Lamar Jackson in Aktion: Verletzung und Vertragspoker sorgen für Fragezeichen in Baltimore.
Lamar Jackson in Aktion: Verletzung und Vertragspoker sorgen für Fragezeichen in Baltimore. | Quelle: IMAGO / Newscom World

Der Anblick wird hängen bleiben: Lamar Jackson verlässt das Feld und starrt ungläubig auf seinen verformten, lädierten rechten Daumen. Nach der 10:36-Pleite bei den Buffalo Bills steht nicht nur der Rest der Saison der Baltimore Ravens in den Sternen. Auch Jacksons Zukunft in Baltimore ist plötzlich offener denn je.

Head Coach Jesse Minter bestätigte nach dem Spiel, dass Jackson operiert wird und die Verletzung „potenziell“ das Saisonaus bedeutet. Dazu kommt: 2027 ist das letzte Vertragsjahr des zweifachen MVP, und es bringt einen gewaltigen Cap Hit mit sich. Was wie eine reine Verletzungsmeldung beginnt, wird damit zum Grundsatzthema für die gesamte Franchise.

Ein möglicher Schlusspunkt im Bills-Spiel

Möglicherweise war es Jacksons letzter Snap im Ravens-Trikot. Beim Versuch zu werfen, krachte seine rechte Hand gegen Outside Linebacker Greg Rousseau von den Bills. Danach verließ Jackson das Stadion mit Schiene an der Hand. Es wäre ein bitteres Ende für eine Ära aus Deep Balls und spektakulären Scrambles, die Baltimore in den letzten Jahren geprägt hat.

Gleichzeitig ist es eine weitere Erinnerung daran, wie sehr Verletzungen zuletzt einige von Jacksons Saisons zurückgeworfen haben.

Rex Ryan: „Er muss in Baltimore bleiben“

Emotional wird es bei Rex Ryan, dem ehemaligen Defensive Coordinator der Ravens und heutigen ESPN-Analysten. Er würde es nach eigener Aussage absolut hassen, Jackson in einem anderen Trikot zu sehen. Ryan verweist auf Ray Lewis, der immer nur für die Ravens spielte und dem in Baltimore eine Statue gewidmet ist. Neben ihr werde eines Tages auch eine für Jackson stehen. Sein Fazit: Jackson müsse in Baltimore bleiben. Und welche Situation könnte für ihn reizvoller sein als die bei den Ravens?

Das ist die romantische Sicht. Die nüchterne Sicht liefert die Salary Cap.

Das Cap-Problem: 84,34 Millionen Dollar und kein Spielraum

Der Kern des Problems ist Jacksons Cap Figure für 2027 in Höhe von 84,34 Millionen Dollar. Sie gilt wegen der angespannten Lage der Ravens als nicht tragbar. Laut Over The Cap liegt Baltimore 2027 bereits 45,94 Millionen Dollar über der Cap, der schlechteste Wert der NFL.

Eine Contract Extension würde die Rechnung entschärfen, weil sich die Belastung dann auf mehrere Jahre verteilen ließe. Genau deshalb betonten Owner Steve Bisciotti und General Manager Eric DeCosta in den vergangenen zehn Monaten immer wieder die Dringlichkeit einer Einigung. Bisciotti zeigte sich damals überzeugt, dass Jackson einem Deal offen gegenüberstehe, der den letzten Vertrag spiegelt, nur mit höherem Jahresgehalt. Idealerweise werde einfach eine neue Zahl in den bestehenden Vertrag eingesetzt. DeCosta gab sich Anfang September optimistisch und wollte so schnell wie möglich abschließen.

Gefolgt ist daraus bisher nichts. Es gibt keine Anzeichen, dass beide Seiten kurz vor einer Einigung stehen. Das befeuert die Spekulationen umso mehr.

Lamar Jackson hat das Heft in der Hand

Verhandelt wird dabei ungewöhnlich. Jackson hat keinen Agenten und vertritt sich selbst. Außerdem besitzt er eine No-Trade-Klausel und eine No-Tag-Klausel. Ohne seine Zustimmung ist ein Trade also ebenso wenig möglich wie der Franchise Tag. Das letzte Wort liegt bei ihm.

Möglich ist, dass Jackson abwartet, bis andere Quarterbacks den Markt neu definieren. Mit Caleb Williams, Drake Maye, Jayden Daniels und Bo Nix werden nach dieser Saison gleich vier junge Stars für Extensions infrage kommen. Aktuell der Topverdiener der Liga ist Patrick Mahomes von den Chiefs mit durchschnittlich 63 Millionen Dollar pro Jahr. Steigt die Messlatte, steigt auch Jacksons Forderung.

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Trade-Szenario: Wohin könnte Jackson wechseln?

Wenn die Ravens nicht ins letzte Vertragsjahr ohne Extension gehen wollen, bleibt ein Trade als Option. Jackson müsste Baltimore dafür vermutlich eine Liste von Teams nennen, zu denen er wechseln würde, und für diese seine No-Trade-Klausel aufheben.

In den Medien kursieren bereits mögliche Landing Spots. Die Spekulationen reichen von den New York Jets über die Miami Dolphins bis zu den Las Vegas Raiders. Es sind allerdings Gedankenspiele, keine bestätigten Gespräche. Entscheidend wird sein, welche Teams überhaupt Cap Space und Draft Capital haben, um einen Quarterback dieser Preisklasse zu stemmen.

Die Gegenseite der Rechnung ist die Gegenleistung. Auf dem Papier ist Jackson ein Top-Spieler der Liga:

  • Zweifacher NFL MVP
  • Zweitbestes Career Passer Rating aller Zeiten (102,7)
  • Meiste Rushing Yards eines Quarterbacks in der Karriere (6.666)

Die Verletzungsakte bremst den Marktwert

Genau das ist die Krux: Jackson fehlte in den letzten sechs Saisons wegen Knöchel-, Oberschenkel-, Rücken-, Knie- und Daumenverletzungen insgesamt 18 Spiele. Fällt er auch den Rest der aktuellen Saison aus, hätte er in den Jahren 2025 und 2026 nur 14 von 34 Partien begonnen und beendet. Wer einen Quarterback für Rekordsummen verpflichtet, will Verfügbarkeit. Das drückt unweigerlich den Trade-Wert.

Die Ravens brauchen Jackson und eine Lösung

Ohne Jackson sind die Ravens in dieser Saison abgestürzt. Das zeigt, wie sehr das Team von ihm abhängt. Sie brauchen ihn also dringend, aber sie brauchen auch schnell Klarheit über seinen Vertrag. Jede Woche ohne Einigung schärft das Bild einer Franchise, die beim wichtigsten Spieler im Ungewissen steht.

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Meinung von der Couch

Für mich ist die Lage klarer, als sie wirkt: Beide Seiten wollen zusammenbleiben, aber die Zahlen wollen es nicht. Dass Jackson sich selbst vertritt, finde ich spannend, es macht den Poker aber unberechenbar. Ein Trade wäre für mich die schlechteste Lösung: Eine Franchise gibt ihren besten Spieler her, ein Quarterback verlässt die Stadt, in der er zur Legende wurde. Rex Ryan hat da emotional recht. Realistisch wird es spätestens im Frühjahr unbequem, wenn die Cap drückt und die Verletzungshistorie am Verhandlungstisch mitsitzt. Ich tippe weiter auf eine Extension, aber sie muss bald kommen. Was meint ihr: Bleibt Lamar ein Raven oder startet er woanders neu?