Aaron Donald ist zurück – doch ist er ganz der Alte?
Aaron Donald ist zurück – doch ist er ganz der Alte? | Quelle: IMAGO / Icon Sportswire

Sein Comeback ist beschlossene Sache – doch was folgt daraus konkret für die Los Angeles Rams? Wie verändert sich das Zusammenspiel mit Myles Garrett? Wie viele Snaps wird Aaron Donald überhaupt bekommen, und was macht der Deal mit dem Salary Cap der Rams? Wir haben uns die wichtigsten Aspekte rund um das Comeback genauer angeschaut und dabei auch auf die Einschätzungen von ESPN-Reporterin Sarah Barshop, NFL-Reporter Jeremy Fowler und Analyst Ben Solak zurückgegriffen.

Wer sich zunächst noch einmal die Hintergründe zum Comeback selbst anschauen möchte, findet sie in unserem ausführlichen Artikel zur Rückkehr von Aaron Donald.

Ein Pass-Rush-Duo, das die Liga so noch nicht gesehen hat

Sobald beide gemeinsam auf dem Feld stehen, dürften Donald und Garrett gegnerische Offensive Lines vor kaum lösbare Probleme stellen. Laut ESPN Analytics und NFL Next Gen Stats belegen die beiden seit 2017 – Garretts Rookie-Jahr – die Plätze eins und zwei bei den Pass Rush Wins in der gesamten Liga.

Bemerkenswert dabei: Obwohl Donald die vergangenen zwei Saisons pausierte, hält er weiterhin Rang zwei dieser Statistik – und das, obwohl er seit 2017 der am vierthäufigsten doppelt geblockte Spieler der Liga war. Seine 276 Pass Rush Wins gegen Double-Teams sind mit Abstand der beste Wert der NFL in diesem Zeitraum. Garrett wiederum wurde unter allen Edge Rushern seit 2017 am zweithäufigsten doppelt geblockt, nur Denico Autry musste noch öfter dran glauben.

Auch auf die gesamte Defense wirkt sich die Pass-Rush-Stärke der beiden aus: Garrett erzielte laut ESPN Analytics seit 2017 ligaweit die meisten Incompletions, die direkt aus gewonnenen Pass-Rush-Duellen resultierten – Donald liegt in dieser Kategorie auf Platz drei.

Rotationsspieler statt Vollzeit-Starter

Head Coach Sean McVay hatte bereits klargestellt, dass Donald im Falle eines Comebacks „all-in“ sein müsse. Dennoch gilt es als unwahrscheinlich, dass Donald direkt wieder einen hohen Snap-Anteil übernimmt. Realistischer erscheint ein Einsatz in den Situationen, in denen er den größten Impact erzielen kann – vor allem an Passing Downs. Barshop rechnet mit etwa 20 bis 25 Snaps pro Spiel.

Zwei Jahre Pause: Die größte Hürde heißt Tempo

Garrett selbst geht davon aus, dass die größte Hürde die Rückkehr zum eigentlichen Tempo des Spiels sein wird. Er kenne das Gefühl aus eigener Erfahrung – jedes Mal, wenn er selbst aus einer Auszeit zurückkomme, brauche es Zeit, um Kondition und Beine wieder auf NFL-Niveau zu bringen. Wenn im Spiel plötzlich alles schnell gehe, müsse man einen Weg finden, das eigene Tempo wieder zu drosseln, um das Spiel erneut lesen zu können.

Defensive-Tackle-Kollege Kobie Turner verwies zudem auf die besondere Physis in der Line: Nirgendwo sonst müsse man gewohnt sein, bei Double-Teams gegen bis zu 270 Kilogramm Körpergewicht anzukämpfen und dabei trotzdem explosiv aus der Line zu kommen. Die Abnutzung sei enorm, und das Spiel in den Trenches sei extrem präzise und zugleich extrem brutal – jede Bewegung der Hände und Füße müsse sitzen. Man verliere dieses Gespür wohl nie ganz, so Turner, müsse die eigenen Werkzeuge nach einer Pause aber erst wieder schärfen.

Die Cap-Rechnung geht auf

Vor dem Roster-Cut auf 53 Spieler verfügten die Rams noch über 15,45 Millionen Dollar Cap Space. Donalds Vertrag lässt sich laut Barshop auf verschiedene Weise cap-tauglich strukturieren – etwa durch Incentives, die als „nicht wahrscheinlich zu erreichen“ eingestuft werden und damit erst im kommenden Jahr auf den Cap angerechnet würden, oder durch einen großen Signing Bonus mit zusätzlichen Void Years, über die sich der Cap Hit strecken lässt. Für die laufende Saison dürfte der Deal damit finanziell gut umsetzbar sein.

Zurück auf die Thronhöhe? Noch nicht, aber möglich

Die klare Einschätzung von Fowler: Noch nicht – aber es ist durchaus erreichbar. Donald dominierte seine Position einst mit großem Abstand, entsprechend realistisch bleibt eine Rückkehr an die Spitze auch mehr als zwei Jahre nach seinem Rücktritt. Ein Selbstläufer sei das mit 35 Jahren aber nicht. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase und den ersten Spielpraxis-Einsätzen traut Fowler ihm den Sprung zurück auf One-of-One-Niveau dennoch zu – Donald habe sich in beeindruckender Form gehalten, und die Rams könnten seinen Workload so steuern, dass er vor allem zum Saisonende hin seine volle Wirkung entfaltet.

Super Bowl or Bust: Der Faktor Aaron Donald in der Postseason

Für Solak ist klar: Donalds Rückkehr steht ganz im Zeichen von „Super Bowl or bust“ – und genauso werden die Rams ihn wohl auch einsetzen. Als 35-jähriger Defensive Tackle, der über zwei Jahre kein NFL-Spiel bestritten hat, dürfte Donald zunächst vor allem als Rotations- und Pass-Rush-Spezialist fungieren. Solak erwartet, dass sein Snap-Count deutlich unter dem der Starter Poona Ford und Kobie Turner liegen wird, während er sich schrittweise wieder an das Tempo der Liga gewöhnt.

Seinen größten Effekt dürfte Donald deshalb genau dort entfalten, wo es am meisten zählt: gegen Offensive Lines, die zu viele Ressourcen auf die Neutralisierung von Garrett verwenden und dadurch an anderer Stelle Lücken öffnen. Solche Matchup-Vorteile schlagen laut Solak vor allem in der Postseason zu Buche. In der Regular Season dürften die Rams die meisten Gegner ohnehin auch ohne Donalds zusätzliches Gewicht in der Waagschale dominieren. War der Vorsprung gegenüber den Seahawks in der Vorsaison jedoch hauchdünn, könnte schon ein einziger entscheidender Sack oder ein drivebeendender Tackle for Loss von Donald am Ende über Divisionstitel und NFC-Championship entscheiden.

Fazit

Aaron Donalds Comeback ist weit mehr als eine emotionale Randnotiz – es ist ein kalkuliertes Puzzleteil im Titelplan der Rams. Ob als Ergänzung zu Myles Garrett im Pass Rush, als kalkulierbarer Cap-Baustein oder als möglicher Unterschied in einer engen Playoff-Partie: Los Angeles hat sich mit seiner Rückkehr eine zusätzliche Option verschafft, die in der gesamten Liga ihresgleichen sucht.


Quelle: Analyse von Sarah Barshop, Jeremy Fowler und Ben Solak, veröffentlicht bei ESPN