Stefon Diggs ist seit seiner Entlassung durch die Patriots im März weiter ohne Team – an seinem Selbstbewusstsein ändert das nichts.
Stefon Diggs ist seit seiner Entlassung durch die Patriots im März weiter ohne Team – an seinem Selbstbewusstsein ändert das nichts. | Quelle: IMAGO / Icon Sportswire

Gut zwei Wochen vor Trainingscampstart ist Stefon Diggs immer noch ohne Team. Ruhig geworden ist es um ihn deshalb nicht: In einem vor kurzem veröffentlichten YouTube-Video äußerte sich der 32-Jährige selbstbewusst über seinen aktuellen Marktwert – und stellte klar, dass er sich selbst noch immer für besser hält als jeden Nummer-2-Receiver der Liga.

Was Diggs gesagt hat

Diggs machte in dem Video deutlich, dass er zwar akzeptiere, aktuell wohl nicht mehr zu den absoluten Top-WR1s der Liga zu zählen. Seine eigentliche Aussage zielte aber auf die Position dahinter: Er könne es mit jedem aufnehmen, so Diggs, forderte aber gleichzeitig eine differenzierte Betrachtung ein: Von den 32 Teams habe zwar jedes formal einen WR1, tatsächlich gebe es seiner Ansicht nach aber nur sieben echte „1er“ in der Liga. Alle anderen nominellen WR1s stuft er im Kern als WR2 ein – und genau in diesem Vergleich sieht er sich vorn. Wörtlich brachte er es so auf den Punkt: „Nenn mir deinen aktuellen Nummer-2-Receiver, sag mir sein Gehalt, und dann sag mir, ob er besser ist als ich.“

Die Ausgangslage: Warum Stefon Diggs überhaupt frei ist

Diggs wurde im März von den New England Patriots entlassen, ein Schritt, der in erster Linie finanzielle Gründe hatte. Sein Vertrag hätte die Patriots in dieser Saison mit 26,5 Millionen Dollar Cap Space belastet. New England nutzte den entstandenen Spielraum, um stattdessen A.J. Brown per Trade zu verpflichten und zusätzlich Romeo Doubs zu unterschreiben – ein klarer Umbau des Receiving Corps, der Diggs auf der Strecke ließ.

Sportlich hinterließ Diggs bei seinem Abschied keine schwachen Zahlen. In der Regular Season 2025 führte er die Patriots mit 85 Receptions für 1.013 Yards und vier Touchdowns an, in vier Playoff-Spielen kamen 14 Fänge für 110 Yards und ein weiterer Touchdown hinzu, während New England bis in den Super Bowl vorstieß. Es war bereits die siebte 1.000-Yard-Saison seiner Karriere – und der Höhepunkt eines Comebacks, nachdem eine saisonbeendende Knieverletzung 2024 seine kurze Zeit bei den Houston Texans überschattet hatte.

Neben dem sportlichen Teil spielte zuletzt auch ein juristisches Verfahren eine Rolle für seinen Marktwert. Die NFL hatte ihre Untersuchung im Rahmen der Personal Conduct Policy gegen Diggs im vergangenen Monat eingestellt, nachdem keine ausreichenden Beweise für einen Verstoß gefunden wurden. Vorausgegangen war ein Prozess im Mai, in dem Diggs von einem Gericht in einem Streit mit seinem privaten Koch freigesprochen wurde; ursprünglich war er im Februar wegen einer Verbrechens-Anklage (Strangulation) sowie eines Vergehens-Vorwurfs (Assault and Battery) angeklagt worden.

Einordnung: Realistische Selbsteinschätzung oder Verhandlungsrhetorik?

Diggs‘ Zahlen aus der abgelaufenen Saison stützen seine Aussage durchaus. Knapp über 1.000 Receiving Yards und eine tragende Rolle in einem Super-Bowl-Kader sind eine Bilanz, mit der aktuell tatsächlich nicht jeder etablierte WR1 der Liga mithalten kann – von echten Nummer-2-Optionen ganz zu schweigen. Dass Diggs mit 32 Jahren nicht mehr zur absoluten Weltklasse zählt, räumt er selbst ein. Aber seine Kernaussage, wonach viele Teams ihre offizielle Nummer 1 eigentlich eher als Nummer-2-Talent einstufen müssten, lässt sich mit Blick auf die Receiver-Landschaft der Liga zumindest diskutieren.

Gleichzeitig ist eine gewisse Verhandlungslogik hinter der Aussage kaum zu übersehen. Diggs steht ohne Team da, während die meisten Kader ihre Receiver-Rotationen für die kommende Saison längst fixiert haben. Ein öffentliches Statement dieser Art dürfte auch dazu dienen, sich als attraktive, noch verfügbare Option ins Gedächtnis zu rufen – gerade jetzt, wo Verletzungen im Trainingscamp erfahrungsgemäß kurzfristigen Bedarf bei einzelnen Teams auslösen können.

Ausblick

Ob Diggs‘ Selbstbewusstsein durch eine Verpflichtung noch vor Camp-Beginn belohnt wird, ist offen. Klar ist: Sportlich hat er zuletzt geliefert, rechtlich ist die Sache vom Tisch, und mit den juristischen Fragen im Rücken dürfte für interessierte Teams vor allem der Cap-Aspekt entscheidend sein, der ihn ursprünglich in Foxborough zum Verzicht führte. Sollte kein Team zuschlagen, bliebe Diggs‘ Aussage vorerst nur eine steile These – sportlich beantworten kann er sie erst wieder, sobald er tatsächlich auf dem Feld steht.

👉 Siehe auch: Was macht ein Wide Receiver in der NFL?