
In der NFL droht ein altbekanntes Szenario: Ersatz-Schiedsrichter könnten schon bald wieder auf dem Feld stehen.
Die Liga hat ihre Teams darüber informiert, dass ab dem 1. Juni sogenannte Ersatz-Schiedsrichter („replacement officials“) eingesetzt werden könnten, falls bis dahin keine Einigung mit der Schiedsrichter-Gewerkschaft erzielt wird.
Damit spitzt sich der Konflikt zwischen NFL und der NFL Referees Association (NFLRA) weiter zu.
Keine Einigung in Sicht
Die Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag verlaufen bislang ohne Durchbruch. Der aktuelle Vertrag läuft am 31. Mai aus – und beide Seiten liegen in zentralen Punkten noch deutlich auseinander.
Die NFL bereitet sich deshalb bereits auf den Ernstfall vor.
👉 Heißt konkret:
Teams sollen sich darauf einstellen, dass Ersatz-Schiedsrichter bereits bei Trainings und Offseason-Einheiten eingesetzt werden.
Ersatz-Schiedsrichter aus dem College-Bereich
Die Liga plant, die Ersatzkräfte vor allem aus dem College-Football zu rekrutieren:
- NCAA Division I
- NCAA Division II
- NCAA Division III
Diese Referees sollen zunächst bei:
- OTAs (Organized Team Activities)
- Mandatory Minicamps
eingesetzt werden, um sich an:
- NFL-Regeln
- Spieltempo
- Entscheidungsprozesse
zu gewöhnen.
Ziel ist es, im Fall eines Arbeitskampfes einsatzbereite Offizielle zu haben.
Unterstützung durch das Officiating Command Center
Ein interessanter Punkt:
Die Team-Owner haben bereits beschlossen, dass Ersatz-Schiedsrichter im Ernstfall Unterstützung vom NFL Officiating Command Center bekommen sollen.
👉 Das bedeutet:
Klare und offensichtliche Fehlentscheidungen könnten zentral überprüft und korrigiert werden.
Ein Schritt, der zeigt, dass die NFL aus früheren Erfahrungen gelernt hat.
Streitpunkt Geld
Ein zentraler Knackpunkt der Verhandlungen bleibt die Bezahlung.
- Die Schiedsrichter-Gewerkschaft fordert ca. 10 % Gehaltssteigerung pro Jahr
- Die NFL bietet aktuell 6,45 % jährlich über sechs Jahre
Zum Vergleich:
Im bisherigen Vertrag lag die jährliche Steigerung bei 5,75 %.
👉 Die Forderungen der NFLRA liegen also deutlich über dem bisherigen Niveau.
Weitere Konfliktpunkte
Neben dem Gehalt gibt es noch weitere Streitpunkte:
Die NFL möchte:
- eine verkürzte „Blackout-Phase“ (mehr Kommunikation in der Offseason)
- eine längere Probezeit für Schiedsrichter
- schwächere Referees verpflichten, Spring Football Games zu leiten
Die Gewerkschaft lehnt diese Punkte aktuell ab.
Vorbereitung läuft bereits
Die NFL hat die Teams bereits angewiesen, ihre:
- OTA-Termine
- Minicamp-Zeiten
einzureichen.
Der Grund:
Die Liga plant aktiv, Ersatz-Schiedsrichter gezielt diesen Einheiten zuzuweisen.
Déjà-vu für NFL-Fans?
Für viele Fans dürfte das Thema Erinnerungen wecken.
Ersatz-Schiedsrichter gab es zuletzt prominent während des Lockouts 2012 – mit teilweise kontroversen Entscheidungen und viel Kritik.
Besonders in Erinnerung geblieben ist die sogenannte „Fail Mary“ im Spiel zwischen den Seattle Seahawks und den Green Bay Packers. Ein umstrittener Hail-Mary-Touchdown wurde damals von den Ersatz-Schiedsrichtern anerkannt – obwohl viele Beobachter von einer Fehlentscheidung ausgingen.
@tony_squares Remembering the Fail Mary Game – the debacle caused the last time the NFL hired replacement referees #nfl #referee #gopackgo #football #greenbaypackers ♬ Chopin Nocturne No. 2 Piano Mono – moshimo sound design
👉 Die Szene gilt bis heute als eines der bekanntesten Beispiele für die Probleme mit Replacement Officials.
Ob sich ein solches Szenario wiederholt, hängt jetzt maßgeblich davon ab, ob sich NFL und NFLRA in den kommenden Wochen noch einigen können.