Tom Bradys Power Rankings sind zurück – und das gleich mit einer Ansage. In seiner ersten Ausgabe der Saison 2026 präsentiert der siebenfache Super-Bowl-Champion und heutige FOX-Sports-Analyst seine persönliche Top 10 der NFL nach Week 1. Klar ist: Wer in Week 1 nicht gewonnen hat, taucht in dieser Rangliste gar nicht erst auf. Brady bewertet ausschließlich, was ein Team zuletzt gezeigt hat – nicht, wozu es theoretisch fähig wäre. Und wer Beschwerden hat, wird von Brady mit einem Augenzwinkern an seine neue FOX-Sports-Show Gronk & Jules verwiesen.

Das Ergebnis ist eine Rangliste voller Überraschungen: Ein Team, das viele schon nach der Free Agency abgeschrieben hatten, steht ganz oben. Ein MVP-Kandidat sorgt bereits nach einem Spieltag für Gesprächsstoff. Und ein Name, der in den vergangenen Monaten vor allem wegen einer Verletzung Schlagzeilen machte, meldet sich mit einem klaren Statement zurück.

Die Top 10 nach Week 1

Ganz oben stehen die Seattle Seahawks. Für Brady ist die Logik simpel: Wer den amtierenden Champion gleich im ersten Saisonspiel erneut schlägt, hat sich Platz eins verdient – unabhängig davon, wer am Quarterback steht. Die Defense der Seahawks habe keinen Schritt verloren, so Brady, und mit Drew Lock als Vertretung für den verletzten Sam Darnold gebe es einen simplen Plan: den Ball einfach in Richtung Jaxon Smith-Njigba werfen.

Auf Platz zwei folgen die Chicago Bears. Nach einem 59-Punkte-Ausbruch gegen die Carolina Panthers ist die MVP-Diskussion um Caleb Williams offiziell eröffnet. Brady lobt vor allem, wie mühelos Ben Johnsons Offense wirkt – über 300 Rushing Yards, ein Quarterback, der bei zugelaufenen Receivern selbst zum Scrambler wird. Ob mit oder ohne Defense: Brady sagt, diese Bears-Offense sei kaum zu stoppen, wenn sie einmal ins Rollen komme.

Die San Francisco 49ers landen auf Platz drei, nachdem sie die Rams im Australia Game deutlich dominiert haben. Brady zieht den Hut vor Kyle Shanahan, der sich von der Reise-Diskussion rund um das Spiel in Melbourne nicht ablenken ließ. An Brock Purdy hat er nur einen Ratschlag: weiter auf Mike Evans werfen, der in seinem 49ers-Debüt prompt einen Touchdown fing.

Es folgen die Baltimore Ravens (4), die unter dem neuen Head Coach Jesse Minter und einem starken Auftritt von Lamar Jackson in Indianapolis überzeugten, sowie die Buffalo Bills (5), die mit einem Auswärtssieg gegen eine der besten Defenses der Vorsaison in Houston beeindruckten. Die Philadelphia Eagles (6) klopfen laut Brady bereits an die Top 5 an – auch wenn noch etwas Rost aus der Offseason abgeschüttelt werden müsse.

Auf den Plätzen acht bis zehn reihen sich die Jacksonville Jaguars, die Detroit Lions und die Cincinnati Bengals ein. Besonders die Jaguars unter Head Coach Liam Coen verdienen laut Brady mehr Respekt – schließlich habe das Team bereits in der Vorsaison 13 Spiele gewonnen.

Patrick Mahomes ist wieder Patrick Mahomes

Der spannendste Punkt der Rangliste findet sich allerdings auf Platz sieben: die Kansas City Chiefs. Und hier wird Brady auffallend deutlich – so deutlich, dass FOX Sports dem Thema sogar einen eigenen Beitrag gewidmet hat.

Nach dem 31:10-Erfolg der Chiefs gegen die Denver Broncos am Monday Night Football ließ Brady keinen Zweifel daran, dass Patrick Mahomes nach seinem Kreuzbandriss im vergangenen Dezember wieder er selbst sei. Die reine Statistik – 15 von 27 gefangenen Pässen für 184 Yards, zwei Touchdown-Pässe, eine Interception – war dabei für Brady nicht entscheidend. Viel wichtiger sei die Art gewesen, wie Mahomes aufgetreten ist: mit einem 15-Yard-Touchdown-Lauf im ersten Quarter, bei dem er keinem Kontakt auswich, und mit der für ihn typischen Mischung aus Leadership, Disziplin und Hartnäckigkeit.

Patrick Mahomes scheute keinen Körpereinsatz gegen Denver – für Tom Brady der Beweis, dass der Chiefs-Leader zurück auf seinem alten Niveau ist.
Patrick Mahomes scheute keinen Körpereinsatz gegen Denver – für Tom Brady der Beweis, dass der Chiefs-Leader zurück auf seinem alten Niveau ist. | Quelle: IMAGO / Icon Sportswire

Brady selbst kennt diesen Weg aus eigener Erfahrung – auch er kehrte einst nach einem Kreuzbandriss zur gleichen Zeit im Karriereverlauf zurück wie jetzt Mahomes. Genau deshalb wiegt seine Einschätzung besonders schwer: Mahomes habe zwar viel Football und einen großen Teil der Offseason verpasst, werde aber zunehmend an Fahrt gewinnen. „Schlaft nicht auf Nummer 15 der Chiefs“, brachte Brady es auf den Punkt.

Statistisch war es ohnehin nicht Mahomes, der das Spiel gegen Denver entschied, sondern Neuzugang Kenneth Walker III. Der Running Back lief für einen Karrierebestwert von 173 Yards bei starken 7,5 Yards pro Carry, inklusive eines 60-Yard-Touchdown-Laufs, der den Chiefs im zweiten Abschnitt die entscheidende Kontrolle verschaffte. Brady würdigte Walkers Auftritt ausdrücklich, konzentrierte den Großteil seiner Analyse aber auf Mahomes – nicht zuletzt, weil viele Beobachter die Karrieren beider Quarterbacks ohnehin gerne vergleichen.

Am Ende zog Brady ein grundsätzliches Fazit zu Kansas City: Man solle die Chiefs niemals abschreiben. Mit einem erstklassigen Head Coach, einem erstklassigen Quarterback und einer Organisation, die seit Jahren Championship-Standards setze, gelte für ihn eine einfache Regel – Vorsicht ist geboten, sobald diese drei Faktoren zusammenkommen.

Meinung von der Couch – Was Tom Bradys Rangliste über Week 1 verrät

Bradys erste Power Rankings der Saison zeigen ein Muster, das sich durch die gesamte Liste zieht: Nicht die reine Statistik entscheidet, sondern der Gesamteindruck. Bei den Bears ist es die Explosivität der Offense, bei den 49ers die Nervenstärke unter Ablenkung, bei den Chiefs die Führungsqualität von Mahomes trotz durchwachsener Zahlen. Genau diese Mischung aus Bauchgefühl und Analyse macht Bradys wöchentliche Einordnung so lesenswert – auch wenn sie, wie er selbst betont, ausschließlich das bewertet, was zuletzt auf dem Feld passiert ist.

Ich finde Tom Bradys Ansatz erfrischend ehrlich: Wer in Week 1 verliert, hat in seiner Top 10 schlicht nichts zu suchen – Vorschusslorbeeren gibt es bei ihm nicht. Am meisten überzeugt mich aber seine Einschätzung zu Mahomes. Die Stats gegen Denver waren unspektakulär, aber genau das macht seine Aussage so stark: Er bewertet nicht die Zahlen, sondern die Körpersprache und die Bereitschaft, wieder volles Risiko zu gehen. Wer nach einem Kreuzbandriss wieder ungeschützt in Contact-Situationen geht, hat den mentalen Schritt zurück längst gemacht. Ich würde die Chiefs nach Week 1 vielleicht noch nicht ganz so hoch einordnen wie Brady es andeutet – aber die Grundaussage, dass man Kansas City niemals abschreiben sollte, teile ich zu hundert Prozent.