestimmter Appeals Officer. Die Liga hatte die Strafe am 23. September verhängt, weil Juszczyk beim Week-2-Spiel gegen die Miami Dolphins angeblich einen Bierkonsum nachgeahmt habe. Juszczyk legte umgehend Einspruch ein und argumentierte, er zeige die Geste seit Jahren und sei dafür nie belangt worden.

Auch bei der zweiten Strafe der Saison gab es Bewegung. Die Geldbuße aus Week 1 wegen Kontakts mit dem Helm beim Blocken wurde um rund 4.000 Dollar auf 16.000 Dollar gesenkt. Wirklich gewonnen hat Juszczyk also gleich doppelt.

Die Ausgangslage: Saft statt Bier

Zur Erinnerung, worum es ging. Nach seinem Sechs-Yard-Touchdown von Brock Purdy beim 35:13 der 49ers gegen die Dolphins führte Juszczyk die Hand zum Mund und kippte den Kopf in den Nacken, wie nach jedem Touchdown und jedem First Down. Die NFL sah darin eine „offensive demonstration“ und eine Geste, die als geschmacklos ausgelegt werden könne.

Juszczyk widersprach vehement. Sein Spitzname sei „Juice“, das Wort stehe auf seinen Schulterpolstern, und die Fans im Stadion riefen es bei jedem seiner Catches. Er feiere, als würde er einen Saft trinken, und das schon seit Jahren. Außerdem trinke er kaum Alkohol, vielleicht fünfmal im Jahr, meist in der Offseason und meist, weil George Kittle ihn dazu dränge.

Die Kabine hielt zu ihrem „Juice“

Schon bei der Verkündung der Strafe stand das ganze Team hinter ihm. Kittle witzelte, man werde den Spitznamen per Petition in „Beer“ ändern. Purdy zeigte sich verwirrt: Er kenne die Feier seit rund fünf Jahren, und selbst Head Coach Kyle Shanahan habe in Team-Meetings nur vor gefährlichen Feiern wie dem Klettern auf den Torpfosten gewarnt, nie vor Juszczyks Geste. Auch J.J. Watt stellte sich öffentlich auf Juszczyks Seite.

Ferguson profitiert vom selben Verfahren

Juszczyk ist nicht der Einzige, der von dem Verfahren profitiert. Auch Jake Ferguson, Tight End der Dallas Cowboys, wurde freigesprochen. Er war in Week 2 mit 13.611 Dollar belegt worden, weil er angeblich ein „Shotgunning a Beer“ gefeiert haben soll. Ferguson stellte klar, dass es sich um eine Gatorade-Feier handelte, die er schon mehrfach gezeigt hatte.

Zwei Fälle, zwei Mal derselbe Irrtum. Das wirft die Frage auf, wie sorgfältig die Liga solche Gesten vor einer Strafe prüft. Ob auch Matt Goncalves von den Colts, der in derselben Woche mit 8.847 Dollar für eine ähnliche Geste belegt wurde, Einspruch eingelegt hat und wie dieser ausgeht, ist bislang nicht bekannt.

Meinung von der Couch

Ich gebe es zu: Als ich die Strafe zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich an einen Aprilscherz im September. Dass sie am Ende kassiert wird, überrascht mich daher nicht. Überraschend finde ich eher, dass es überhaupt so weit kommen musste. Ein Spieler mit dem Spitznamen „Juice“, der die Geste seit über zehn Jahren zeigt und kaum trinkt, wird für eine Bier-Anspielung bestraft, während die Liga von einem Bierkonzern Millionen kassiert. Das kann man sich nicht ausdenken.

Ein Fehler passiert, und dass er korrigiert wurde, ist gut so. Trotzdem sollte sich die NFL fragen, ob man Strafen für Gesten wirklich per E-Mail verschicken muss, bevor man mit dem Spieler gesprochen hat. Juszczyk dürfte das ähnlich sehen. Fest steht: Der „Juice“ fließt weiter, und im nächsten Touchdown steckt vermutlich ein bisschen mehr Genuss.