
Während nahezu alle NFL-Franchises ihre Geschäftszahlen unter Verschluss halten, sorgen die Green Bay Packers jedes Jahr für einen seltenen Blick hinter die Kulissen des Milliarden-Geschäfts. Als einzige öffentlich organisierte Franchise der Liga sind die Packers verpflichtet, ihre Finanzen offenzulegen – und die aktuellen Zahlen zeigen einmal mehr, welche wirtschaftlichen Dimensionen die NFL inzwischen erreicht hat.
Allein aus den nationalen Einnahmen der Liga flossen den Packers im vergangenen Geschäftsjahr 453,2 Millionen US-Dollar zu. Hochgerechnet auf alle 32 Teams bedeutet das Einnahmen von mehr als 14,5 Milliarden US-Dollar, die überwiegend aus TV-Verträgen stammen.
Warum nur die Packers ihre Finanzen veröffentlichen
Die Green Bay Packers nehmen innerhalb der NFL eine Sonderrolle ein.
Im Gegensatz zu allen anderen Franchises gehört das Team keinem Milliardär oder einer Investorengruppe. Stattdessen befindet sich die Organisation im Besitz von Hunderttausenden Anteilseignern. Genau deshalb sind die Packers verpflichtet, ihre Geschäftszahlen jährlich öffentlich zu präsentieren.
Teampräsident Ed Policy bezeichnete diese Transparenz als wichtigen Bestandteil der Organisation.
„Ich denke, das ist gut. Unsere Anteilseigner sollen sehen können, wie wir wirtschaften.“
Revenue Sharing hält auch kleine Märkte konkurrenzfähig
Ein Großteil der Einnahmen stammt aus dem sogenannten Revenue Sharing der NFL.
Fernsehgelder, nationale Sponsoren und weitere zentrale Einnahmen werden nahezu gleichmäßig auf alle 32 Teams verteilt. Genau dieses System sorgt dafür, dass selbst Green Bay – der mit Abstand kleinste NFL-Markt – wirtschaftlich mit Franchises aus New York, Los Angeles oder Dallas mithalten kann.
Im vergangenen Geschäftsjahr erhielt Green Bay 453,2 Millionen US-Dollar aus diesem Topf – rund 20,6 Millionen Dollar mehr als im Vorjahr.
Auch die lokalen Einnahmen entwickelten sich positiv. Trotz eines Heimspiels weniger stiegen diese auf 299,8 Millionen US-Dollar, unter anderem durch Ticketverkäufe, Sponsoren und Merchandise.
Warum die Packers trotz hoher Einnahmen zunächst Verlust machten
Auf den ersten Blick überrascht allerdings eine andere Zahl.
Operativ verzeichneten die Packers ein Minus von 1,1 Millionen US-Dollar.
Der Grund liegt jedoch nicht in wirtschaftlichen Problemen, sondern in der Struktur von NFL-Verträgen.
Durch hohe Signing Bonuses sowie den Trade oder die Entlassung mehrerer Spieler mussten bereits gezahlte Bonuszahlungen buchhalterisch sofort berücksichtigt werden. Unter anderem betraf dies Kenny Clark, Jaire Alexander, Rashan Gary, Elgton Jenkins und Nate Hobbs.
Diese Belastungen führten zwar zu einem operativen Verlust, stellten jedoch keinen tatsächlichen Geldabfluss im aktuellen Geschäftsjahr dar.
Am Ende bleibt dennoch ein Gewinn von über 130 Millionen Dollar
Unter dem Strich erzielten die Packers dennoch einen Nettogewinn von 132,5 Millionen US-Dollar.
Möglich wurde dies durch außerordentliche Einnahmen in Höhe von 133,6 Millionen Dollar. Dazu gehörte unter anderem der Anteil der Packers an der NFL-Vereinbarung, bei der die Liga eine Beteiligung an ESPN erhielt und im Gegenzug das NFL Network einbrachte.
Zusätzlich profitierten die Packers von erfolgreichen Kapitalanlagen ihres Unternehmensvermögens.
Dieses Reservevermögen beläuft sich inzwischen auf rund 701 Millionen US-Dollar.
Kein Milliardär im Hintergrund
Trotz dieser beeindruckenden Zahlen stehen die Packers vor einer besonderen Herausforderung.
Während viele NFL-Teams bei Bedarf frisches Kapital über ihre milliardenschweren Eigentümer oder den Verkauf kleiner Franchise-Anteile beschaffen können, verfügt Green Bay über diese Möglichkeiten nicht.
Teampräsident Ed Policy brachte den Unterschied mit einem einfachen Vergleich auf den Punkt.
Andere Teams hätten einen Geldautomaten, auf den sie jederzeit zugreifen könnten – die Packers hingegen nicht.
Deshalb will die Franchise künftig zusätzliche Einnahmequellen erschließen.
Neue Einnahmequellen sollen die Zukunft sichern
Bereits in den vergangenen Monaten verkauften die Packers Namensrechte für Teile des Entertainment-Distrikts rund um das Lambeau Field.
Künftig könnten auch weitere Trainingsanlagen entsprechende Sponsoren erhalten. Ausgeschlossen sei laut Policy allerdings ein Verkauf der Namensrechte am legendären Lambeau Field selbst.
Darüber hinaus sollen künftig mehr Großveranstaltungen zusätzliche Einnahmen generieren. Bereits in diesem Jahr fanden zwei Konzerte von Country-Star Luke Combs im Stadion statt. Im September folgt zudem das College-Football-Spiel zwischen Wisconsin und Notre Dame.
Meinung von der Couch
Die veröffentlichten Zahlen zeigen eindrucksvoll, warum die NFL als erfolgreichste Sportliga der Welt gilt. Mehr als 14,5 Milliarden US-Dollar an zentralen Ligaeinnahmen verdeutlichen, wie stark insbesondere die milliardenschweren TV-Verträge inzwischen geworden sind.
Mindestens genauso spannend ist jedoch die Sonderrolle der Packers. Während andere Franchises jederzeit auf das Vermögen ihrer Besitzer zurückgreifen können, muss Green Bay langfristig wirtschaften und eigene Rücklagen bilden. Dass die Packers unter diesen Voraussetzungen seit Jahrzehnten sportlich konkurrenzfähig bleiben, macht ihre Geschichte innerhalb der NFL einzigartig.