Buccaneers-Quarterback Baker Mayfield steht vor einer wegweisenden Saison – 2027 kann er als Free Agent seinen nächsten und vielleicht letzten großen Vertrag verhandeln.
Buccaneers-Quarterback Baker Mayfield steht vor einer wegweisenden Saison – 2027 kann er als Free Agent seinen nächsten und vielleicht letzten großen Vertrag verhandeln. | Quelle: IMAGO / ZUMA Press Wire

Der Offseason-Lärm ebbt ab. Der Draft ist durch, die großen Free-Agency-Moves sind gemacht. Was jetzt folgt, ist das Eigentliche: Footballspielen. Und für eine Handvoll Spieler bedeutet die kommende Saison mehr als den nächsten Schritt in ihrer Karriere – sie ist die entscheidende Verhandlungsgrundlage für das größte Geld, das sie je sehen werden. Oder eben nicht.

Nach aktuellem Stand laufen die Verträge dieser Spieler nach der Saison 2026 aus. Das heißt: Was sie in den kommenden 17 Regular-Season-Spielen zeigen, bestimmt ihren Marktwert. Für einige wird es eine Krönung, für andere eine letzte Chance, für wieder andere der Beginn eines komplizierten Scheidungsverfahrens mit ihrer Franchise. The Athletic hat die potenzielle 2027-Free-Agent-Klasse bereits durchleuchtet – und die Namensliste ist bemerkenswert.


Das Quarterback-Problem: Stafford und Mayfield

Ganz oben steht Matthew Stafford. Der amtierende MVP – 46 Touchdown-Pässe, Ligaführung in Passing Yards, die wohl beste Saison seiner Karriere mit 38 Jahren – ist offiziell im Endspurt. Sein Vertrag läuft nach 2026 aus, Extension-Gespräche gibt es, Rams-GM Les Snead spricht von „Fortschritt“ und erwartet „keine Drama“. Das war, bevor Los Angeles in der ersten Runde Alabama-QB Ty Simpson auswählte.

Für sich genommen wäre das kein Problem. Aber Simpson wurde an 13. Stelle gedraftet – das ist kein Projekt, das verstaubt. Sean McVay hat es schon klar formuliert: Simpsons Chance kommt „zu Staffords Bedingungen“. Die Frage ist nur, was das bedeutet, wenn Stafford in der Saison 2026 seinen Rhythmus findet – oder auch nicht. Mit 39 Jahren in der kommenden Saison ist jede Verletzung, jede Schwächephase ein Argument für die Rams, die Nachfolge früher einzuleiten als geplant. Und jede starke Performance ein Argument für Stafford, noch ein Jahr dranzuhängen.

Baker Mayfield steht vor einem anderen Problem. Er hat seinen Weg in Tampa Bay gemacht, war 2023 und 2024 einer der besseren Quarterbacks der Liga – dann kam 2025. Schlechtere Zahlen, keine Playoffs, erstmals seit sechs Jahren. Die Bucs haben kein Backup mit echtem Starting-Potenzial im Kader. Das sichert Mayfields Startposition, schwächt aber auch seine Verhandlungsposition: Wer wenig Alternativen hat, zahlt, was gefordert wird – oder sucht woanders. Mayfield ist 2027 erst 32, hat also noch Substanz. Die Saison 2026 muss zeigen, ob das 2025 ein Ausrutscher war oder der Beginn eines Abschwungs.


Running Backs mit Timing-Problem

Jonathan Taylor ist 27, kommt ab in die Saison, die seinen dritten Großvertrag definieren wird. 20 Scrimmage Touchdowns, drittbeste Rush-Yards der Liga – wer so spielt, verdient bezahlt zu werden. Das Problem: Running Backs altern schnell, und 28 ist die magische Schwelle, ab der viele Franchises zögern. Taylor muss 2026 liefern, um Zweifel an seiner Langlebigkeit im Keim zu ersticken.

De’Von Achane bei den Dolphins ist die explosivere Geschichte. Kein Running Back mit mindestens 200 Touches hat seit 2023 eine höhere Rate an explosive plays produziert. Miami spricht davon, ihn zu verlängern – Priorität, Building Block, alle Vokabeln sind da. Aber ein neuer Coach (Jeff Hafley) und ein neuer GM (Jon-Eric Sullivan) bedeuten auch: Das Schönreden der alten Regime gilt nicht mehr. Achane muss zeigen, dass er auch ins neue System passt. Wenn er es tut, wird die Extension kommen. Wenn nicht, wird es 2027 auf dem freien Markt einen sehr attraktiven 25-jährigen Running Back geben.


Receiver-Klasse mit Potenzial

Puka Nacua steht vor dem für die Rams eigentlich unlösbaren Problem: Er ist der Receiver, den Stafford braucht, um auf MVP-Niveau zu spielen – und er spielt im letzten Jahr seines Rookie-Deals. Liga-führend in Receiving First Downs, liga-führend in Yards After the Catch. Die Rams werden verlängern wollen. Nach dem Jaxson-Smith-Njigba-Deal der Seahawks (4 Jahre, 42 Millionen pro Jahr) ist die Messlatte gesetzt. Nacua sollte sich in diesem Bereich bewegen können.

Drake London hatte 2025 das Pech einer PCL-Verletzung, die ihn vier Wochen kostete. Bis dahin war er unter den besten fünf Receivern der Liga in Receiving Yards. Trotz der verpassten Spiele: zweiter in der NFL in Contested Catches, nach Nacua. Das letztes Jahr seiner Fifth-Year-Option – Atlanta zahlt ihm 18,8 Millionen garantiert. Was folgt, entscheidet sich auf dem Feld.

George Pickens ist das interessanteste Case Study der Gruppe. Die Cowboys haben ihn mit dem Franchise-Tag belegt, 27,3 Millionen für eine Saison. Das ist Absicherung, kein Bekenntnis. Dallas will sehen, ob das starke erste Jahr in Texas kein Ausreißer war. Pickens hat das körperliche Profil – Größe, Speed, Hands – das ihn zur Elite zählt. Aber in dieser Liga reicht ein gutes Jahr nicht. Das zweite muss kommen.

Chris Olave schreibt eine andere Geschichte. 2024 durch Gehirnerschütterungen auf acht Spiele reduziert, kam er 2025 zurück mit Karrierebestwerten in nahezu jeder statistischen Kategorie. 100 Catches, über 1.100 Yards, 9 Touchdowns. Olave ist ein präziser Route Runner, kein athletisches Phänomen – aber Präzision altert gut. New Orleans hat seine Fifth-Year-Option gezogen. Wenn er 2026 ähnlich spielt, wird die Verlängerung kein Theater.


Zwei Offensive-Linemen, die niemand unterschätzen sollte

Quenton Nelson ist seit dem Draft 2018 einer der besten Left Guards der Liga und befindet sich auf einer Hall-of-Fame-Trajektorie. Taylors Rushing-Zahlen existieren nicht ohne Nelson. Mit 31 Jahren in der kommenden Saison ist er noch nicht alt für einen Guard, und seine Verletzungshistorie ist überraschend sauber – ein einziger Ausfall in acht Profijahren. Wenn er auf den Markt käme, wäre das ein Ereignis.

Aaron Brewer ist das kleinere, aber nicht minder interessante Kapitel. In einer insgesamt enttäuschenden Dolphins-Saison war er eine der wenigen verlässlichen Größen – Second-Team All-Pro als Center, ausgezeichnet als Mover in Space. Miami zahlt ihm 21 Millionen für drei Jahre, er hat diesen Vertrag übererfüllt. Mit 30 Jahren geht er in die entscheidende Phase seiner Karriere.


Was diese Liste wirklich bedeutet

Es ist an dieser Stelle das übliche Disclaimer nötig: Die meisten dieser Spieler werden nie den freien Markt sehen. Unter den Top 30 der potenziellen 2026-Klasse kamen letztes Jahr nur sechs Spieler tatsächlich in Free Agency – 23 verlängerten irgendwann. Franchises wissen, was sie haben, und zahlen entsprechend.

Aber der Wert dieser Liste liegt woanders. Sie zeigt, welche Spieler 2026 unter besonderem Druck stehen: Druck, ihren Wert zu bestätigen, ihre Verletzbarkeit zu widerlegen, oder schlicht ihren Coach und GM davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, viel Geld für sie in die Hand zu nehmen. Das macht aus dem ohnehin spannenden nächsten NFL-Jahr für diese zehn Spieler noch etwas mehr – nämlich die wichtigste Saison ihrer bisherigen Karrieren.


Die zehn potenziellen Free Agents 2027 im Überblick

  1. Matthew Stafford, QB – Los Angeles Rams
  2. Jonathan Taylor, RB – Indianapolis Colts
  3. De’Von Achane, RB – Miami Dolphins
  4. Quenton Nelson, G – Indianapolis Colts
  5. Puka Nacua, WR – Los Angeles Rams
  6. Drake London, WR – Atlanta Falcons
  7. Baker Mayfield, QB – Tampa Bay Buccaneers
  8. George Pickens, WR – Dallas Cowboys
  9. Aaron Brewer, C – Miami Dolphins
  10. Chris Olave, WR – New Orleans Saints